500 wurden erwartet, etwas weniger waren es, die trotz großer Hitze für ihre Überzeugung eintraten. "Uraltreaktor Beznau abschalten", "Laufzeitverlängerung – Gefahrzeitverlängerung", "Atomkraft nein danke", waren Parolen auf den mitgeführten Bannern der Demonstranten, die am Sonntag vom Gewerbepark Hochrhein auf dem Fahrradweg Richtung Rheinbrücke marschierten. Auf dem Platz vor dem deutschen Zoll und der Rheinbrücke fand anschließend eine Kundgebung statt.

Mit Worten: Blick auf den Platz vor dem deutschen Zoll, wo die Demonstranten sich sammeln und flammende Reden hören, Grünen-Kreisrat Peter Schanz (Sprecher der Organisatoren) eröffnet die Kundgebung.
Mit Worten: Blick auf den Platz vor dem deutschen Zoll, wo die Demonstranten sich sammeln und flammende Reden hören, Grünen-Kreisrat Peter Schanz (Sprecher der Organisatoren) eröffnet die Kundgebung. | Bild: Ursula Freudig

Polizei spricht von geordnetem Verlauf

Rund 40 Minuten, ab kurz nach 15 Uhr, war die Rheinbrücke gesperrt. Eine Handvoll Polizisten begleitete nach Aussage von Einsatzleiter Jürgen Ziegler die sehr geordnet verlaufende Antiatomkraft-Demo. Sie richtete sich gegen die Schweizer Atompolitik, besonders das Atomkraftwerk Beznau und propagierte erneuerbare Energien. Ab und zu waren Sprechöre zu hören. "Abschalten" skandierten die Demonstranten.

Die Rheinbrücke, die Waldshut und Koblenz verbindet, ist bei der Anti-Atomkraft-Demo Symbol des gemeinsamen Widerstandes.
Die Rheinbrücke, die Waldshut und Koblenz verbindet, ist bei der Anti-Atomkraft-Demo Symbol des gemeinsamen Widerstandes. | Bild: Ursula Freudig

Sechs Redner aus Deutschland und der Schweiz

Sechs Redner traten ans Mikrofon und machten ihrem Unmut und ihrer Kritik Luft: Sandra Detzer (Landesvorsitzende der Grünen), Monika Herrmann-Schiel (Zukunft ohne Atom Waldshut), Axel Mayer (BUND), der Schweizer Sozialdemokrat Rudolf Rechsteiner, der für den SPD Kreisverband Waldshut sprach. Und aus der Schweiz Regula Rytz (Präsidentin der Schweizer Grünen) und Großrätin Gabriela Suter (SP).

Mit Flaggen: Rechsteiner bei seiner Rede auf der Rheinbrücke.
Mit Flaggen: Rechsteiner bei seiner Rede auf der Rheinbrücke. | Bild: Ursula Freudig

Kritik am Ensi

Im Mittelpunkt der Kritik stand vielfach das Ensi, das über Betrieb oder Nichtbetrieb der Schweizer AKWs entscheidet und die Verflechtung von Atomlobby und Schweizer Politik. Rudolf Rechsteiner nannte Beznau illegal, weil gesetzliche Sicherheitsvorschriften missachtet würden.

Mit Bannern marschieren die Demonstranten vom Gewerbepark Hochrhein auf dem Fahrradweg Richtung Rheinbrücke.
Mit Bannern marschieren die Demonstranten vom Gewerbepark Hochrhein auf dem Fahrradweg Richtung Rheinbrücke. | Bild: Ursula Freudig

Axel Mayer nannte es nicht erklärbar, dass in einem modernen Land wie der Schweiz, die ältesten und unsichersten Atomkraftwerke der Welt betrieben würden. Die Redner betonten, dass erst die Stilllegung aller Atomanlagen echte Sicherheit bringen würde.

Mit Aufklebern: Axel Mayer, Geschäftsführer des BUND Regionalverbandes Südlicher Oberrhein, mischt sich nach seiner Rede unter die Demonstranten und verkauft Anti-Atomkraft-Buttons.
Mit Aufklebern: Axel Mayer, Geschäftsführer des BUND Regionalverbandes Südlicher Oberrhein, mischt sich nach seiner Rede unter die Demonstranten und verkauft Anti-Atomkraft-Buttons. | Bild: Ursula Freudig

Grenzüberschreitender Widerstand

Grenzüberschreitend zusammenzustehen, um gemeinsam Widerstand zu leisten und für eine atomfreie Zukunft einzustehen, war eine der Kernbotschaften der Reden. Bernd Wallaschek drückte dies musikalisch in einer abgewandelten Version eines "Gassenhauers" aus, bei dem alle mitsangen: "Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Widerstand nicht." Organisiert hatten die Protestaktion die Kreisverbände der Grünen und der SPD, die Waldshuter Initiative Zukunft ohne Atom und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Mit Musik: Bernd Wallaschek vom Kreisverband der Grünen und seine Begleiterin singen gemeinsam mit den Demonstranten „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Widerstand nicht.
Mit Musik: Bernd Wallaschek vom Kreisverband der Grünen und seine Begleiterin singen gemeinsam mit den Demonstranten „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Widerstand nicht. | Bild: Ursula Freudig

Das AKW Beznau

  • AKW: Beznau liegt rund acht Kilometer Luftlinie von Waldshut-Tiengen entfernt in der Gemeinde Döttingen, Kanton Aargau. 1969 wurde Reaktorblock 1 in Betrieb genommen, 1971 Reaktorblock 2. Beznau ist weltweit eines der ältesten Atomkraftwerke am Netz. Nach Feststellung von Unregelmäßigkeiten (Aluminiumoxyd-Einschlüsse) im Reaktordruckbehälter, wurde Reaktorblock 1 im Frühjahr 2015 abgeschaltet und die Einschlüsse wurden untersucht. Da sie laut des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) die Sicherheit des Behälters nicht beeinträchtigen, wurde Ende März 2018 Block 1 wieder angefahren.
  • Kritik: Kritische Stimmen beiderseits des Rheins, beispielsweise von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen, Grünen und Sozialdemokraten, fordern die sofortige Abschaltung beider Reaktoren. Es gibt in der Schweiz keine gesetzliche Laufzeitbegrenzung für Atomkraftwerke, allgemein heißt es, dass ihre Laufzeit ursprünglich für 40 Jahre geplant war.