Herr Siebold, was fällt alles in das Aufgabengebiet Ihres Amtes?

Der Landkreis Waldshut ist Träger der sechs Beruflichen Schulen in Waldshut und Bad Säckingen und der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) in Tiengen, Waldshut und Bad Säckingen. Mehr als 4600 Schüler besuchen die Beruflichen Schulen und rund 415 Schüler die SBBZ. In den Kreisschulen arbeiten 80 beim Landkreis beschäftigte Mitarbeiter von der Sekretärin über Küchenmitarbeiterinnen und betreuende Assistenzkräfte bis hin zum Hausmeister. Im Amt in Waldshut sind wir zehn Mitarbeiter.

Was gehört noch dazu?

Wir nehmen in Abstimmung mit dem Kreistag die Schulträgeraufgaben wahr, sind für Gebäudeunterhalt und Bewirtschaftung sowie die Ausstattung der Schulen zuständig und kümmern uns um die kreiseigenen und angemieteten Verwaltungsliegenschaften, Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge sowie historische Gebäude wie das Volkskundemuseum Hüsli oder die Museumsmühle in Stühlingen-Blumegg.

Wir arbeiten vertrauensvoll mit den Schulleitungen sowie mit dem Regierungspräsidium Freiburg als Schulaufsichtsbehörde für die Beruflichen Schulen und dem Staatlichen Schulamt Lörrach, das für die SBBZs zuständig ist, zusammen. Gemeinsam richten wir neue Bildungsangebote ein. Wie zum Beispiel die vor zwei Jahren vom Landkreis für rund drei Millionen im Gebäude der Bildungsakademie Waldshut errichtete Berufsschule für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, die in diesem Bereich derzeit die modernste Berufsschule in Deutschland ist.

Corona fordert die Schulen: Markus Siebold, Amtsleiter beim Landratsamt Waldshut, spricht mit unserer Mitarbeiterin Ursula Freudig über die Situation an den Kreisschulen.
Corona fordert die Schulen: Markus Siebold, Amtsleiter beim Landratsamt Waldshut, spricht mit unserer Mitarbeiterin Ursula Freudig über die Situation an den Kreisschulen. | Bild: Privat

Was gilt mit Blick auf das Coronavirus zum Schuljahresbeginn an den Kreisschulen?

Allen am Schulleben Beteiligten ist bewusst, dass auch das neue Schuljahr kein gewöhnliches sein wird. Angestrebt wird ein Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen auf Grundlage eines Landeskonzepts, das fortlaufend an die jeweilige Situation angepasst wird. Ziel ist es, allen Schülern wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen und Schulschließungen zu vermeiden.

In den Schulen gelten umfangreiche Hygienemaßnahmen und für Schüler ab Klasse 5 besteht außerhalb der Unterrichtsräume und Sportstätten, insbesondere auf Fluren, Pausenhöfen sowie in Treppenhäusern und Toiletten, eine Maskenpflicht. Im Unterricht gilt diese Maskenpflicht nicht. Kontakte und damit Übertragungsmöglichkeiten werden eingegrenzt, indem nach Möglichkeit nicht alle gleichzeitig Pause haben sowie Klassen und Lerngruppen unter sich bleiben, so dass bei einem Coronafall die Kontakte zurückverfolgt und eingegrenzt werden können. So soll möglichst eine Schließung der kompletten Schule vermieden werden. Die in einem solchen Fall zu treffenden Maßnahmen würden immer zusammen mit dem Gesundheitsamt beschlossen werden. Wir als Schulträger und das Land stellen den Schulen Schutzausrüstung wie Desinfektionsmittel und Schutzmasken zur Verfügung.

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Bayern hat wegen der Reiserückkehrer für die ersten zwei Schulwochen auch im Unterricht eine Maskenpflicht angeordnet. Macht das in Ihren Augen Sinn?

Die Schulen können nur schwer kontrollieren, wer wo in den Ferien war, daher macht die Regelung mit Blick auf die Sicherheit Sinn. Eine Verordnung hierfür gibt es aber in Baden-Württemberg nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass vielleicht noch eine Änderung kommt.

Können Eltern entscheiden, ob ihre Kinder zuhause unterrichtet werden und können Lehrer, die zu einer Risikogruppe gehören, weiterhin zuhause bleiben und gibt es Tests an den Schulen?

Generell besteht die Schulpflicht. Bei Schülerinnen und Schülern mit relevanten Vorerkrankungen entscheiden die Erziehungsberechtigten weiterhin über die Teilnahme am Präsenzunterricht. Ob der Schulbesuch im Einzelfall gesundheitlich verantwortbar ist, muss mit dem Arzt geklärt werden. Wir gehen davon aus, dass nur einzelne Schüler zuhause bleiben werden, denn Schule ist weit mehr als Wissensvermittlung.

Lehrer, die zu einer Risikogruppe gehören und vom Präsenzunterricht entbunden werden möchten, benötigen ein Attest. Sie müssten dann aber andere Aufgaben übernehmen. Was Tests betrifft, können sich entsprechend einer Landesregelung die Lehrkräfte, Erzieher sowie das nichtpädagogische Personal an Schulen und Kindertageseinrichtungen zwischen dem 17. August und 30. September zwei Mal kostenlos testen lassen.

