Das Gebiet zwischen dem Landgasthof Sonne und der Schwörstädter Straße am westlichen Rand des Enkendorfs soll städtebaulich neu geordnet werden. Bereits vor gut zwei Jahren hat der Gemeinderat dazu die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen, dessen Entwurf nun am kommenden Dienstag im Gremium beraten werden soll.

Hauptsächlicher Nutznießer der Überplanung ist ein Betrieb, der gar nicht in dem betroffenen Gebiet liegt: Der Landgasthof Sonne. Denn zwei benachbarte Grundstücke mit einer Gesamtgrundfläche von etwa 1600 Quadratmetern sollen als Sondergebiet für Stellplätze für den Enkendörfer Traditionsbetrieb ausgewiesen werden.

Das Heikle: Die beiden Grundstücke befinden sich gar nicht im Eigentum des Hotelbesitzers. In der Gemeinderatsvorlage heißt es dazu schlicht: "Im Städtebaurecht stehen die notwendigen Mittel zur Umsetzung der Planung bereit".

Ohne es explizit zu benennen, wird damit auch eine mögliche Enteignung angedeutet. So versteht es auch Peter Piram, der gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern Eigentümer der Grundstücke ist und deshalb von einer "massiven Bedrohung" durch die Stadt spricht. Piram führt aktuell den Gärtnereibetrieb seines 2016 verstorbenen Vaters weiter und nutzt dafür unter anderem auch das betroffene Grundstück im Enkendorf. "Ich bin auf das Grundstück angewiesen", so Piram gegenüber unserer Zeitung.

Wegen der Flurbereinigung auf dem Dinkelberg seien bereits andere Wirtschaftsflächen seines Betriebs fraglich, erklärt Piram, der auch aus emotionalen Gründen an dem Grundstück festhält: "Unseren Gärtnereibetrieb gibt es seit sieben Generationen. Das gibt man nicht so einfach auf."

Bild: Obermeyer, Justus

Begründet wird die Ausweisung des Sondergebiets von der Stadtverwaltung mit dem herrschenden Defizit an Stellplätzen für den benachbarten Landgasthof. Mit dem Bau des geplanten neuen Gästehauses sollen zwar auf der Westseite der Hasel 22 zusätzliche Auto-Stellplätze entstehen. "Der tatsächliche Stellplatzbedarf konnte auch im Rahmen der vorgesehenen Erweiterung des Betriebs nicht befriedigt werden", heißt es nun aber von Seiten der Stadtverwaltung.

Eine Ausweisung der Nachbargrundstücke zu diesem Zweck sei aufgrund des bestehenden öffentlichen Interesses an einer Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zulässig – so beurteilt zumindest die Stadtverwaltung die Rechtslage. 2017 hatte sich die Stadt schon ein besonderes Vorkaufsrecht für die Grundstücke eintragen lassen.

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Dass die Stadt nun ausgerechnet ein Auge auf das Grundstück seiner Familie geworfen habe, kann Peter Piram nicht nachvollziehen. In fußläufiger Entfernung zum Landgasthof habe die Stadt im vergangenen Jahr selbst Grundstücke von der Novartis erworben, die als Parkplätze für Hotelgäste dienen könnten.

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An das geplante Sondergebiet "Hotelstellplätze" schließt sich nördlich und westlich ein Mischgebiet an, der nördliche Teil des Bebauungsplangebiets soll Wohngebiet werden. Gerade in diesen Gebieten ist nach dem Entwurf eine deutlich großzügigere Bebauung möglich als die bestehende. Zwar wird eine zweigeschossige Bauweise als Maximum festgeschrieben, dafür sind die Baufenster deutlich größer.

Die Erschließung der hinteren Grundstücke soll durch eine neue öffentliche Straße erfolgen, die vom Landgasthof Sonne in Richtung Norden verläuft. "Die Stadt hat die Planung ohne die Zustimmung von vielen Eigentümern vorangetrieben", meint Peter Piram dazu.

Mit der Aufstellung des Bebauungsplans im Jahr 2017 hatte der Gemeinderat zusätzlich eine zweijährige Veränderungssperre für das gesamte Gebiet erlassen. Sie soll nun letztmalig um ein weiteres Jahr verlängert werden. In diesem Zeitraum soll dann der neue Bebauungsplan rechtskräftig werden.

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Die Gemeinderatssitzung

Neben dem Bebauungsplan "Enkendorf West" und der Verlängerung der Veränderungssperre geht es in der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag, 30. Mai, ab 19 Uhr um folgende Themen: Erneuerung der Beleuchtung der Stadthalle Wehr, Konzeption für das neue Familienzentrum beim Kindergarten im Bündtenfeld und die Vergabe der Rohbauarbeiten für den Neubau der Obdachlosenunterkunft. Vor dem Gemeinderat tagt ab 18.40 Uhr der Bauausschuss.