Ausgangssperre in Blois

„Blois gleicht einer Geisterstadt. Es herrscht eine totale Stille, die sogar so weit geht, dass sich Rehe in die Randgebiete der Stadt vorwagen und Enten seelenruhig eine normalerweise sehr belebte Straße überqueren, die zur Stadtmitte führt.“ So beschreibt Elisabeth Dugardin dem Vorsitzenden des Freundeskreises Blois-Waldshut-Tiengen-Lewes, Markus Schmitt, die Atmosphäre in der Partnerstadt. Er steht in engem Austausch mit französischen Bekannten wie Dujardin.

In Frankreich gilt seit 17. März eine Ausgangssperre. Die Menschen dürfen nur noch in Ausnahmefällen wie zum Einkaufen das Haus verlassen. „In die Lebensmittelgeschäfte gehen sie einzeln – einer raus, einer rein – und natürlich warten sie mit Abstand“, berichtet Markus Schmitt. Für den Aufenthalt im Freien benötigen die Bürger eine schriftliche Genehmigung.

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Verstöße würden sofort ohne Ermahnung mit 135 Euro Bußgeld geahndet. „Leute, die in Paris wohnen und vergangenes Wochenende für die Osterferien auf ihr Landhaus oder ans Meer fahren wollten, wurden zurückgeschickt und mussten Bußgeld zahlen“, hat Schmitt von Bekannten erfahren.

Blois gleicht einer Geisterstadt. Straßen und Plätze sind leer.
Blois gleicht einer Geisterstadt. Straßen und Plätze sind leer. | Bild: Elisabeth Dugardin

In Blois herrscht großer Mangel an Sicherheitsbekleidung für das Pflegepersonal. „Im Krankenhaus Blois sind auch schon Masken gestohlen worden“, erzählt Markus Schmitt. Service-Clubs wie Rotary versuchen, das Pflegepersonal mit Aktionen zu unterstützen. „Manche Ferienwohnungsvermieter stellen dem Pflegepersonal kostenlos ihre Wohnungen zur Verfügung, damit der Anfahrtsweg aus dem Umland nicht so weit ist“, weiß der Vorsitzende.

Markus Schmitt ist Religions- und Französischlehrer am Hochrhein-Gymnasium Waldshut. An seiner Schule werden die Abiturienten ihre Prüfungen laut Kultusministerium ab dem 18. Mai ablegen. In Frankreich wurden die schriftlichen Prüfungen für dieses Jahr ganz abgesagt. „Die Noten werden aus den bisher erbrachten Leistungen der Oberstufe ermittelt“, so der Pädagoge.

Markus Schmitt organisiert den jährlichen Schüleraustausch mit der französischen Partnerstadt. Ursprünglich sollten die Schüler aus Blois vom 14. bis 25. April nach Waldshut-Tiengen kommen. Der Gegenbesuch der deutschen Jugendlichen war genau einen Monat später vorgesehen. „Wir haben den Schüleraustausch bereits Anfang März abgesagt“, sagt Markus Schmitt auf Nachfrage dieser Zeitung.

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Ebenfalls wegen des Coronavirus abgesagt werden mussten ein Treffen der katholischen Pfarreien von Blois und Waldshut im elsässischen Wallfahrtsort Odilienberg und ein Treffen der Musikschule Blois mit der Musikschule Südschwarzwald über Himmelfahrt.

Hamsterkäufe in Lewes

Elvira Hansmann ist stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises Blois-Waldshut-Tiengen-Lewes. Sie steht in Kontakt mit Paul Mockford, dem Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees von Lewes. Außerdem hält die Tiengenerin übers Telefon und per E-Mail regen Kontakt mit Freunden aus der englischen Partnerstadt.

Von ihnen erfahre sie aus erster Hand, wie das Coronavirus auch das Leben im südlichen England auf den Kopf gestellt hat. „Über Fallzahlen reden wir gar nicht, sondern über Privates, wie es unter Freunden halt üblich ist“, sagt Hansmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Stimmung in Lewes beschreibt sie als sehr gedrückt. „Vor allem wegen der Kontaktsperre und weil die meisten Geschäfte geschlossen sind“, fügt sie erklärend hinzu.

Auch sonst sei die Situation in Lewes vergleichbar mit der in Waldshut-Tiengen: „Die Stadt ist wie ausgestorben“, erzählt Elvira Hansmann. Auch von Hamsterkäufen wird aus der Partnerstadt berichtet.

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Einige Bewohner von Lewes hätten angesichts leerer Regale in den Einkaufsmärkten versucht, Lebensmittel in den kleinen Dorfläden außerhalb der Stadt zu bekommen. Dort habe man sie aber wieder weggeschickt, weil sie keine Einheimischen waren. „Ich finde es schön, wenn man sich wieder auf die Dorfgemeinschaft besinnt“, sagt Hansmann.

Auch von sogenannten Corona-Partys zu Beginn der Restriktionen berichten Hansmanns englische Freunde. „Lewes liegt nicht weit weg vom Meer, und die Jugendlichen versammelten sich am Strand.“

Die meisten Geschäfte in Lewes haben derzeit geschlossen.
Die meisten Geschäfte in Lewes haben derzeit geschlossen. | Bild: Paul Mockford

Eigentlich hatte der Freundeskreis in diesem Jahr eine Reihe von gemeinsamen Veranstaltungen und Treffen mit den englischen Partnern geplant. „Im Moment liegt alles in der Warteposition. Es ist derzeit unklar, ob irgend etwas möglich ist“, so die stellvertretende Vorsitzende.

Definitiv abgesagt ist der Besuch der Stadtmusik Waldshut in Lewes, wo das Orchester im Mai ein Konzert geben wollte. Auch die für Mai geplante Reise einer Schülergruppe aus der Doppelstadt sowie ein Besuch der Kantorei Hochrhein in Lewes können nicht stattfinden.

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„Was im Juli und August ist, wird man sehen“, sagt Hansmann. Besucher aus den Partnerstädten hatten sich für den Schwyzertag und das Jazzfest in Tiengen sowie für die Waldshuter Chilbi angekündigt.

Ob sie wie geplant für die Veranstaltungen aus Blois und Lewes anreisen können, ist derzeit ungewiss. Im Oktober steht am Hochrhein laut Hansmann außerdem ein Treffen aller drei Städte auf dem Programm.

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