Bis heute wird mit dem Wehrer Gewerbekanal Strom erzeugt: Drei Turbinen gehören zur Papierfabrik Lenz, eine steht auf dem Brennet-Areal. Möglich wird das durch die über hundert Jahre alten Wasserrechte, die unbefristet weiter gelten. Die Pflichten zum Erhalt des Kanals sind allerdings auf den Schultern aller Grundbesitzer verteilt. Diese komplexe Rechtslage hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten geführt.

Bild: Obermeyer, Justus

Brennet-Chef Stephan Denk schlägt nun vor, den Betrieb des Gewerbekanals völlig einzustellen. Denn der Unterhalt des alten Kanals verursacht Kosten. Denks Vorschlag: Als Ersatz für die bisherigen vier Turbinen soll ein neues Kleinwasserkraftwerk am Einlauf des Gewerbekanals (am nördlichen Ende des Wehra-Areals) entstehen. Das dortige Wehr müsste ohnehin erneuert werden, auch ein vom Landratsamt gefordertes Fischaufstiegsgewässer soll hier realisiert werden, so Denk. Die EU-Wasserrahmenrichtline verlange für die Wehra verschiedene Maßnahmen, erklärt Timo Kammerdiener vom Landratsamt. Neben dem Fischaufstiegsgewässer müsse künftig eine Mindestwassermenge für die Wehra garantiert werden. Damit sinkt vermutlich auch der Stromertrag der Turbinen.

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Stephan Denk selbst würde auf den Ertrag aus dem neuen Kraftwerk verzichten, sodass dieser allein den Besitzern der Papierfabrik Lenz als Ausgleich für die stillgelegten Turbinen zugute käme. „Letztlich würden alle profitieren“, meint Denk. Die Kosten für die Erneuerung des Wehrs könnte die Stadt sogar zum Großteil mit Fördermitteln bestreiten, so Denk.

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Ein Großteil des Kanals verläuft heute unterirdisch – meist ist er sogar mit Gbäuden überbaut. Auf dem Brennet-Areal sind es die alten Fabrikhallen. Beim Abriss und dem geplanten Neubau der Einkaufsmärkte könnte dies zu Komplikationen führen.

Sollte eine komplette Stilllegung des Gewerbekanals nicht möglich sein, will Stephan Denk zumindest eine Verlegung im Bereich des Brennet-Areals erreichen: Statt in das alte Turbinenhaus abzubiegen, soll der Kanal parallel zur Todtmooser Straße und dann „Im Hammer“ über das unbebaute Brennet-Areal geführt werden.

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Das Problem bei allen Lösungen: Alle betroffenen Grundbesitzer und Nutzer müssten dieser Neuordnung der zum Teil uralten Wasserrechte zustimmen. Ein zweifellos ambitioniertes Vorhaben, dennoch will Stephan Denk den Versuch wagen, alle Beteiligten von den Vorteilen einer Stilllegung des Kanals zu überzeugen.

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