Vom Kleinkind, dem die Polypen entnommen werden sollen, bis zum 90-jährigen Rentner, der eine Hüftprothese bekommt – Patienten, die stationär oder ambulant am Waldshuter Spital operiert werden, mussten bislang unter Umständen viel Geduld aufbringen. Mit dem neuen Ambulanten Untersuchungszentrum (AUZ), das am heutigen Montag seinen Betrieb aufnimmt, sollen die Wartezeiten für jene Patienten künftig deutlich reduziert werden.

  1. Wer wird im Ambulanten Untersuchungszentrum behandelt? "Alle Patienten, die operiert werden sollen, aber keine Akutfälle sind und gehen können", erklärt der Oberarzt und Anästhesist Jan Simon und nennt als Beispiel einen Unterarmbruch oder eine Mandel-OP. Akutfälle werden nach wie vor in der Notaufnahme behandelt. Die neue Einrichtung richtet sich an Menschen, die vor einem geplanten Eingriff stehen und dort entsprechend auf die Operation vorbereitet werden.
  2. Wo befindet sich die neue Einrichtung? Das Untersuchungszentrum liegt im Erdgeschoss des Spitals. Rechts neben dem vorderen Zugang zum Aufzug, wo früher ein Gang um den Aufzug herum führte, befindet sich nun eine Tür zu den neu geschaffenen Räumen. Die Patienten werden im grün gestalteten Empfangsbereich von Krankenschwester Irma Süß, die federführend bei der Einrichtung des Ambulanten Untersuchungszentrums mitgewirkt hat, begrüßt und anschließend zu einem der sechs Untersuchungszimmer gebracht. "Wir haben eine neue Lüftungsanlage installiert und alle Räume sind klimatisiert", erzählt Architektin Luzia Duffner, die für den rund vier Monate dauernden Umbau verantwortlich war. Das Andachtszimmer, das zuvor in diesem Bereich des Spitals untergebracht war, soll einen neuen Platz bekommen.
    Jedes der sechs Untersuchungszimmer ist mit einem PC ausgestattet. IT-Leiter Bernd Claßen testet schon mal den Computer.
    Jedes der sechs Untersuchungszimmer ist mit einem PC ausgestattet. IT-Leiter Bernd Claßen testet schon mal den Computer. | Bild: Juliane Schlichter
  3. Was erwartet die Patienten im Ambulanten Untersuchungszentrum? Menschen, die sich im Spital einem Eingriff unterziehen müssen, können im Untersuchungszentrum einen Termin ausmachen. An diesem werden dann alle Untersuchungen vorgenommen, die vor der OP erforderlich sind. Beispielsweise wird Blut abgenommen oder ein EKG gemacht. Außerdem wird ein Gespräch mit dem Anästhesisten geführt. Anschließend werden die Patienten entweder stationär aufgenommen oder sie gehen bis zur Operation wieder nach Hause.
  4. Wie lief es bisher für OP-Patienten im Spital ab? "Früher ist der Patient in die jeweilige Abteilung", erzählt Irma Süß. Wer sich zum Beispiel einer Nasen-OP unterzogen hat, machte einen Termin beim Stationssekretariat der HNO-Abteilung aus, und wer einen Nierenstein entfernt bekam, wandte sich entsprechend an die Urologie. "Dies hatte zur Folge, dass fünf Patienten gleichzeitig auf die gleiche Uhrzeit bestellt wurden", berichtet Süß. "Dies war für Personal wie Patienten gleichermaßen frustrierend", erinnert sich die Chirurgin Nora Gleissner. Ärzte wie Pflegekräfte erhoffen sich von der Neustrukturierung, dass die Wartezeiten künftig wegfallen beziehungsweise deutlich verkürzt werden. Ein weiterer Vorteil des Ambulanten Pflegezentrums ist, dass auch Belegärzte, die nicht selber am Spital praktizieren, die Patienten, die sie operieren werden, in den neuen Räumen untersuchen können. "Früher mussten sie sich immer einen freien Raum suchen", erzählt Irma Süß.
    Sollte es trotz Termin zu Wartezeiten kommen, können sich die Patienten im Spital frei bewegen und werden von diesem Gerät benachrichtigt, wenn sie an der Reihe sind.
    Sollte es trotz Termin zu Wartezeiten kommen, können sich die Patienten im Spital frei bewegen und werden von diesem Gerät benachrichtigt, wenn sie an der Reihe sind. | Bild: Juliane Schlichter
  5. Was, wenn es doch zu Wartezeiten kommt? Dann können die Patienten, während sie auf ihre Untersuchung warten, in Ruhe in der Cafeteria einen Kaffee trinken oder ein Stück Kuchen essen oder jemanden, der im Krankenhaus liegt, besuchen. Sie erhalten zuvor ein handtellergroßes elektronisches Gerät, das vibriert und leuchtet, wenn sie an der Reihe für die Untersuchung sind.
  6. Was soll sonst noch am Spital verbessert werden? "Unser Ziel ist es, papierlos zu arbeiten", erzählt Bernd Claßen, IT-Leiter des Waldshuter Spitals. "Das werden wir nicht gleich schaffen, denn Einwilligungserklärungen müssen handschriftlich unterzeichnet werden", fügt er hinzu. Doch die Patientenakten aus Papier, die man immer noch auf den Fluren unter den Armen der Ärzte geklemmt sieht, sollen nach und nach verschwinden. Von der Terminvergabe, über die Patientenaufnahme bis zur Dokumentation der Anamnese soll künftig alles elektronisch im Spital laufen. Das Ambulante Untersuchungszentrum und die digitale Neuausrichtung gehören zu den geplanten Strukturverbesserungen im Spital Waldshut. Am Freitagvormittag landete auch erstmals wieder ein Rettungshubschrauber auf dem sanierten Landeplatz.