Der Ausbau und die Sicherung des deutschen Stromnetzes ist eine der großen Herausforderungen der Energiewende. Wenn Ende 2022 die letzten deutschen Atomkraftwerke vom Netz gehen, muss gewährleistet sein, dass die erneuerbaren Energien, die beispielsweise mit Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee produziert werden, in den Süden gelangen. Aber auch die Verbindung von den Stromspeichern des Schwarzwaldes und der Alpen in die Ballungsgebiete soll mit dem Netzausbau gesichert werden. Eines der Projekte zum Netzausbau betrifft auch den Hochrhein, konkret die Stromtrasse, die vom Rheintal über den Dinkelberg und Wehr auf den Hotzenwald zum Umspannwerk Kühmoos führt. Übertragungsnetzbetreiber Amprion stellte nun das Projekt in einem Pressegespräch vor.

Um welche Stromleitungen geht es?

Konkret geht es bei dem 204 Kilometer langen Abschnitt zwischen Kühmoos und Daxlanden bei Karlsruhe um eine „Zubeseilung“ eines weiteren Stromkreises der Amprion. "Dort hängen bereits drei 380-kV-Stromkreise auf den Masten. Im Zuge der Umbaumaßnahme soll auf den bislang noch leeren Mast-Traversen ein weiterer
380-kV-Stromkreis aufgelegt werden", erklärt Projektleiter Jörg Weber. Insgesamt investiert Amprion rund 50 Millionen Euro in die Maßnahme.

Die Stromtrasse verbindet die Umspannwerke in Daxlanden bei Karlsruhe und Kühmoos bei Rickenbach.
Die Stromtrasse verbindet die Umspannwerke in Daxlanden bei Karlsruhe und Kühmoos bei Rickenbach. | Bild: Amprion

Wo sind Wehr, Schwörstadt und Rickenbach betroffen?

Die Stromtrasse führt von Lörrach über den Dinkelberg, Dossenbach nach Wehr. Im Gebiet Kreuzmatt überquert sie die Wehra, das Gewerbegebiet Hemmet und führt dann den Hotzenwaldhang hinauf nach Rickenbach-Kühmoos. Auf Wehrer Gemarkung wird an zehn Masten gearbeitet, in Rickenbach an acht.

So verläuft die Stromleitung über den Dinkelberg, Wehr nach Rickenbach.
So verläuft die Stromleitung über den Dinkelberg, Wehr nach Rickenbach. | Bild: Obermeyer, Justus

Werden neue Strommasten errichtet?

Grundsätzlich nicht, weil die Stromtrasse schon seit 1967 besteht. Die beiden Betreiber der 380-kV-Höchstspannungsleitung – Amprion und EnBW-Tocher Transnet – nutzen die Maßnahme allerdings, um die Standfestigkeit jedes einzelnen Masten zu überprüfen. Gegebenenfalls kommt es zu Masterhöhungen, Verstärkungen im Mast, Traversen oder im Bereich der Fundamente. Im unmittelbaren Bereich des Umspannwerks Kühmoos, wo mehrere Stromtrassen zusammenlaufen, ist eine "Neuordnung des Leitungs-Wirrwarrs" geplant. Hier sollen drei neue Masten aufgestellt werden, gleichzeitig werde die gleiche Zahl zurückgebaut. "Bei der Zubeseilung handelt es sich um eine technisch und baulich relativ
einfache Verstärkungsmaßnahme, da wir die vorhandenen Masten nutzen und
so den Eingriff für Mensch und Natur so gering wie möglich halten", sagt der Projektleiter. An einer noch freien Traverse werden weitere vier Meter lange Isolatoren montiert, an denen drei zusätzliche Leitungen angebracht werden, die den dreiphasigen Stromkreis bilden.

Gibt es Auswirkungen auf Anwohner, Land- und Forstwirte?

Durch die zusätzlichen Stromleitungen sei in der Umgebung nicht mit einer Erhöhung der Feldstärke zu rechnen, erklärt Jörg Weber. "Diese Werte addieren sich nicht." Die Überschreitung von Grenzwerten könne ausgeschlossen werden. Während der Bauphase werden in unmittelbarer Nähe der Strommasten jeweils Baustellen eingerichtet. Insbesondere am Hang des Hotzenwaldes eine technische Herausforderung. Um den Boden zu schonen, wird das Material auf 20 mal 30 Meter großen Aluplatten gelagert. "Sollten landwirtschaftliche Flächen betroffen sein, werden die Landwirte für den Ernteausfall entschädigt", so Weber.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Die Leitungsverstärkung befindet sich aktuell noch am Anfang der Projektphase. Die Planfeststellungsverfahren sollen Ende 2019 beantragt werden. Dieses Verfahren, das beim Regierungspräsidium Freiburg geführt wird, ist sehr aufwendig, denn es beinhaltet unzählige Umwelt- und Naturschutzuntersuchungen. Der Baubeginn soll möglichst im Jahr 2021 sein, um die geplante Inbetriebnahme der neuen Leitung für 2023 realisieren zu können. Für die Energiewende könnte die Stromtrasse eine wichtige Ader werden, da die geplanten neuen Nord-Süd-Verbindungen bis dahin noch nicht fertig sein werden.

Warum geht das Unternehmen jetzt schon an die Öffentlichkeit?

"Wir wollen von Anfang an eine offene Kommunikation mit der Bevölkerung", so Projektleiter Jörg Weber. Im kommenden Jahr steht deshalb vor allem die frühzeitige Bürgerbeteiligung entlang der vorhandenen Trasse an. Dazu wird es Vor-Ort-Termine mit einem Infomobil oder eine Bürgersprechstunde geben. Auch eine telefonische Hotline ist eingerichtet, bei der man seine Fragen loswerden kann, die dann von dem Projektleiter beantwortet werden. Erreichbar ist die Hotline unter der kostenfreien Telefonnummer 0800/58 95 24 74.

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