25 Jahre im Gemeinderat seien „mehr als genug“, glaubt Markus Ebi. Der 70-Jährige ist nunmehr auch als Stadtrat im Ruhestand, nachdem er 2019 auf eine neue Kandidatur verzichtete. Von Aichen blickt der pensionierte Studiendirektor auf eine Doppelstadt mit „großen Zukunftschancen“. Schmerzpunkte wie die teure Übergabe des städtischen Spitals trüben die positive Erinnerung, andere politischen Aufgaben blieben für künftige Generationen liegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Ebis Sicht auf Kommunalpolitik geht über den Aichener Kirchturm hinaus auf die Gesamtstadt. Aber sein politisches Handwerk lernte er von der Pike an. Die 29 Jahre im Ortschaftsrat, wo 1980 zunächst parteilos alles begann, sind ihm wichtig. Als Ortsvorsteher war es ihm gelungen, für das Dorf am Berg eine internetfähige Breitbandverkabelung zu realisieren – nur wenige Satellitenschüsseln hängen im Ort.

Ehrenamtliches Engagement wertvoll für das Dorf

Es ging im Dorfparlament um den Erhalt der Zehntscheuer und um die Verwendung der jährlichen Verfügungsmittel der Stadt. Letzteres sei gut investiertes Geld, glaubt Markus Ebi auch heute noch. Mit ehrenamtlichem Engagement werde auf dem Dorf mancher Euro aus der Stadtkasse veredelt.

Seit 1994 im Gemeinderat Waldshut-Tiengen

Seit 1994 saß der Lehrer dann im Gemeinderat der Großen Kreisstadt. Die Rivalität der Städte, zwischen Tiengenern und Waldshutern, sieht der Aichener eher schwinden. Beispiele: Die Verlegung des Volksbank-Hauptsitzes nach Waldshut wurde in Tiengen vor Jahrzehnten noch als Affront gesehen. Der Streit um die Zukunft der Freibäder dagegen habe 2018 keine Gräben aufgerissen, stellt der CDU-Stadtrat fest. Für Tiengen sei es nun wichtig, die Entwicklung am Sulzerring voranzutreiben, um den Rang zwischen dem größeren Waldshut und dem stetig wachsenden Lauchringen zu behaupten.

Das könnte Sie auch interessieren

In Waldshut hätte er gern ein stadtplanerisches Konzept für die Bahnhofsvorstadt zwischen Bismarckstraße und Rheinschloss gesehen, ein Konzept für die Entwicklung der Liedermatte und endlich auch die Lösung der Verkehrsprobleme, die er für entscheidend hält. Die Stadt dürfe nicht vom Lastwagenblech erdrückt werden. Markus Ebi ist nicht sicher, ob der Stillstand beim Bau einer Durchgangsstraße darauf zurückzuführen ist, dass die Stadtpolitik auf einem inzwischen 28 Jahren alten Beschluss zugunsten einer Taltrasse beharrte. Jedenfalls habe es der Trassenstreit vor Ort den staatlichen Geldgebern leicht gemacht, das Projekt am Hochrhein in die Schublade zu legen.

Waldshut-Tiengen hat großes Entwicklungspotenzial

Die persönliche Wunschliste des scheidenden Stadtrates ist noch länger. Wenn die Waldshuter Aarberg-Siedlung weiter wachse, könne es nicht bei den heutigen Zufahrten durchs Gurtweiler Tal und über die Rathausstraße in Gurtweil bleiben. Insgesamt sieht der 70-Jährige die 1975 unter Schmerzen geborene Stadt heute „stark positioniert“. Waldshut-Tiengen habe große Entwicklungsmöglichkeiten, wenn es seine Probleme löse.

Das könnte Sie auch interessieren

In 39 Jahren Kommunalpolitik hatte es Ebi mit drei Oberbürgermeistern zu tun. Martin Albers schätzte er sehr, seine klaren Positionen, die gründliche Einarbeitung in Probleme. Ihm zuvorderst schreibt er den Ausbau der Kinder-Tageseinrichtungen in der Doppelstadt gut.

Streit gehört dazu

Streit gehört zur Politik. Im Clinch mit dem OB fand sich Ebi, als sich der Aichener gegen die Feuerwehr-Reform und für den Erhalt der kleinen Ortsabteilungen einsetzte. Mit Ratskollegen auch in der eigenen Fraktion gab es Knatsch, als er sich für den heutigen Spielplatz vor der Waldshuter Hansjakob-Schule einsetzte, zu Lasten von öffentlichen Parkplätzen.

Zerwürfnisse schaden der Stadt

Was den Nachfolger Philipp Frank – seit 2015 – betrifft, wird der scheidende Stadtrat schmallippig. Die Kommune sei zuvor mit dem Baudezernat im Hinblick auf ihre bauliche Entwicklung gut aufgestellt gewesen. Die Zerwürfnisse mit dem neuen Rathauschef und folgende Personalwechsel hätten der Stadt nicht gut getan. „Das hätte nicht sein müssen“, sagt Ebi, der dies nicht als Kritik an den Nachfolgern der ausgeschiedenen Rathaus-Mitarbeiter verstanden wissen will.

Das könnte Sie auch interessieren

Einen dunklen Schatten sieht der Scheidende indes auch auf der Ära Albers: Das Aus des städtischen Spitals, das von der Stadt zunächst in die Spitäler-Gesellschaft des Landkreises eingebracht wurde und dessen Schließung inzwischen beschlossene Sache ist – unter vielen Millionen geopferten Euro für Waldshut-Tiengen. Bis heute verstehe er nicht, warum die vom Zusammenschluss mit dem Kreiskrankenhaus in Bad Säckingen erhofften Spareffekte nicht eintrafen, sagt Ebi. Warum im Vertrag zwischen Stadt und Kreis keine Klausel für einen vernünftigen Ausstieg stand, „das haben wir im Gemeinderat zu wenig hinterfragt, dafür tragen wir politische Verantwortung“, sagt er selbstkritisch.

Zeit für die Enkel und den Garten

Am Ende freilich waren nicht die Unebenheiten der vergangenen Jahre der Grund für Ebis Ausstieg. Der sei lange schon beschlossene Sache gewesen. Sechs Enkel, der heimische Garten und Lektüre jenseits der städtischen Sitzungsvorlagen hätten jetzt Vorrang. Als die Waldshut-Tiengener im Mai seine Nachfolger wählten, reiste das Ehepaar Ebi politikfrei durch Irland. Die Bürgerpflicht habe man durch Briefwahl erfüllt, stellt der Pensionär klar. Denn „ein politischer Mensch bleibt man ja“.