Wer sich für den Werdegang einer Gemeinde interessiert, nimmt – falls vorhanden – eine Ortschronik zur Hand oder geht ins Heimatmuseum. Beide Möglichkeiten bieten sich für die einst selbständige Gemeinde Öflingen an, die zum 1. Januar 1972 in die Stadt Wehr eingegliedert wurde.

Das im Jahre 1265 als „Ovelikon“ erstmals erwähnte Öflingen war lange Zeit kein geschlossenes Dorf. Entlang der Wehra war auf dem Gemarkungsübersichtsplan von 1892 neben dem eigentlichen Ortskern „Öflingen“ noch im Norden der Weiler „Ober Öflingen“ und im Süden die Häusergruppe „Brennet“ ersichtlich.

Katastervermessung auf den Zentimeter

Die Wehratalstraße verband die drei Wohnbereiche, und wer wollte, konnte sogar mit der 1890 eröffneten Wehratalbahn Säckingen – Schopfheim von der „Station Brennet“ zur 1,95 Kilometer entfernten „Station Öflingen“ fahren, die sich in Ober Öflingen befand. Der ebenfalls zur Gemeinde gehörige rund 150 Meter höher liegende Zinken Günnenbach mit seinen sieben Häusern war dagegen etwas beschwerlicher zu erreichen.

Die Karte von 1892 ist eines der Ergebnisse der zuvor erfolgten Katastervermessung, die 4106 Grundstücke mit sich brachte und zu einer Öflinger Gemarkungsfläche von exakt 821,0568 Hektar führte.

Die Karte von 1892 beruht auf einer vom Großherzogtum Baden angeordneten Vermessung. Wehratalbahn und Mechanische Buntweberei Brennet bestanden bereits.
Die Karte von 1892 beruht auf einer vom Großherzogtum Baden angeordneten Vermessung. Wehratalbahn und Mechanische Buntweberei Brennet bestanden bereits. | Bild: Richard Kaiser

In dieser Karte sind auch die damals vorhandenen 152 Gewanne erwähnt, deren Namen vielfach auf feinsinnige Beobachtungen der früheren Bewohner schließen lassen. Einige dieser Flurnamen sind wieder verschwunden, doch 14 bestehen immerhin in Straßenbezeichnungen weiter, wie beispielsweise Brühl, Hagelrain, Kressmatt, Mühlenmatt oder Weckersmatt.

Wie sich Gemarkungsnamen ändern

Zu den markanten Öflinger Flurnamen zählen nach wie vor die Anhöhen Humbel und Krähenhühl, ebenso die etwas weniger bekannten Dürrenschürnberg und Rheinsberg. Nördlich vom letzteren befindet sich das Gewann Kellerle, das einen mächtigen Felsen sein Eigen nennt, der einen herrlichen Ausblick zum Oberdorf Öflingen und nach Wehr gewährt.

300 Meter nördlich davon tut sich im Sitthaslengraben das 1740 erstmals genannte Hunnenloch auf, das beidseits von Felsen umgeben ist. Was aber in aller Welt mag den Katastergeometer des Jahres 1892 bewogen haben, daraus den Flurnamen „Beim Hühnerlochfelsen“ zu machen? Eine entsprechende Erklärung ist nirgends zu finden.

Im Volksmund wird dieser große Gesteinsbrocken oberhalb des Hunnenlochs als „Hühnerlochfelsen“ bezeichnet, der in der Sagenwelt seinen Platz hat.
Im Volksmund wird dieser große Gesteinsbrocken oberhalb des Hunnenlochs als „Hühnerlochfelsen“ bezeichnet, der in der Sagenwelt seinen Platz hat. | Bild: Richard Kaiser

Name erinnert an ehemalige Richtstätte

Bemerkenswert ist überdies das Gewann Galgenmatt, das 1530 als „Galgenmattlin“ zur Sprache gebracht wurde. Auf der ehemaligen großen Wiese, die längst bewaldet ist, weitab vom Dorf, nahe der Bergalinger Gemarkungsgrenze, befand sich vormals die Richtstätte der Gemeinde.

Neben weiteren Eintragungen in der Karte von 1892 ist noch jener hervorzuheben, der als Holzlagerplatz und Floßplatz vermerkt ist und ganz im Süden der Gemarkung am Rhein lag. Diese Platzbezeichnung war schon im „Grund Riss über den ganzen Öfflinger Bann in der Schönauischen Herrschaft Schwerstätten“ enthalten, den der Geometer Fridolin Garnie 1779 gezeichnet hat.

Besiedlung wohl schon seit der Steinzeit

Unweit des Lagerplatzes standen im Gewann „Feld im Ried“ vier Häuser, und beim größten davon handelte es sich um das „Gasthaus zum Kreuz“, in dessen Nebengebäude die Pferde der Postkutschenstation untergebracht waren. Brennet war seinerzeit kartenmäßig als Ortsname noch nicht vorhanden. 1539 war allerdings von „im brennen ried“ die Rede, später nur noch vom Ried, was als sumpfiges Gelände gedeutet werden kann.

Nach dem Säckinger Heimatforscher Emil Gersbach (1885 bis 1963) ist Brennet auf das keltische „brenos“, mit Leuten die am Rhein wohnen, zurück zu führen. Dieser Wohnplatz war anscheinend schon zur Steinzeit besiedelt, und nach den Kelten, dürften sich im 4. Jahrhundert die Alemannen dort niedergelassen haben, nachdem die Römer abgezogen waren.

2,78 Jauchert ergeben ein Hektar

Der 71 auf 100 Zentimeter große Gemarkungsplan von 1779 enthält Häuser, Straßen, Wege, Gewässer, Brücken, Wegkreuze und sämtliche Nutzungsarten. Das Besondere dabei ist aber die Darstellung und die Aufschlüsselung der Eigentumsverhältnisse.

In einer Legende sind die bäuerlichen Güter mit 1960 Jauchert (706 Hektar), die Kaiserl. Lehensgüter der Herren von Schönau mit 136 Jauchert (49 Hektar), die Gnädigen Herrschaftsgüter mit 37 Jauchert (13 Hektar) und die Kirchengüter mit 36 Jauchert (13 Hektar) beziffert. Die Gemarkungsfläche berechnete Geometer Garnie also mit 2169 Jauchart (781 Hektar), der heute 821 Hektar gegenüberstehen. Die fehlenden 40 Hektar sind leicht zu deuten, denn die Gewässer, wie Rhein, Wehra und die zahlreichen Bäche wurden 1779 eigentumsmäßig nicht erfasst.

Was die Nutzungsarten anbelangt, so hat der Wald innerhalb der vergangenen 240 Jahren erheblich zugenommen, die landwirtschaftlich genutzten Flächen dagegen abgenommen, was insbesondere mit der Wohnbebauung zusammenhängt. Der Weinanbau mit 39 Jauchert (14 Hektar), der in den Gewannen Schweizerbühl, Ob dem Gässle, Im oberen Berg und Kirchspiel verbreitet war, ist ganz verschwunden.