Feierabendzigarette adieu!

Angelika Wohlfrom, 45, hat das Rauchen angefangen, als das noch als cool galt. Und ist seit ihrer Jugend auf der Ostalb nicht davon ...
Angelika Wohlfrom, 45, hat das Rauchen angefangen, als das noch als cool galt. Und ist seit ihrer Jugend auf der Ostalb nicht davon losgekommen. | Bild: Gora, Aldo

Könnte sein, dass ich in den nächsten Wochen unausstehlich werde. Nur mal so zur Vorwarnung. Der Zigaretten-Verzicht wird mich hart treffen. Ich bin kein starker Raucher, aber zwei bis drei Genusszigaretten am Tag müssen schon sein. Vor allem die Feierabend-Kippen werden mir fehlen: Der blaue Dunst bläst mir allabendlich die letzten Stressreste aus dem Hirn, bilde ich mir ein. Erste Zigarette – der Feierabend ist da. Letzte Zigarette – Zeit den Tag schlafen zu legen. Überfrachtete Raucherrituale eben. Doch jetzt ist erstmal Schluss damit. 40 Tage Rauchfasten – das muss doch möglich sein!

Der Pinocchio der Wohlfühllügen

Julian Kares, 27, nahm es schon zu seiner Schulzeit in Stuttgart mit der Wahrheit nicht ganz so genau. Seine Eltern wissen bis heute ...
Julian Kares, 27, nahm es schon zu seiner Schulzeit in Stuttgart mit der Wahrheit nicht ganz so genau. Seine Eltern wissen bis heute nichts von schlechten Mathe-Noten. | Bild: Gora, Aldo

Ich lüge mit Anstand. Meine ehemalige Freundin glaubte in unseren letzten sechs Monaten an eine glückliche Beziehung. Ich streute über die Zeit bereits leise Zweifel ein, um sie langsam auf eine sanfte Trennung vorzubereiten. Stimmt, das klingt wie ein Psycho. Aber das Ende war schön. Kein Herzbruch aus dem Nichts, keine Eskalation, viel Verständnis. So ist meine Masche: Ich lüge, um in meiner Wohlfühl-Oase bleiben zu können. Das ist nicht böse, oder? Doch immer öfter fühle ich mich als Feigling, dabei sollte ich mit 27 Jahren langsam mal mutig werden – mein schwindelndes Ich muss dafür jetzt fasten.

Bewusst genießen, schärft die Sinne

Beate Schierle, 51, kommt aus dem Markgräflerland und ist mit Gutedel und Spätburgunder groß geworden.
Beate Schierle, 51, kommt aus dem Markgräflerland und ist mit Gutedel und Spätburgunder groß geworden. | Bild: Gora, Aldo

Ein guter Wein am Abend ist für mich Genuss und Lebensart. Doch nach einer schweren Erkrankung stellte ich alles auf den Prüfstand – auch den Wein. Inzwischen ist zweimal pro Woche Wein-Pause, auch außerhalb der Fastenzeit. Anfangs fand ich das echt doof. Aber Saft und bleifreier Wein schmecken auch. Zwei Dinge habe ich gelernt: dass alles, was wir jederzeit bekommen können, leicht zur Nebensache wird. Dass die wirklich guten Dinge im Leben erst durch zeitweisen Verzicht wertvoll werden. Und wenn ich einen tollen Wein trinke, genieße ich seinen Duft und den Geschmack viel bewusster als früher.

Jetzt ist es vorbei mit WhatsAppen

David Bäuerle, 30, sieht Messenger wie WhatsApp als Segen und Fluch zugleich: Nervig aber auch eine tolle Verbindungsmöglichkeit zu Omas ...
David Bäuerle, 30, sieht Messenger wie WhatsApp als Segen und Fluch zugleich: Nervig aber auch eine tolle Verbindungsmöglichkeit zu Omas neuem Hund. | Bild: Gora, Aldo

Ohne WhatsApp ist nicht nur für mich ein großer Teil der Alltagskommunikation kaum vorstellbar – der Messenger ist für viele die direkte Verbindung zu Freunden, Familie und Kollegen. Doch jetzt ist Schluss mit dem Pieps-Ton. WhatsApp wird gelöscht und zwar ersatzlos. Schon für die bloße Ankündigung ernte ich fassungslose Blicke. Wie soll denn jetzt etwa der anstehende Umzug organisiert werden? Jede Verabredung in dem nie stumm werdenden WhatsApp-Gruppen-Universum läuft von nun an ohne mich. Erst in sechs Wochen kann ich nachlesen, was ich verpasst habe. Doch ich ahne es: Viel wird es wohl nicht sein.

