Herr Pater Zoche, am Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen, wo liegt der Ursprung des Fastens?

Der Ursprung ist religiös, aber nicht genuin christlich, sondern Fasten spielt in allen Religionen eine große Rolle. Für das heutige Fasten von Christen wird in der Regel im Neuen Testament auf die 40 Tage verwiesen, die Jesus in der Wüste gefastet hat. Es gibt aber bereits Stellen im Alten Testament, die es ansprechen.

Was ist Ziel des Fastens?

Ziel des Fastens im christlichen Sinne ist es, Selbsterkenntnis und Freiheit zu gewinnen, indem man durch Verzicht eine gewisse Unabhängigkeit erreicht und eine Reinigung der Seele, des Herzens und der Gedanken möglich wird. Es ist dies letztendlich eine Öffnung auf Gott hin, denn wer sich in der Fastenzeit fest etwas vornimmt, wird schnell merken, dass er an seine Grenzen kommt. Eine bewusste Konfrontation mit den eigenen Grenzen und Schwächen öffnet für die Sehnsucht nach Verbesserung des eigenen Zustands, nach Heilung. Im christlichen Kontext öffnet dies für die Liebe Gottes.

Das könnte Sie auch interessieren

Führt der Weg immer über Verzicht?

Nein, nicht unbedingt. Es geht darum, etwas anders zu machen als bisher. Für viele steht beim Fasten die Gesundheit im Vordergrund, aber im christlichen Sinn geht es darum, wieder neu zum Spirituellen zu finden. Deshalb kann es auch sinnvoll sein, sich in der Fastenzeit etwas Geistliches vorzunehmen, wie zum Beispiel eine bewusste Zeit der Stille oder eine geistliche Lesung.

Es spricht also im Grunde nichts dagegen, dass jeder nach seiner Fasson fastet?

Überhaupt irgendwas zu machen ist auf jeden Fall besser, als gar nichts zu machen. Im christlichen Kontext macht alles Sinn, was einher geht mit der bewussten Entscheidung, sich für die spirituelle Dimension und das Göttliche zu öffnen. Dies basierend auf der Erkenntnis, dass der Weg zum Glücklichsein nicht in der Ausmerzung von Fehlern, Schwächen und menschlichen Unvollkommenheiten besteht, sondern aus der Erfahrung, von Gott angenommen und geliebt zu werden, so wie man ist. Es ist ein großer Verlust, wenn Menschen ihre spirituelle Dimension verlieren. Irdisches Glück ist kein haltbares Glück, es ist ein wackliger, brüchiger Boden, der auf Dauer nicht trägt. Allein weil die Sinnfrage nicht beantwortet wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Macht denn die katholische Kirche nicht eindeutige Aussagen, wie gefastet werden muss?

Ein Professor in meinem Studium hat einmal gesagt, wenn man die kirchlichen Fastenvorschriften interpretiert, dann müssen nur notorische Faulenzer fasten und auch nur dann, wenn sie bei bester Gesundheit sind. Nach kirchlichen Vorschriften brauchen Kinder nicht zu fasten, Menschen über 65 Jahre nicht, Kranke nicht und Menschen nicht, die arbeiten. Viele bleiben da nicht übrig. Fasten kann man nicht über die Kirche regeln. Es bedarf immer wie vorhin gesagt, der Erkenntnis unserer Unzulänglichkeit und einer daraus erwachsenden individuellen Entscheidung für eine Öffnung.

Welche Symbole der Fastenzeit kennt die Kirche?

Liturgisch weist die Kirche auf besondere Weise auf die österliche Bußzeit, wie die Fastenzeit eigentlich heißt, hin: Mit der Farbe lila, dem Aschenkreuz, das die Gläubigen am Aschermittwoch auf die Stirn bekommen, in der Fastenzeit wird kein Gloria und Halleluja gesungen und ab dem vierten Fastensonntag werden die Kreuze verhüllt. Jeder sonntägliche Gottesdienst weist auf diese besondere Zeit der Vorbereitung auf die Feier von Tod und Auferstehung von Jesu Christi hin.

Das könnte Sie auch interessieren

Fasten als Anstrengung, Weg und Ziel der spirituellen Öffnung, kann man es so zusammen fassen?

Ja, wer damit gar nichts anfangen kann, der ist eingeladen, heute Abend ins Pfarrheim nach Waldkirch zu kommen. Ich biete bis Ostern jeden Montag um 20 Uhr eine Hinführung zur christlichen Meditation an. Jeder, der der Fastenzeit eine besondere spirituelle Note geben will, ist willkommen.

Ich habe im Internet gesehen, das auch wieder neue Bücher von Ihnen erschienen sind, die zu dem Thema passen.

Gerade erschienen ist im Benno Verlag "Führe uns zur Stille – Der Weg zur christlichen Meditation" und ein Begleitbuch dazu, bei dem man die einzelnen Bildseiten mit Gedanken dazu aufstellen kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Sie geben auch Seminare für Manager, legen Sie denen auch das Fasten nahe?

Ich betreue in der Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Forum für Kirche und Wirtschaft das Projekt "24-Stunden out of office", das zwei Mal jährlich in der Abtei Wislikofen für Manager und Führungskräfte stattfindet. Dort geht es um die Frage nach einer alltagstauglichen Spiritualität, nach der Möglichkeit, die Dimension des Ewigen in das Hier und Jetzt zu integrieren. Bei den Frühjahrstreffen spielt das Fasten und die Fastenzeit eine bedeutende Rolle.

Wie sieht ihr persönlicher Beitrag in der Fastenzeit aus?

Ich füge bis Ostern in mein normales Gebetsleben eine zusätzliche Lesung ein, die ich täglich über eine App auf mein Handy von der "World Community of Christian Meditation" bekomme. Dahinter steht der Benediktinerpater Laurence Freeman. Jeder kann sie kostenlos runterladen, allerdings nur in englisch.

Das könnte Sie auch interessieren