Frau Steinkopf, Sie sind seit Oktober im Amt als Nachfolgerin von Klaus Nieke. Wie haben Sie sich eingelebt?

Sehr gut. Da ich schon im Oktober 2019 als Tourismus-Sachbearbeiterin begonnen habe, konnte ich die Tourismus-Aufgaben im Landratsamt Waldshut grundlegend und im Detail kennen lernen. Mit Klaus Nieke hatte ich in den vergangenen Jahren als Touristiker häufig Kontakt, weshalb mich die Stelle als Tourismusbeauftragte für den Landkreis sehr gereizt hat. Ich habe mich beworben und freue mich nun auf die bevorstehenden Aufgaben.

Welche Aufgaben haben Sie im Amt für Wirtschaftsförderung und Nahverkehr?

Die Abteilung Tourismus ist in diesem Amt angesiedelt, hauptsächlich für Tourismusförderung, Produktentwicklung, Innenmarketing und Beratung von Gemeinden und touristischen Leistungsträgern zuständig. Wir kümmern uns um die Radwegebeschilderung und koordinieren zusätzlich als Projektstelle Wandern die beiden Fernwanderwege Schluchtensteig und Albsteig Schwarzwald. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Einführung einer umlagefinanzierten Gäste- und Bürgerkarte. Die Drei-Welten-Card ist aus einer Zusammenarbeit mit dem Schwarzwald-Baar-Kreis und dem Kanton Schaffhausen entstanden und wird im April 2021 an den Start gehen.

Corinna Steinkopf arbeitet seit Oktober im Landratsamt, im Amt für Wirtschaftsförderung und Nahverkehr. Sie hat mit SÜDKURIER-Redakteur Michael Neubert über den Tourismus in der Region gesprochen.
Corinna Steinkopf arbeitet seit Oktober im Landratsamt, im Amt für Wirtschaftsförderung und Nahverkehr. Sie hat mit SÜDKURIER-Redakteur Michael Neubert über den Tourismus in der Region gesprochen. | Bild: Landratsamt Waldshut
Bild: Neubert, Michael

Sie beschäftigen sich also mit dem Tourismus in der Region. Gehen Sie selbst gerne auf Reisen?

Für spontane Kurzurlaube bin ich jederzeit zu begeistern. Weil mein Freund und ich vor sechs Jahren ein Haus gekauft haben, verbringen wir jedoch auch viel Zeit zu Hause oder in der Region.

Wie genau kennen Sie den Landkreis als Tourismusregion?

Es gibt immer wieder viele interessante Ecken zu entdecken. In den letzten 20 Jahren habe ich schon viel gesehen und erlebt, entdecke aber auch täglich Neues.

Was schätzen Sie an der Region?

Die Abwechslung auf kürzeste Entfernung: Heute Kanufahren auf dem Rhein und morgen Wandern auf den Schwarzwaldhöhen, in dichten Wäldern und Schluchten oder in den Weingebieten im östlichen Landkreis. Immer wieder faszinieren mich der Ausblick und die Weitsicht auf die Schweizer Alpen von den zahlreichen Aussichtspunkten. Davon kann ich mich selbst nach so vielen Jahren nicht satt sehen.

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Was würden Sie den Feriengästen und Einheimischen als besonders interessant empfehlen?

Wir haben hier eine wunderbare Region. Hier findet jeder seinen persönlichen Geheimtipp. Ich bin gerne in der Natur unterwegs und finde immer wieder Wanderwege, die noch nicht so bekannt sind. Auf denen man stundenlang unterwegs sein kann. Ansonsten sollte jeder einmal mit dem Kanu auf dem Rhein oder mit der Kutsche im Wald unterwegs gewesen sein und die mächtigen Bauten wie den Dom in St. Blasien oder das Münster und die Holzbrücke in Bad Säckingen gesehen haben. Ich kann nur sagen: Lernen Sie Ihre Heimat kennen!

Welche Sehenswürdigkeiten stehen oben auf der Hitliste?

Da gibt es leider zu viele.

Was zeichnet den Landkreis in Sachen Tourismus aus?

Die Vielfältigkeit – durch seine Lage: Der Hochschwarzwald geht über die zahlreichen kleinen Täler hinab bis zum Rhein. Das ist Natur pur.

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Wie hat sich der Tourismus im Landkreis in den vergangenen Jahren entwickelt?

2019 gab nach einigen Jahren erstmals wieder positive Zahlen. Die Übernachtungsstatistik muss jedoch auch immer differenziert betrachtet werden. Hier spielen oft unterschiedliche Gründe wie die Entwicklung des Gesundheitstourismus eine Rolle. Viele Gastgeber, touristische Leistungsträger und Gemeinden entwickeln sich touristisch weiter, sind innovativ und serviceorientiert. Diese können als gutes Beispiel vorangehen.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf den Tourismus im Landkreis?

Als Projektstelle Wandern haben wir momentan sehr viel zu tun. Die Leute bleiben im Land. Die Anfragen haben sich teilweise vervierfacht. Viele Gäste sind das erste Mal im Schwarzwald. Diese Chance müssen alle Beteiligten nutzen, um Gäste zum Wiederkommen zu überzeugen.

Machen die Menschen mehr Urlaub in der Heimat?

Gefühlsmäßig erkunden sehr viele ihre Heimat und die umliegenden Regionen, und es findet ein Umdenken statt. Ich hoffe, dass sich dies in den Übernachtungszahlen auch langfristig niederschlägt.

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Woher kommen die Feriengäste?

Im Landkreis waren schon in den vergangenen Jahren ein Großteil der Gäste aus Baden-Württemberg, der Schweiz und den Niederlanden. Nun sind es auch zunehmend Gäste aus den umliegenden Regionen, zum Beispiel aus dem mittleren oder nördlichen Schwarzwald oder Bodenseeraum.

Wie wichtig sind die Schweiz und die Schweizer Gäste?

Die Schweiz war und wird vermutlich immer einer der wichtigsten Quellmärkte für den Schwarzwald bleiben. Deshalb hat die Grenzschließung viele Betriebe gerade in unserer Region hart getroffen.

Spielt das Elsass eine Rolle als Einzugsgebiet?

Gäste aus dem Elsass spielen hier im Landkreis momentan weniger eine Rolle als beispielsweise im mittleren Schwarzwald. Dennoch sind Gäste aus Frankreich bei den Herkunftsländern auf Platz 3 im Landkreis.

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Wie reisen sie an?

Die meisten Gäste kommen mit dem eigenen Auto oder Reisemobil. Die Anreise mit der Bahn kommt jedoch immer häufiger vor, da auch die Konus-Gästekarte einen wichtigen Teil dazu beiträgt, vor Ort mobil zu sein. Die Nähe zu den Flughäfen Basel und Zürich ist für Gäste aus ferneren Ländern wichtig. Auch wenn in der momentanen Situation wenige mit dem Flugzeug anreisen.

Wo wohnen die Gäste am liebsten?

Hier merkt man einen deutlichen Unterschied in der momentanen Situation. Camping- und Reisemobilplätze sowie Ferienwohnungen sind enorm gefragt. Unsere in diesem Jahr eröffneten Trekking-Camps sind bis Ende September so gut wie ausgebucht.

Welche Rolle spielt der Fahrradtourismus?

Durch den Landkreis gehen fünf Radfernwege, welche sehr beliebt sind, auch schon in den vergangenen Jahren. Durch den enormen Anstieg an E-Bikes spielt das gesamte Radnetz im Landkreis eine größer werdende Rolle.

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