Waldshut-Tiengen – Juristen gelten gemeinhin eher als kühl, spätestens im Richteramt sollten Emotionen fehl am Platz sein. Alles andere als kühl und emotionslos war die Feierstunde anlässlich der Verabschiedung des langjährigen Präsidenten des Landgerichts Waldshut-Tiengen, Wolfgang Eißer, verbunden mit der Amtseinführung seines Nachfolgers Wolfram Lorenz. Heiß, weil alleine schon die Temperaturen vor und vor allem im katholischen Gemeindehaus in Waldshut im wahrsten Sinn des Wortes heiß waren – und weil die Lobeshymnen auf den Juristen Eißer und die Vorschusslorbeeren für seinen Nachfolger alles andere als frei von Emotionen waren.

Gleich nach der Begrüßung durch Claudia Jarsumbek, Vizepräsidentin des Landgerichts Waldshut, nahm der Lobesreigen Fahrt auf. Landesjustizminister Guido Wolf (CDU) sagte vor zahlreichen Juristen, Behördenvertretern und auch dem CDU-Landtagsabgeordneten Felix Schreiner an die Adresse von Wolfgang Eißer, der bis zu seinem endgültigen Eintritt in den Ruhestand im vergangenen November exakt 15 Jahre Präsident des Landgerichts war: „Mit Ihnen verabschieden wir einen der ganz Großen in der Justiz unseres Landes“. Der Rückblick auf das Lebenswerk von Wolfgang Eißer war jedoch nur ein Teil der Veranstaltung am Freitagnachmittag. Guido Wolf führte zugleich auch den 62-jährigen Wolfram Lorenz offiziell in sein neues Amt als Präsident des Landgerichts Waldshut-Tiengen ein.

Zunächst allerdings würdigte Wolf die „herausragenden Verdienste“ Eißers, der 1975 in die Justiz des Landes eingetreten sei und insgesamt 41 Jahre als Richter und zwischenzeitlich auch als Leitender Oberstaatsanwalt wirkte. 2001 trat Eißer an die Spitze des Landgerichts Waldshut-Tiengen. Wolf: „Schon früh wurden in Ihren dienstlichen Beurteilungen Ihr ausgeprägtes Pflichtbewusstsein, eine uneingeschränkte Belastbarkeit und eine nahezu grenzenlose Hilfsbereitschaft festgestellt. Dass bei Ihnen auch die fachlichen Leistungen exzellent waren, versteht sich bei Ihnen praktisch von selbst. An Wolfram Lorenz gewandt sagte Wolf, dass auch er für „eine beispiellose Leistungsbereitschaft und ein herausragendes Berufsethos“ stehe. Lorenz hatte zuvor acht Jahre lang das Amtsgericht in Lörrach geleitet. Wolf: „Sie sind die Idealbesetzung für dieses anspruchsvolle Amt.“

Namens der Anwaltschaft drückte der Präsident der Rechtsanwaltskammer Freiburg, Michael Kenzler, seine Hochachtung vor der beruflichen Leistung Wolfgang Eißers aus. „Sie haben dem Landgericht Waldshut-Tiengen jenes Gewicht gegeben, das ihm zusteht.“ Auch im Namen von Landrat Martin Kistler würdigte Jörg Gantzer, Erster Landesbeamter, das gute Verhältnis zwischen Justiz und Kreisverwaltung. Ein Verhältnis, das sicher auch unter Wolfram Lorenz Bestand haben werde.

Wolfgang Eißer selbst blickte auch ein wenig philosophisch zurück auf seine 41-jährige Tätigkeit als Richter und Staatsanwalt. In seiner gesamten Laufbahn habe er stets an der Landesgrenze gearbeitet; in Konstanz, Offenburg und Waldshut-Tiengen. Deshalb sein Fazit: „Der Kontakt über die Grenze hinweg war mir immer sehr wichtig.“ Der Blick über die Grenze habe ihn stets gereizt. So habe er während seiner Offenburger Zeit in Frankreich die feierliche Eröffnung des Gerichtsjahres miterlebt und eine ähnliche Veranstaltung seit 2003 in Waldshut-Tiengen etabliert, zu der – wie auch gestern – regelmäßig Gäste aus dem Nachbarland dabei sind. Nach wie vor sehr kritisch sieht Eißer das Rauslösen des Raums Rheinfelden aus dem Landgerichtsbezirk Waldshut-Tiengen. „Das war ein Fehler.“ Andernfalls wäre das Landgericht für rund 300 000 Einwohner zuständig und damit „ein Gericht von vernünftiger Größe“.

Gleichwohl stimme der Teamgeist im Landgericht. Dies attestierte Wolfram Lorenz seiner Mannschaft an der Bismarckstraße in Waldshut. Seit 135 Tagen im Amt lobte er die sehr herzliche Aufnahme in Waldshut-Tiengen und auch die Arbeit seines Vorgängers: „Ich habe ein wohlbestelltes Gericht mit einem guten Team übernommen.“ Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der jungen Pianistin Jennifer Brotzmann aus Emmendingen.

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