Können Gemeinden und Hobbygärtner den heute massiv bedrohten Insekten neue Lebensräume schaffen? Sabine Holmgeirsson, Fachberaterin für Bienen und Pflanzenschutz des Nabu-Landesverbandes Baden-Württemberg, ist sich sicher, dass dies ohne großen Aufwand möglich ist. Im Nabu-Zentrum am Naturena Badesee stellte die Expertin nicht nur mit schönen Fotos die Vielfalt der heimischen Insektenwelt und Bestäuber vor, mit fundiertem Fachwissen beleuchtete sie auch mögliche Folgen für die Ökosysteme.

Sabine Holmgeirsson sind Rasenflächen, die aussehen wie ein Dreitagebart oder moderne Schotterflächen, auf denen gar nichts mehr wächst und die nur Hitze speichern, ein Dorn im Auge. Auch Koniferen oder Kirschlorbeer tragen nicht zur Biodiversität bei. Um Wildbienen Lebensräume zu bieten, reichen nach den Worten der Referentin wenige Quadratmeter Fläche aus. In ihrem Vortrag stellte sie Möglichkeiten für Gemeindeflächen und Ackerflächen in der Landwirtschaft vor. „Wo immer möglich, sollten weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden als gesetzlich erlaubt.“

Empfehlungen für Bauhöfe

Seitens der Bauhöfe und Straßenverwaltungen sollten blühende Flächen bewusst gemäht werden. „Wenn eine Straßenseite abgemäht wird, dann sollten auf der anderen Seite blühende Flächen erhalten bleiben und erst zeitversetzt der Sense zum Opfer fallen“, so die Expertin. Es gehe bei den blühenden und duftenden Pflanzen um Nahrungsgrundlagen für Wild- und Honigbienen, Hummeln und andere Insekten, die rund 80 Prozent aller Nutz- und Kulturpflanzen sowie 90 Prozent der Wildpflanzen bestäuben.

Unbestritten ist der intensive Einsatz von Pestiziden. Sabine Holmgeirsson legt großen Wert darauf, dass man in diesem Zusammenhang nur mit dem Finger auf die industrialisierte Landwirtschaft zeigen darf. Gerade in Baden-Württemberg mit der meist kleinteiligen Landwirtschaft und der vielfach praktizierten Fruchtfolge müsse man diese Problematik differenzierter betrachten als in nord- und ostdeutschen Gebieten mit riesigen Anbauflächen. „Erschreckend ist in Deutschland aber auch der hohe Anteil der verkauften Pestizide, die im Hobby-Gärtnerbereich eingesetzt werden.“

Insektenhotels könnten Insekten und Wildbienen durchaus nützlich sein, sofern sie fachgerecht bestückt werden. Als sinnvoll bezeichnete Holmgeirsson Schilf- oder Bambusstängel, die auch beim Einsatz von Hohlblocksteinen verwendet werden sollten.