Bald bin ich eine Frohnatur

Dominik Dose, 24, sieht Motzen als den Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Worüber sollten Menschen reden, wenn sie nicht mehr über ...
Dominik Dose, 24, sieht Motzen als den Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Worüber sollten Menschen reden, wenn sie nicht mehr über das Wettern mosern können? | Bild: Gora, Aldo

So viel motze ich ja gar nicht. Ich bin kein Obermotzki, kein Superbruddler. Aber wenn mir etwas nicht passt, sag’ ich das halt auch. Klar, es gibt auch Menschen, die nie motzen. Die alles immer super finden und rund um die Uhr blendend gelaunt sind. Frohnaturen nennt man die, oder Sonnenscheine. Mir sind diese Menschen hochgradig suspekt und auf Dauer schwer erträglich. Vielleicht bin ich in ein paar Wochen ja genau so. Am schwierigsten wird das Meckerfasten beim Fußballschauen. Letzendlich liegt es also am KSC, ob das ganze Experiment hier zum Erfolg führt. Ich hab da kein gutes Gefühl. Aber ich will ja nicht motzen.

Das kann eigentlich nur schief gehen

Sandro Kipar, 25, fährt fast jedes Wochenende durch ganz Baden-Württemberg. Dass er das Auto komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln ...
Sandro Kipar, 25, fährt fast jedes Wochenende durch ganz Baden-Württemberg. Dass er das Auto komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln ersetzen kann, bezweifelt er stark. | Bild: Gora, Aldo

Das Auto ist ein zentraler Bestandteil meines Alltags. Schon auf dem Weg zur Arbeit bin ich darauf angewiesen, denn ich wohne in Mühlhofen. Täglich fahre ich nach Meersburg zur Fähre und dann weiter zum SÜDKURIER-Medienhaus. Im Privaten werden die Strecken deutlich länger: Meine Freundin wohnt und studiert in Würzburg, meine Eltern und Freunde wohnen in Heilbronn. An einem Wochenende sechs Stunden im Auto zu sitzen ist für mich deshalb etwas völlig Normales. Ich genieße die Freiheit, die mein kleiner Skoda mir ermöglicht und verdränge dabei die Gedanken an Abgase und Spritpreise.

Wochenlang kein Color-Rado

Karl-Heinz Backes, 63, kommt aus Nordrhein-Westfalen und ist mit Lakritze aufgewachsen.
Karl-Heinz Backes, 63, kommt aus Nordrhein-Westfalen und ist mit Lakritze aufgewachsen. | Bild: Gora, Aldo

Ich werde wohl in den nächsten Wochen neidisch auf meine Kolleginnen und Kollegen schauen. Ich sponsore für alle in der Redaktion immer eine Dose Color-Rado von Haribo. Jeder der vorbeikommt, greift dann gerne mal in die Dose, um seine Nerven mit etwas Süßem zu beruhigen. Ich selbst auch. Nun werde ich in der Fastenzeit auf diesen Genuss verzichten, ohne dass die Kolleginnen und Kollegen darunter leiden. Ich werde weiterhin eine Dose auf meinem Schreibtisch stehen haben und alle dürfen sich daraus bedienen. Das wird für mich eine harte – sehr harte – Zeit und ich bin froh wenn ich diese überstanden habe.

Schluss mit dem Onlineshopping

Nicole Rieß, 41, kauft der Einfachheit halber gern im Internet ein – gezielt, zeitlich flexibel und mit großer Auswahl. Ob das auch ...
Nicole Rieß, 41, kauft der Einfachheit halber gern im Internet ein – gezielt, zeitlich flexibel und mit großer Auswahl. Ob das auch anders geht? | Bild: Gora, Aldo

Es ist mein persönlicher Alptraum: Am Sonntagabend klemmt plötzlich eine Einladung zum Kindergeburtstag im Briefkasten. Oder aber sie taucht unerwartet beim Ranzenpacken zwischen der noch nicht geleerten Vesperbox und dem Federmäppchen voller stumpfer Buntstifte auf. Was nun? Ein Wunsch ist schnell abgefragt – aber wann stressfrei einkaufen, wenn die Arbeitszeiten so ziemlich den Ladenöffnungszeiten entsprechen und die Party schon am Samstag steigt? Zum Glück hat wenigstens mein Sohn am Aschermittwoch Geburtstag – die Geschenke für ihn habe ich vor dem Fasten noch schnell digital gekauft.

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