Die beiden Blöcke des Kernkraftwerks Beznau stammen aus den Jahren 1969 und 1971, das Kernkraftwerk Leibstadt nahm 1984 den Betrieb auf. Atomkraftgegner sprechen von veralteter Technik und Sicherheitsrisiken. Die nachstehende Liste zeigt nur einen Teil der Unregelmäßigkeiten, die in den vergangenen Jahrzehnten bekannt wurden.

Beznau

  • Juli 1999: Aufgrund einer Ablagerung von Kies und Holz im Bereich des Kühlwasserdurchflusses schaltet sich Block 1 selbst ab, wird aber am selben Tag wieder in Betrieb genommen. Im gleichen Monat werden Risse in Rohren des Reaktordruckbehälter-Deckels entdeckt. Die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK, heute Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat/ENSI) betont, es bestehe keine Gefahr für Menschen oder Umwelt.
  • August 2000: Vier Brennelemente in Block 1 sind undicht, der Englische Hersteller BNFL ist nicht unbekannt: Bereits im Vorjahr geriet er wegen gefälschter Papiere in die Schlagzeilen. Der damalige Kernkraftwerkbetreiber Nordostschweizerische Kernkraftwerke betont, der sichere Betrieb des Kernkraftwerks sei stets gewährleistet gewesen.
  • Januar 2003: Aufgrund eines fehlerhaft funktionierenden Ablassventils kommt es zur Schnellabschaltung in Block 2. Laut wird keine Radioaktivität freigesetzt. Im gleichen Jahr wird wegen eines Bedienfehlers bei Arbeiten an einer Aufbereitungsanlage mehr radioaktives Edelgas Xenon 133 abgegeben, als im Normalbetrieb erlaubt. Laut HSK beträgt die freigesetzte Menge jedoch weniger als ein Zehntausendstel des Kurzzeit-Grenzwerts.
Das Schweizer Kernkraftwerk Beznau besteht aus Reaktorblock 2 (Vordergrund) und Reaktorblock 1.
Das Schweizer Kernkraftwerk Beznau besteht aus Reaktorblock 2 (Vordergrund) und Reaktorblock 1. | Bild: Gerard, Roland
  • August 2007: Einen Tag lang fällt die Notstromversorgung aus. Im selben Jahr werden bei einem der Reaktoren an der Stahlwand der Innenhülle Rostlöcher von vier bis zu 5,2 Millimetern Tiefe entdeckt.
  • November 2008: Eine Rohrverbindung leckt, eine Turbine in Block 2 wird hierauf für drei Stunden außer Betrieb gesetzt. Auch in anderen Monaten kommt es zu Schnellabschaltungen durch Defekte an Anlagen.
  • August 2009: Zwei Arbeiter werden im Atomkraftwerk verstrahlt, als sie während Revisionsarbeiten im Bereich des Reaktordruckbehälters von Block 2 eine Kamera installieren, während ein anderes Team an Messsonden hantiert – zeitgleiche Arbeiten dürfen aus Strahlenschutzgründen jedoch nicht durchgeführt werden. Die Strahlendosis ist fast doppelt so hoch wie jährlich zulässig, laut Kraftwerkbetreiber jedoch nicht gesundheitlich gefährlich.
  • Juli 2015: Bei einer Kontrolle des Reaktor-Druckbehälters werden rund 925 Materialfehler am Stahl entdeckt. Die Betreiber gehen davon aus, dass diese schon bei der Herstellung entstanden sind. Reaktor 1 geht daraufhin vom Netz, wird im März 2018 jedoch nach eingehenden Untersuchungen wieder in Betrieb genommen. Gegen die Wiederinbetriebnahme gab es eine grenzüberschreitende Demonstration auf der Rheinbrücke Waldshut-Koblenz.
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Leibstadt

  • September 2000: Aufgrund einer Störung in einem Generator wird der Reaktor automatisch abgeschaltet. Im gleichen Jahr werden größere Brennelementschäden in einer Anlage und vier Störungen an Sicherheitseinrichtungen festgestellt. Laut HSK war der sichere Betrieb jedoch nicht beeinträchtigt gewesen.
  • August 2001: In Folge von Nachlässigkeiten bei Schweißarbeiten kommt es während einer Revision zu drei Bränden, Radioaktivität wird laut HSK jedoch nicht freigesetzt. Zudem werden an vier Schweißnähten der Reaktorwasserumwälzanlage millimeterlange Risse gefunden.
  • Juni 2002: Bei der Überprüfung eines Batteriesatzes der Notstromversorgung kommt es zur Spannungsunterbrechung und damit zur Schnellabschaltung. Erhöhte radioaktive Abgaben an die Umwelt gab es laut Betreiber nicht.
  • März 2005: Nach einer Panne in einem Generator schalten sich die Turbinen aus. Bis September steht das Kernkraftwerk still.
Das Kernkraftwerk Leibstadt während der Revision im November 2018.
Das Kernkraftwerk Leibstadt während der Revision im November 2018. | Bild: Schlichter, Juliane
  • August 2008: Während einer Revision atmen Mitarbeiten bei Schleifarbeiten radioaktiven Staub ein.
  • September 2010: Ebenfalls bei Revisionsarbeiten wird ein Taucher an der Hand verstrahlt, weil es im Transferbecken zu einer Berührung mit einem verstrahlten Gegenstand kommt. Laut Unternehmen sei mit bleibenden Schäden voraussichtlich nicht zu rechnen.
  • Juni 2014: In der stählernen Wand des Reaktor-Sicherheitsbehälters werden Löcher entdeckt, die zur Befestigung von Handfeuerlöschern gebohrt wurden. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) erstattet gegen die verantwortliche Fremdfirma Anzeige, im Juli werden die Löcher, die laut Betreiber und ENSI keinen Einfluss auf die Integrität des Sicherheitsbehälters hatten, ausgebessert.
  • Oktober 2015: Wegen eines Defekts am Kühlkreislauf wird das Kernkraftwerk abgeschaltet. Die Schwachstelle befindet sich im nichtnuklearen Teil der Anlage. Schon im Monat davor wurde der Reaktor aufgrund eines Ölflecks im Turbinenregelsystem vom Netz genommen.
  • August 2016: Bei der Jahresrevision werden Oxidationen an einem Teil der Brennelemente festgestellt. Der Reaktor muss wegen der Ursachenforschung ein halbes Jahr abgeschaltet bleiben und darf bis heute laut ENSI-Vorgabe nur mit leicht reduzierter Leistung betrieben werden.

Die Störfall-Skala

Skala für Atom-Zwischenfälle: Die Abkürzung INES steht für den englischen Begriff International Nuclear and Radiological Event Scale. Mit dieser Skala werden sicherheitsrelevante Vorkommnisse in Atomanlagen bewertet. Die einzelnen Stufen (Quelle: deutsches Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit) reichen von 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) bis zu 7 (katastrophaler Unfall). Wiederholt sind Vorkommnisse in den Atomkraftwerken Beznau und Leibstadt mit 1 für Störung bewertet worden (steht unter anderem für „Abweichung von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb/gestaffelte Sicherheitsvorkehrungen bleiben erhalten“).