Eigentlich sollte es für viele Verliebte der schönste Tag im Leben werden. Einmal in einem Traum aus weißer Spitze vor dem Altar stehen und mit seinem Liebsten offiziell den Bund fürs Leben eingehen. Eine Feier mit Familie und Freunden mit gutem Essen in schick dekorierten Räumlichkeiten mit DJ oder Musikern und frischen Blumenarrangements. Viele Paare sind schon Monate vor der Hochzeit mit sämtlichen Vorbereitungen beschäftigt.

Doch dann kam das Coronavirus und machte den Paaren einen Schnitt durch die Rechnung. Und auch der wirtschaftliche Schaden ist für alle Beteiligten enorm: Für Restaurants und Caterer hagelt es Absagen, ebenso wie bei den Hotels, Musikern und Fotografen. Das haben auch Sandra Fechir und ihr Verlobten Holger Siebert aus Tien­gen gerade erlebt.

Sandra Fechir und Holger Siebert müssen ihre Traumhochzeit verschieben. Die beste Freundin der Braut hat aber eine kleine Zeremonie auf dem Vitibuck in Tiengen organisiert. Ein kleiner Lichtblick für das Paar.
Sandra Fechir und Holger Siebert müssen ihre Traumhochzeit verschieben. Die beste Freundin der Braut hat aber eine kleine Zeremonie auf dem Vitibuck in Tiengen organisiert. Ein kleiner Lichtblick für das Paar. | Bild: privat

Bis vor wenigen Wochen haben Sandra Fechir aus Tiengen und ihr Verlobter Holger Siebert eigentlich noch damit gerechnet, sich am 20. März diesen Jahres das standesamtliche Ja-Wort zu geben. Drei Wochen später, am Osterwochenende, sollte dann die große Feier stattfinden. Doch zwei Tage vor dem Hochzeitstermin kam dann die Nachricht: Die Trauung wird abgesagt. Insgesamt sind in Waldshut-Tiengen 21 Paare betroffen.

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Auch Stephanie und Michael Ebner aus Dachsberg wollten sich nach ihrer standesamtlichen Hochzeit Ende Februar am 14. März nun vor Gott das Ja-Wort geben und mit Familie und Freunden – insgesamt rund 110 Personen – einen unvergesslichen Tag erleben. „Einen Tag vor unserer kirchlichen Hochzeit hat uns unser Bürgermeister Stephan Bücheler dazu geraten, unsere Hochzeit abzusagen“, sagt Stephanie Ebner. Das war am 13. März, nachdem bekannt wurde, dass in ganz Südbaden ab Samstag, 14. März, alle privaten und öffentlichen Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen verboten wurden, um die Weiterverbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Stephanie und Michael Ebner aus Dachsberg konnten sich das standesamtliche Ja-Wort Ende Februar geben. Mit dabei waren ihre beiden Töchter. Die kirchliche Trauung mit einer großen Feier musste das Paar wegen der Corona-Krise absagen.
Stephanie und Michael Ebner aus Dachsberg konnten sich das standesamtliche Ja-Wort Ende Februar geben. Mit dabei waren ihre beiden Töchter. Die kirchliche Trauung mit einer großen Feier musste das Paar wegen der Corona-Krise absagen. | Bild: privat

Wie viele andere Paare auch, mussten die Ebners binnen eines Tages viel Organisatorisches in die Hand nehmen. „Wir mussten die Räumlichkeiten, die wir angemietet hatten, absagen, genauso wie das Essen und die Blumen. Die mussten wir allerdings trotzdem bezahlen, weil die schon geliefert wurden. Aber das Essen und die Location konnten wir stornieren. Und weil meine Schwiegermutter die Hochzeitstorte backen wollte, hatten wir auch da keine Kosten zu tragen. Trotzdem ist die Enttäuschung natürlich groß – auch für unsere Kinder, die sich schon sehr auf den Tag gefreut hatten“, sagt die 30-Jährige.

Die Enttäuschung ist auch bei Sandra Fechir und ihrem Verlobten groß: „Wir sind seit mittlerweile elf Jahren zusammen und haben uns jetzt zu diesem Schritt entschlossen. Das Schlimmste an der Situation war für uns das Hin und Her. Jeden Tag gab es aufgrund der Corona-Krise neue Nachrichten und niemand wusste Bescheid. Aber da wir in einem kleinen Kreis mit etwa 50 Gästen heiraten wollten, hatten wir bis zum Schluss noch damit gerechnet, dass alles klappt. Wir hatten regelmäßig Kontakt mit der Standesbeamtin und am Mittwochabend gegen 18 Uhr rief sie uns dann an und sagte: Die Hochzeit muss leider ausfallen“, sagt die 44-Jährige, die ihren Verlobten über eine Freundin kennengelernt hat.

Und damit auch die Feier am Osterwochenende. Auch für das Paar aus Tiengen hieß es dann: Alles absagen. „Unsere Gäste wären auch von weiter weg gekommen, weshalb auch die Übernachtungen in den Hotels storniert werden mussten, genauso wie die Hochzeitstorte und die Räumlichkeiten.

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Aber das lief glücklicherweise alles gut“, sagt die 44-Jährige. Und einen kleinen Grund zur Freude hatte das Paar dann doch am ursprünglich geplanten Hochzeitstag: „Meine beste Freundin hat für uns eine kleine Überraschung organisiert. Pünktlich um 10 Uhr – da hätte eigentlich unsere Hochzeit sein sollen – hat sie uns abgeholt und eine eigene kleine Zeremonie organisiert mit Luftballons, die wir auf dem Vitibuck steigen lassen haben und Ringen. Auch wenn ich ein wenig traurig war, dass wir nicht richtig heiraten konnten, war das doch eine wundervolle Überraschung.“

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Auch wenn die Enttäuschung bei Sandra Fechir und ihrem Verlobten groß war, „ist doch das Wichtigste, dass wir alle gesund sind“, sagt Sandra Fechir. Das sagen auch die Ebners. Und für beide Paare steht fest: Sie wollen ihre Hochzeit so schnell wie möglich nachholen und dann umso schöner feiern, wenn die Corona-Krise vorbei ist.

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