Der Weg für die Neugestaltung des Wehrer Brennet-Areals ist frei: Eines der letzten großen Hindernisse – der städtebauliche Vertrag zwischen der Stadt Wehr und der Eigentümerin Brennet – ist unter Dach und Fach. Die bestätigte Brennet-Chef Stephan Denk gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Zweieinhalb Jahre wurde um den Vertrag gerungen. Mehrmals stand das Projekt schon auf der Kippe. Nun endlich – unter hohem Zeitdruck – konnte eine Einigkeit erzielt werden. Bürgermeister Michael Thater will in der Bürgerversammlung am Donnerstag ausführlich über den Sachstand des Brennet-Areals berichten. „Der Vertrag ist ein großer Schritt für die Stadtentwicklung. Es ist ein Vertrag, in dem beide Seiten das für sie Bestmögliche erreicht haben“, so Thater in einer ersten Bewertung. In mehreren nicht-öffentlichen Sitzungen hätten sich die Gemeinderäte in den vergangenen Monaten mit dem Vertragswerk befasst.

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„Ich habe ein gutes Gefühl; aber nur im Bauch, nicht im Kopf“, so Stephan Denk, der einräumt, dass er eigentlich schon einen Schlussstrich unter das Projekt gesetzt hatte. „Irgendwann ist man mit den Verhandlungen einfach am Ende.“ Lediglich auf Drängen seiner Geschäftsführerin Sabine Gersbach, sei vor einigen Monaten „noch ein letzter Versuch“ gestartet worden. Am vergangenen Freitag sei der städtebauliche Vertrag dann unterzeichnet und notariell beurkundet worden, so Denk. Vorangegangen waren noch einmal zähe Verhandlungen, um eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung zu finden. „Auf den letzten Drücker“, so Denk. Zuletzt ging es vor allem um zwei Gebäude, zu deren Bau die Brennet vertraglich verpflichtet werden sollte: Einerseits ein Wohn- und Geschäftshaus an der Todtmooser Straße und ein Bistro-Gebäude gegenüber dem Café Denkpause. Ein entsprechendes Baufenster wird auch im Bebauungsplan zu finden sein. Aber: „Die Bauverpflichtung ist vom Tisch“, so Sabine Gersbach. „Wir bauen, wenn wir es für sinnvoll erachten“, ergänzt Stephan Denk.

Ein Modell der Brennet veranschaulicht die aktuellen Planungen des Areals: Vorne das Gasthaus Krone, hinten die drei Einzelhandelsbetriebe. Unbeleuchtet die beiden Gebäude, auf die vorerst verzichtet wird.
Ein Modell der Brennet veranschaulicht die aktuellen Planungen des Areals: Vorne das Gasthaus Krone, hinten die drei Einzelhandelsbetriebe. Unbeleuchtet die beiden Gebäude, auf die vorerst verzichtet wird. | Bild: Brennet GmbH

Der Zeitdruck für die Einigung war beachtlich: Die Drogeriemarktkette dm, die einen der drei Märkte auf dem Brennet-Areal betreiben soll, hatte sich schon nach einem Alternativstandort umgesehen und einen Bauantrag für eine Ansiedlung neben Rewe und Aldi in der Öflinger Straße gestellt. Zweimal hatte der Gemeinderat dies mit einer Veränderungssperre verhindert. Diese läuft allerdings im November aus, eine Verlängerung ist nicht mehr möglich. Ohne eine Einigung wäre der Drogeriemarkt wohl unweigerlich für das Stadtzentrum verloren gewesen.

Absichtserklärung fürs Habiken

Wie Stephan Denk berichtet, sei es ihm unter diesem Zeitdruck gelungen, in einem Zusatzprotokoll, das dem städtebaulichen Vertrag anhängt, Vereinbarungen mit der Stadt zu treffen, die nicht direkt das Wehrer Brennet-Areal betreffen: Darin geht es um Absichtserklärungen für das Brennet-Areal in Öflingen, das geplante Wohngebiet Habiken und den Wehrer Gewerbekanal. Neuen Konfliktstoff könnte in Zukunft vor allem das Baugebiet Habiken im südlichen Enkendorf bringen, das nach einer Absichtserklärung gemeinsam von Stadt und Brennet entwickelt werden soll. Zum Hintergrund: Die Stadt wollte im Habiken ursprünglich gemeinsam mit einem Erschließungsträger ein drei Hektar großes Baugebiet für 54 Gebäude schaffen. Zwischenzeitlich hat ein Grundstücksbesitzer seine Fläche allerdings an die Brennet verkauft, mit weiteren ist das Unternehmen in Verhandlung. Während der Erschließungsträger maximal 60 Euro pro Quadratmeter bot, um sozialverträgliches Wohnen zu ermöglichen, lag das Angebot der Brennet zehn Euro darüber.

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Bürgermeister Thater bestätigt die Absichtserklärungen in dem Zusatzprotokoll. Dies sei jedoch ausdrücklich kein Teil des städetbaulichen Vertrags. Gleichwohl seien die Vereinbarungen für die Stadt verbindlich.

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Was auf dem Brennet-Areal entsteht

Auf der 15.000 Quadratmeter großen industriellen Brache der ehemaligen Textilfabrik sollen sich bis 2021 der Edeka/Schmidts Markt, ein Discounter (Lidl) sowie ein dm-Markt niederlassen. Das ursprünglich geplante Wohn- und Geschäftshaus an der Todtmooser Straße sowie das Bistro-Gebäude, das als Bindeglied zwischen dem Brennet-Areal und der Innenstadt dienen sollte, wird vorerst nicht verwirklicht.

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Wie es nun weiter geht

Am Freitag beginnt die Offenlage des Bebauungsplans, der im November rechtskräftig werden soll. In den nächsten Wochen wird die Brennet mit dem Abbau der Photovoltaik-Anlage auf den Dächern der Fabrikhallen beginnen. Sie werden in Bad Säckingen montiert und dort vorübergehend Strom erzeugen. Der Abriss der Fabrikhallen soll im Frühjahr beginnen und etwa sechs Monat dauern. Anschließend beginnt der Neubau der Märkte, die 2021 eröffnen sollen.

Bürgerversammlung

Um den aktuellen Stand in Sachen Brennet-Areal Wehr geht es in der Wehrer Bürgerversammlung, die am Donnerstag, 17. Oktober, um 19 Uhr in der Wehrer Stadthalle stattfindet. Als zweites großes Thema steht das künftige Familienzentrum in der Georg-Kerner-Straße auf der Tagesordnung. Informationen gibt es auch zum Stand der Planung des Breitbandausbaus. In einer Fragerunde können Bürger aber auch zu allen anderen kommunalen Themen Fragen stellen.