Herr Obert, Sie haben gerade erzählt, dass sie zum Priester geweiht wurden und später geheiratet haben – wären Sie denn auch gern weiter als Priester tätig gewesen?

Als ich den Entschluss gefasst habe, mich zum Priester weihen zu lassen, war mir klar, dass das Zölibat zum Priesteramt dazu gehört. Später habe ich aber gemerkt, dass dies doch nicht meiner Lebensweise entspricht und ich so nicht glücklich werden kann. Ich habe deshalb die Konsequenzen gezogen und den Bischof um meine Beurlaubung gebeten. Für mich war es die ehrlichste Entscheidung, die ich treffen konnte und viele haben sie auch sofort anerkannt. Ich persönlich hätte es mir grundsätzlich schon vorstellen können, auch nach der Heirat im priesterlichen Dienst zu bleiben. Es gibt in der katholischen Kirche sicher viele Fragen, von denen ich mir wünschen würde, dass man über sie diskutiert. Bei allen Fragen, die ich an die katholische Lehre habe, bin ich dennoch gerne katholisch.

Sie waren sehr gern Priester?

Ja, ich habe mich schon als Kind und Jugendlicher für den Glauben und die Kirche interessiert und habe einige authentische, lebensnahe Priester erleben dürfen. Ich wollte etwas von dem Positiven, was ich als Jugendlicher in der Kirche erfahren habe, an andere Menschen weitergeben, deshalb habe ich Theologie studiert. Gerade als Jugendseelsorger, in der Begleitung von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und in der Arbeit mit Ehrenamtlichen, habe ich viel Positives erfahren. Das geht aber auch heute hier im Bildungszentrum.

Sie bereuen Ihren Schritt nicht?

Nein, ich komme ja aus der Jugend- und Erwachsenenbildung und sehe meine jetzige Aufgabe als Weiterentwicklung an. Ich habe mich für diese Stelle beworben, weil ich hier Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung begleiten und auch weiterbringen kann. Die Angebote des Bildungszentrums zielen darauf ab, etwas zu lernen und sich persönlich weiterzubilden und weiter zu entwickeln.

Sie leiten ein katholisches Bildungszentrum, gibt es dafür Vorgaben?

Vorgabe ist einzig, eine offene Erwachsenenbildung zu ermöglichen. Wir machen natürlich auch Angebote zu theologischen Themen, aber die Theologie ist einer von vielen Bereichen. Grundlage unserer Arbeit ist Offenheit für alle Fragen und Entwicklungen. Wir greifen auch Themen auf, über die man kritisch und kontrovers diskutieren kann. Bei uns können wir über alles reden, alle Meinungen haben Platz mit Ausnahmen von solchen, die Grundwerte des Christlichen in Frage stellen. Ansichten, die die Würde des Menschen missachten, haben keinen Platz bei uns. Im Programm der Bildungszentren der Erzdiözese Freiburg zeigt sich Kirche vor Ort offen und aufgeschlossen.

Sind Ihre Angebote vergleichbar mit anderen Bildungsträgern in der Erwachsenenbildung wie zum Beispiel der Volkshochschule? Und können Sie die Inhalte ihres laufendes Programm etwas genauer erläutern?

Ja, unsere Angebote sind mit denen der Volkshochschule vergleichbar, wir verstehen uns aber nicht als Konkurrenz zu ihr, sondern als Ergänzung. Unser neues Programm hat im September begonnen und dauert bis Februar 2021. Es beinhaltet Vorträge, Kurse und Seminare aus vielen Bereichen, zum Beispiel Sprache, Gesundheit, Kreativität, Persönlichkeitsbildung, Digitale Welt, Partnerschaft und Familie, Geschichte und Politik, Kunst und Kultur, Natur und Naturwissenschaft. Das komplette Programm kann man auf unserer Homepage (www.bildungszentrum-waldshut.de) herunterladen, dort kann man sich auch anmelden. In gedruckter Form ist es natürlich auch erhältlich. Wir hätten gern noch mehr Angebote gemacht, aber als ich im März anfing, mussten wir das Bildungszentrum wegen Corona schließen. Der Lockdown galt für uns bis nach Pfingsten. Wegen Corona ist für alle Angebote eine vorherige Anmeldung nötig, weil die Teilnehmerzahlen durch die Abstandsregel begrenzt sind. In unserem großen Seminarraum, in dem die meisten Veranstaltungen stattfinden, können wir aktuell nur mit neun Plätzen planen, sonst sind es 20.