Während der Schulschließungen hat sich gezeigt, wie wichtig digitale Medien für einen effektiven Fernunterricht sind – wie war und ist die Situation an den Kreisschulen?

Es hat sich während Corona gezeigt, dass nicht alle Schüler digital erreicht werden konnten und digitale Endgeräte haben. Der Bund und das Land haben deshalb Geld zur Verfügung gestellt. Der Landkreis Waldshut als Schulträger hat noch vor den Sommerferien 435.000 Euro erhalten. Wir haben gemeinsam mit den Schulen festgelegt, welche digitalen Endgeräte, also Tablets und Laptops, beschafft werden sollen.

Nach öffentlicher Ausschreibung konnten rund 800 Endgeräte bestellt werden, die in den kommenden Wochen geliefert werden. Diese Geräte stehen dann den Schulen als Leihgeräte für die Schüler für das Lernen zu Hause sowie für den schulischen Einsatz zur Verfügung. Allgemein kann man sagen, dass an unseren Beruflichen Schulen das digitale Lernen und der Fernunterricht schon gut geklappt haben. Bedarf besteht sicherlich noch bei der technischen Ausstattung und der Lehrerfortbildung.

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Was läuft denn in Sachen Digitalpakt, den Bund und Länder 2018 aufgelegt haben?

Der Landkreis Waldshut kann im Rahmen des Pakts 2,1 Millionen Euro Fördergelder erhalten, die mit Kreismitteln von 500.000 Euro zu ergänzen sind. Auf Grundlage von Beschlüssen des Kreistages wird der Landkreis diese Mittel bis Frühjahr 2022 in seine Schulen investieren. Zuvor sind von den Schulen Medienentwicklungspläne und pädagogische Konzepte zu entwickeln nach dem Motto „Technik folgt der Pädagogik“.

Es muss zunächst klar dargelegt werden, welche Ziele erreicht werden sollen und welche Technik hierfür gebraucht wird. Auf diesem Weg befinden sich die Kreisschulen derzeit. Noch dieses Jahr sollen ihre Pläne stehen. Der Landkreis ist aber in Vorleistung gegangen und gibt bereits Geld aus, um in seinen Schulen stabile Netze und WLAN einzurichten. Dabei verfolgen wir das Ziel, nicht für jede einzelne Schule eine eigenständige Infrastruktur aufzubauen, sondern für unsere drei Schulzentren in Bad Säckingen, Tiengen und Waldshut jeweils ein gemeinsames Schulnetz einzurichten. Die Pflege und Betreuung gemeinsamer Netze und Server bringt Vorteile, auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Gleichzeitig baut der Landkreis den Backbone und die Kommunen die Ortsnetze für vernünftige Anbindungen ans Internet. Insgesamt sind die Kreisschulen digital auf einem guten Weg. Auch bei der Ausstattung unserer Berufsschulen mit digitalen Arbeitsmaschinen. In der bereits erwähnten neuen Berufsschule für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik haben die Schüler zum Beispiel als Lernobjekte eine vollständige Haustechnik, die sie komplett digital steuern können, Stichwort Smart Home.

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Zurück zum kommenden Schulstart – die Lehrer werden besonders gefordert sein, oder?

Eine wichtige Aufgabe der Lehrer wird es sein, festzustellen, welche Defizite bestehen und welche Schüler eine besondere Förderung benötigen, weil sie sich mit dem digitalen Lernen schwer getan haben oder schwieriger als andere erreicht werden konnten. Auf Initiative des Kultusministeriums sind für die letzten beiden Ferienwochen sogenannte Lernbrücken eingerichtet worden. Das sind Kleingruppen mit acht bis 16 Schülern, in denen Lehrer und Referendare Unterrichtsstoff nachholen und Wissenslücken ausgleichen.

In unseren Beruflichen Schulen in Waldshut und Bad Säckingen wurden durch die Schulleitungen insgesamt acht solcher Lerngruppen und eine an der Langensteinschule eingerichtet. Den Lehrern, die diese Aufgabe während der Sommerferien freiwillig übernommen haben, sind wir sehr dankbar. Sicher ist auch schon, dass in ganz Baden-Württemberg Prüfungstermine wieder weiter nach hinten geschoben werden.

Wagen Sie eine Aussage, wie es im kommenden Schuljahr laufen wird?

Wir, das heißt die Schulen, die Schulverwaltung und die Schulträger, sind gewappneter und besser vorbereitet auf mögliche Eventualitäten als im Frühjahr. Wir können angemessener und flexibler reagieren, wenn die Situation sich verändert. Grundsätzlich haben die Schulen aber nicht alles in der Hand. Jeder Schüler bewegt sich außerhalb der Schule privat in vielen anderen Bereichen wie der Familie, im Freundeskreis oder in Vereinen. Deshalb ist es nötig, dass die Schüler und natürlich auch die Lehrer und wir alle, sich in allen Bereichen verantwortungsbewusst verhalten. Dann kann es klappen, dass wir einigermaßen gut durchs nächste Schuljahr kommen.

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