Um für die Bevölkerung in der Region langfristig Trinkwasser sicherstellen zu können, haben die Stadtwerke Waldshut-Tiengen jüngst den Startschuss für den Bau eines neuen Tiefbrunnens erteilt. Die Inbetriebnahme des Brunnens ist für Dezember 2022 vorgesehen. Die Kosten für den Bau belaufen sich laut Stadtwerke auf netto rund 1,5 Millionen Euro.

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Sobald die Brunnenbohrungen abgeschlossen sind, werden das Brunnengebäude und die Wasserversorgungsleitung vom Brunnen zum bestehenden Versorgungsnetz und die Integration in das Gesamtversorgungssystem gebaut, erklärt das Ingenieurbüro Fritz aus Bad Urach, das für den Bau beauftragt wurde. Der neue Brunnen im Bürgerwald Tiengen soll dann ein zentrales Standbein der öffentlichen Trinkwasserversorgung der Stadt Waldshut-Tiengen sein und langfristig Trinkwasser in ausreichender Menge und einwandfreier Qualität liefern, so das Ingenieurbüro weiter. Der Brunnen soll künftig das Gewerbegebiet Kaitle, Homburg, Tiengen und den Aarberg in Waldshut mit Trinkwasser versorgen, informiert Melanie Mallinovski, bei den Stadtwerken unter anderem zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

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Hintergrund für den Bau des neuen Tiefbrunnens ist, dass einer der bestehenden Tiefbrunnen aus Gründen des Grundwasserschutzes in Zukunft ersetzt werden muss. Für den neuen Tiefbrunnen wird eine Fördermenge von etwa 100 Kubikmetern Wasser pro Stunde angestrebt.

Die Grundlage der Trinkwasserversorgung der Stadt Waldshut-Tiengen bilden die Quellfassungen und Tiefbrunnen der Stadtwerke Waldshut-Tiengen. Von besonderer versorgungstechnischer Bedeutung sind dabei die Tiefbrunnen, da diese über das ganze Jahr eine stabile Versorgung mit Trinkwasser gewährleisten, während die Quellen in Trockenzeiten deutlich weniger Wasser liefern oder je nach Witterung temporär sogar ganz versiegen können. Derzeit betreiben die Stadtwerke sechs Tiefbrunnen (TB Au in der Liedermatte, Tiefbrunnen Äule in der Schmittenau, TB Bannschachen und TB Neuwiesen beide in Gurtweil, TB Kirschbaumäcker in Homburg auf der Gemarkung Küssaberg, TB Obere Aue in Dogern (anteilsmäßig für Dogern, Albbruck und Waldshut).

Die Suche nach einem geeigneten Standort begann bereits im Oktober 2017. Damals wurden im Tiengener Bürgerwald im Zuge von Grundwassererkundungsmaßnahmen zwei Bohrungen durchgeführt. Mithilfe dieser Erkundungsbohrungen untersuchten die Geologen des Ingenieurbüros Fritz den Aufbau der geologischen Schichten im Untergrund und die Ergiebigkeit der Grundwasser führenden Schichten im Tiengener Bürgerwald sowie die Grundwasserqualität. „Die beiden Bohrungen wurden bis in eine Tiefe von etwa 63 Metern in den Untergrund eingebracht. Grundwasser wurde dann in einer Tiefe von 43 Metern gefunden. Die Kies-Schichten im Bürgerwald weisen dabei eine wassererfüllte Mächtigkeit von 15 bis 19 Metern auf und zeigen somit günstige Voraussetzungen für eine zukünftige Grundwasserförderung“, schreibt das Ingenieurbüro in einer Pressemitteilung. Ein weiterer positiver Aspekt sei, dass das tiefliegende Grundwasser am Standort Bürgerwald durch die bis zu 18 Meter mächtige Schicht aus Feinsedimenten gut gegen Verschmutzung geschützt ist. Die Labor-Ergebnisse zeigen laut Ingenieurbüro eine sehr gute chemische und mikrobiologische Beschaffenheit des Grundwassers, das damit zur Trinkwasserversorgung geeignet ist.

Bisher sei es laut Melanie Mallinovski noch zu keinen Trinkwasserengpässen in Waldshut-Tiengen gekommen. Lediglich im Tiengener Ortsteil Aichen kann das Wasser in sehr heißen Sommern knapp werden, weil der Ortsteil hauptsächlich aus Quellwasser beliefert wird. „Hierfür werden rechtzeitig Vorkehrungen getroffen“, so Melanie Mallinovski. Die Stadtwerke erklären, dass für eine zukunftssichere Wasserversorgung ein weiterer Tiefbrunnen notwendig sei, da die Grundwasservorkommen in trockenen Sommern weitaus ergiebiger sind als Quellen.