Wie finanziert sich das Bildungszentrum Waldshut, reichen die Gebühren für die Angebote, um die Kosten zu decken?

Wir versuchen, kostendeckend zu arbeiten. Finanziert sind wir aus Kirchensteuermitteln der Erzdiözese Freiburg. Außerdem erhalten wir Zuschüsse des Landes Baden-Württemberg und des Landkreises Waldshut, welche beide die Erwachsenenbildung unterstützen. Wir wollen unsere Angebote allen ermöglichen. Kann sie sich jemand nicht leisten, kann man immer mit uns sprechen, es finden sich dann sicher Ermäßigungsmöglichkeiten.

Es gibt in den einzelnen Pfarreien auch Bildungswerke, die Angebote machen, stehen Sie in Kontakt zu ihnen?

Ja, neben unserer Aufgabe, ein Bil-dungsprogramm für Erwachsene anzubieten, sind wir Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Bildungswerke in den einzelnen Pfarreien in der Region Hochrhein. Erst letzte Woche hatten wir eine Austauschrunde. Die Ehrenamtlichen prägen mit ihren Angeboten das örtliche Bildungsangebot. Sie zu unterstützen und zu stärken ist sehr wichtig. Ihre Angebote sind genauso offen wie unsere. Wir arbeiten ebenso mit dem Kreiskuratorium für Erwachsenenbildung beim Landratsamt zusammen, in dem alle Einrichtungen, die nicht kommerziell arbeiten, vernetzt sind.

Zurück zum Bildungszentrum Waldshut: Was haben Sie neu ins Programm aufgenommen und gibt es einen Schwerpunkt?

Neu ist ein Improtheater-Workshop für Einsteiger mit einer Trainerin vom Improtheater Konstanz Ende Januar 2021. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man dabei ganz besondere Erfahrungen machen kann, wenn man sich traut, auch mal zu scheitern. Der Titel bringt es auf den Punkt: „Scheiter heiter“. Auf Anregung von Ehrenamtlichen haben wir erstmals ein Seminar zum Thema Online-Meetings im Programm. Wie richtet man sie ein? Wie moderiert man sie? und Wie verhält man sich als Teilnehmer? sind hier Fragen, die beantwortet werden. Auch die Schreibwerkstatt ist neu: Hier geht es darum, „Wie schreibe ich einen guten und verständlichen Text?“ Besonders stolz bin ich, dass wir den Theologen und Journalisten Professor Dr. Michael Albus als Dozent gewinnen konnten. Ich kenne ihn persönlich vom Studium her, er erzählt sehr lebensnah und authentisch und wird am 8. Dezember einen Vortrag über sein Buch „Ins Offene gehen“ halten, in dem es um alltägliche Spiritualität geht. Ein Schwerpunkt des Programms ist das Thema Trauer und Tod im November. Es passt gut zum Herbst und auch zu Corona.

Ich sehe in Ihrem Programmheft, dass Sie auch bei dem einen oder anderen Angebot mitwirken.

Meine Hauptaufgabe ist die Programm-planung, aber bei den Angeboten zu den Themen Online-Meeting und Trauer wirke ich mit. Das liegt auch daran, dass ich „nur“ 75 Prozent arbeite, um auch genügend Zeit für meine Familie zu haben. Da ist die Zeit für die eigenen Angebote dann doch begrenzt.

Wie werden bislang die Angebote angenommen?

Die Nachfrage ist überraschend gut. Einige Angebote, wie Sprachkurse oder unser Biografieseminar, sind teilweise schon voll, aber vielleicht bieten wir hier noch weitere an. Es ist auf jeden Fall Bedarf da. Die Menschen wählen aber im Vergleich zu vor Corona bewusster aus. Sie fragen sich für mein Empfinden generell mehr, was ihnen wirklich wichtig ist. Das kann zu einer Entschleunigung und zu einem neuen Bewusstsein beitragen, was ich positiv finde. Corona ist für viele ein schwerer Einschnitt und wird auf jeden Fall was verändern.

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit?

Wir hoffen, dass wir mit Blick auf die Entwicklung der Pandemie auch alle Angebote durchführen können. Die Lage kann sich schnell ändern und gefährden wollen wir natürlich niemanden.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €