Für Karlheinz liegt es nach einer stressigen Einkaufstour auf der Hand: 1468 wurde Waldshut ebenso von den Schweizern belagert wie heute. Die amüsanten Debatten, die Karlheinz alias Christian Ruch im Kreise seiner Familie führte, waren auch dieses Jahr Rahmenhandlung für ein monumentales Freiluft-Erlebnis: Das Bürgertheater beim Heimatabend der 550. Chilbi in der Kaiserstraße, das unter dem Motto „Die große Belagerung“ stand. Jeder der rund 900 Plätze war besetzt, als es unter ein paar dunklen, aber regenlosen Wolken, los ging.

Zum Waldshuter Heimatfest Chilbi gehört Theater fest dazu. Beim Bürgertheater am Heimatabend wirken rund 200 Personen mit.
Zum Waldshuter Heimatfest Chilbi gehört Theater fest dazu. Beim Bürgertheater am Heimatabend wirken rund 200 Personen mit. | Bild: Theresia Rüdiger

Die Zuschauer erlebten eine ebenso professionelle wie informative und humorvolle „Geschichtslektion“, die von der Stadtmusik Waldshut musikalisch begleitet wurde. Aus verschiedenen Blickwinkeln wurde auf die Ereignisse im Jahr 1468 – das Geburtsjahr der Chilbi – geblickt.

<strong>Große Gäste:</strong> Daniel Fässler (Landammann Kanton Appenzell-Innerhoden), Marc Gricourt (Bürgermeister Blois), Barbara Rowe (Begleiterin der Bürgermeisterin von Lewes), Janet Baah (Bürgermeisterin Lewes), Manuela Weichelt-Picard (Landammann Kanton Zug) und OB Philipp Frank stoßen auf die 550. Chilbi an (von links). Bild: Ursula Freudig
Große Gäste: Daniel Fässler (Landammann Kanton Appenzell-Innerhoden), Marc Gricourt (Bürgermeister Blois), Barbara Rowe (Begleiterin der Bürgermeisterin von Lewes), Janet Baah (Bürgermeisterin Lewes), Manuela Weichelt-Picard (Landammann Kanton Zug) und OB Philipp Frank stoßen auf die 550. Chilbi an (von links). Bild: Ursula Freudig

Mit Können und Herzblut führten die Darsteller, die jüngsten keine zehn, die ältesten über 90, die damalige Situation in sechs Szenen vor Augen. Die Ängste und Qualen der hiesigen Bevölkerung, Kampfgetümmel mit Kanonendonner und Rauchschwaden, die Uneinigkeit der Schweizer, ihre Debatten im Vorfeld des Friedensvertrags und die Legende vom Schafbock wurden lebendig.

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Über 200 Darsteller hatten auf oder hinter der Bühne mitgewirkt. Die Akteure waren Mitglieder hiesiger Vereine, Privatleute und rund 40 Personen aus den Schweizer Kantonen Zug, Appenzell-Innerhoden und Uri. Unter ihnen auch dieses Jahr die Profis der Theaterwerkstatt Heidelberg, die moderierten und die tragenden Sprechrollen spielten. Zum 15. Mal ist unter Regie der Theaterwerkstatt ein Stück Waldshuter Geschichte gekonnt aufbereitet und präsentiert worden, Babette Steinkrüger hatte das Drehbuch geschrieben, Wolfgang Schmidt Regie geführt. Bühnenmeister war wieder Günter Hermle, Christian Ruch hatte recherchiert.

<strong>Große Belagerung:</strong> Waldshut steht bei der großen Belagerung von 1468 unter Beschuss der Eidgenossen.
Große Belagerung: Waldshut steht bei der großen Belagerung von 1468 unter Beschuss der Eidgenossen. | Bild: Theresia Rüdiger

„Ein tolles Spektakel“, nannte Oberbürgermeister Philipp Frank die Aufführung. „Ein völkerverbindendes Miteinander, bei dem jeder Herz, Liebe und Zeit investiert“, umschrieb Margret Teufel – eine der Hauptorganisatorinnen – das Bürgertheater. Sie würdigte die Verdienste der ehrenamtlich Mitwirkenden, allen voran von Jutta Herrmann, die von Anfang an mit dabei wäre.

<strong>Große Diplomatie:</strong> Der Friedensvertrag wird in der Kirche zu Dogern, von den Basler Tädigsherren ausgehandelt.
Große Diplomatie: Der Friedensvertrag wird in der Kirche zu Dogern, von den Basler Tädigsherren ausgehandelt. | Bild: Theresia Rüdiger
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