Der Caritasverband Hochrhein beobachtet, dass immer mehr ältere Menschen auf das Hilfsangebot der Tafeln angewiesen sind. Durch den Zuzug von Geflüchteten sind bisher 20 bis 30 neue Berechtigungsausweise für die Tafel Waldshut verteilt worden.

An der Pinnwand der Waldshuter Tafel hängt ein ausgeschnittener Zeitungsartikel – "Entscheidung der Essener Tafel löst Kritik aus" steht in der Überschrift. „Wir haben uns darüber unterhalten und wir sind froh, dass es bei uns nicht so ist", sagt Sigrid Selz über die Ankündigung aus Essen, dass Kunden ohne deutschen Pass kein Anrecht mehr auf die Lebensmittel im Tafelladen haben. Seit neun Jahren arbeitet Sigrid Selz ehrenamtlich in der Tafel Waldshut: "Man merkt, dass mehr Geflüchtete unser Angebot annehmen. Eine Verdrängung gibt es hier aber nicht."

230 Kunden nutzen Angebot regelmäßig

Der Caritasverband Hochrhein ist der Träger des Einkaufsladens für Bedürftige, der seine Waren durch Spenden aus Bäckereien, Supermärkten und andere Geschäften erhält. Für zehn bis zwölf Prozent vom Warenwert dürfen Personen, die durch Arbeitslosengeld, Rente oder andere Sozialleistungen nur auf ein Einkommen in bestimmter Höhe zurückgreifen können, im Laden einkaufen.

Ein Berechtigungsausweis werde von der Caritas unabhängig von der Herkunft oder Konfession ausgestellt, betont Bernhard Gampp, Leiter des Caritas-Sozialdienst. Durch den Zuzug von Geflüchteten seien rund 20 bis 30 neue Berechtigungen verteilt worden. Insgesamt sind 650 Ausweise im Umlauf, rund 230 Kunden nutzen das Angebot der Tafel regelmäßig, so Gampp.

Familien dürfen mehr Artikel kaufen

An drei Tagen in der Woche öffnet der Lebensmittelmarkt seine Pforten. Damit während der einstündigen Öffnungszeit nicht das Recht des Stärkeren gilt, hat sich das System des Losverfahrens etabliert. Aus den gesammelten Ausweisen wird zufällig gezogen, welche Personen zuerst Obst, Gemüse oder Backwaren einkaufen dürfen.

Im Verkaufsraum sind dann durchgängig sechs bis zehn Kunden unterwegs, die ehrenamtlichen Mitarbeiter achten auf eine faire Verteilung. „Wir müssen schon eingreifen, wenn eine einzige Person mehr haben möchte, aber gleichzeitig Familien mit Kindern da sind", sagt Sigrid Selz. Auf dem Ausweis kann kontrolliert werden, wie viele Personen mit den Artikeln aus dem Laden versorgt werden – Familien dürfen mehr in die Einkaufstüte packen.

„Wir sind dennoch kein Vollversorger"

Bernhard Gampp betont: „Wir sind dennoch kein Vollversorger. Wir bieten nur so viel an, wie wir können." Die Kundschaft der Tafel hat sich laut dem Leiter des Sozialdienstes nicht nur durch die Bedürftigkeit von Geflüchteten verändert. Die Caritas bemerke eine fortschreitende Altersarmut. Besonders verwitwete Menschen seien vermehrt auf die Unterstützung durch die Tafel angewiesen. Sigrid Selz kann diese Beobachtung in ihrer Arbeit vor Ort bestätigen. Gampp: „Es stellt sich die Frage, ob ein Land wie Deutschland so ein Armutsprojekt braucht? Anscheinend lautet die Antwort Ja."

Konzept der Tafel

Der Waldshuter Tafelladen wurde 2004 gegründet und befindet sich in Trägerschaft des Caritasverbandes Hochrhein. Im Kreis befinden sich in Bad Säckingen, Wehr und Bonndorf drei weitere Läden, in dem finanziell benachteiligte Menschen Lebensmittel kaufen können. Für die Tafel Waldshut arbeiten 65 ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Tafel trägt sich durch privaten Spenden sowie Sach- und Geldspenden von Lebensmittelmärkten, Einzelhändlern, Firmen, Vereinen oder Schulen.