An der Alten Waldkircher Straße, am Schnittpunkt der Ortsverbindungsstraßen Schmitzingen-Gaiß und Waldshut-Waldkirch, steht die Heilig-Kreuz-Kapelle, die von den Einen als Waldkircher Kapelle, von den Anderen als Schmitzinger Kapelle bezeichnet wird. Die schmucke Kapelle liegt abseits des Verkehrslärms und ist ein lohnendes Ziel für Wanderer. Laut Wegweiser sind es von hier bis nach Waldshut 3,5 Kilometer, nach Waldkirch 2,2 Kilometer, nach Gaiß 2,5 Kilometer, nach Schmitzingen 1,6 Kilometer und nach St. Blasien 18,5 Kilometer.

Die Älteste Kapelle des Kirchspiels

Unter den vier Feldkapellen des Kirchspiels Waldkirch ist die Heilig-Kreuz-Kapelle die älteste und bedeutendste. Sie wurde 1736 erbaut. Eigentümer ist die Pfarrgemeinde Waldkirch, betreut wird die Anlage seit eh und je von den Schmitzingern. Umfangreiche Sanierungsarbeiten wurden Ende der 60er Jahre durchgeführt. Damals wurden der Dachstuhl erneuert und ein überdachter Vorplatz angelegt. Größere Renovierungsarbeiten führten 2002 Schmitzinger Handwerker durch – unentgeltlich. Eine Drainage wurde eingebaut und der Außenputz saniert.

Spektakulärer Fund

Bei der Innenrenovierung machten die Restauratoren eine spektakuläre Entdeckung: Das große, zentrale Kreuz, das durch Feuchtigkeit und Witterungseinflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen war, ist nahezu 500 Jahre alt und wurde als kunsthistorische Kostbarkeit eingestuft. Nach Wochen mühsamer Kleinstarbeit in der Werkstatt der Restauratoren kam unter den verschiedenen Farbschichten, die millimeterweise mit dem Skalpell abgetragen wurden, der ursprüngliche Korpus zum Vorschein. Dabei zeigte sich, dass es sich um ein spätgotisches Originalschnitzwerk von seltener Perfektion und hoher künstlerischer Qualität handelte.

Kreuz kehrt in die Pfarrkirche zurück

Vermutet wurde, dass das Kreuz seinen ursprünglichen Platz in der Pfarrkirche Waldkirch hatte. Der Waldkircher Pfarrer, Pater Herrmann-Josef Zoche, ordnete daher an, das Kreuz an seinen alten Standort zurückzuführen. So erhielt es einen neuen Platz im Chorbogen der Pfarrkirche. Bei den Renovierungsarbeiten kamen auch Fresken zum Vorschein, die allerdings nicht näher untersucht wurden. Vor einigen Jahren wurde unter dem Vordach der Kapelle eine Bank ohne Rückenlehne aufgestellt, um den Besuchern die Möglichkeit zu geben, sich auch dem Innenraum zuwenden zu können.

Eigenwillige Skulptur

Der etwa sechs Quadratmeter große Innenbereich ist durch ein schmiedeeisernes Gitter verschlossen, das aber einen freien Einblick in das Innere gewährt. Dabei fällt der Blick auf eine eigenwillige, schlanke Stele aus hellem Holz, ein Werk des Schmitzinger Holzbildhauers Bernhard Huber. Nachgebildet ist ein menschliches Bein, das am Kniegelenk in einen Arm übergeht. Oben eine Hand, die den Kopf des Gekreuzigten mit Dornenkrone hält. Der Kopf ist aus dunklem Holz. Ein Zeichen gegen den Rassismus? Die Inschrift am Sockel: "Alles liegt in Deiner Hand".