Der Kultur- und Theaterverein „Zeitschleuse“ in Ühlingen-Birkendorf ist gerade mal zwei Jahre alt. Und doch ist er bereits in aller Munde, so dass selbst der Südwestfunk jetzt einen einstündigen Film darüber brachte. Was ist das Besondere daran? Wir suchten das Gespräch mit Regisseurin und Hauptinitiatorin Corinna Vogt und mit Thomas Fechtig, dem ehemalige Bürgermeister der Gemeinde und Gründungsmitglied des Vereins.

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Fechtig erklärt es so: „Zu unserer Gemeinde mit 8300 Einwohnern gehören die acht Ortsteile Birkendorf, Ühlingen, Untermettingen, Berau, Brenden, Riedern am Wald, Hürrlingen und Obermettingen. Sie alle machen bei unserm neuen Theaterprojekt mit. So entstand eine wunderbare Gemeinschaft. Wir haben inzwischen 122 Schauspieler zwischen vier und 86 Jahren und rund 140 eingetragene Mitglieder. Und alle sind mit Herzblut dabei.“ Und Corinna Vogt ergänzt: „Dieses Engagement haben inzwischen alle und jeder hat das Gefühl: Ich habe was für die Gemeinschaft geleistet!“

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Alles begann 2012 mit der Idee, einen Beitrag für die 1200-Jahresfeier von Ühlingen vorzubereiten. Es entstand das Freilichttheaterstück „Im Wind der Zeit“, das 2016 mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Doch es bezog sich ausschließlich auf Ühlingen. Auch damals war Corinna Vogt Regisseurin. Und damals schenkte ihr Thomas Fechtig – nicht ganz ohne Hintergedanken, wie er rückblickend vergnügt meint – das Buch „Die Amerikafahrt“ von Heinrich Ernst Kromer, eine wahre Geschichte aus der Vergangenheit. Sie selbst sagt: „Viele Schauspieler wollten damals weiter spielen, vor allem auch die Kinder. Es gab eine richtige Motivationswelle.“ Also recherchierte sie mit einem Team, und Erika Buhr schrieb dazu das Drehbuch „Zwischen den Welten“. „Wir organisierten Versammlungen und haben Leute angesprochen. Und plötzlich war da eine große positive Welle von den andern Dörfern.

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Am 16. Januar 2017 wurde der Verein „Zeitschleuse e.V.“ gegründet, „vor allem aus Versicherungsgründen“, so Fechtig, der sich auch vor allem um Sponsoren bemüht. Die Resonanz war gewaltig: Alle wollten mitmachen, Jung und Alt. Franziska Clementi erfand sogar das eigene Vereinslied „Deine Welt“. Schon vorher hatte sich die Kinder- und Jugendgruppe „Freudekids“ mit rund 50 Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren gegründet, darunter auch vier syrische Kinder. Auch für sie schrieb Erika Buhr ein eigenes Jugendstück „Fremde Begegnung“, mit dem sie mehrfach auftraten.

Klare Vorstellungen

Corinna Vogt, die auch diese Gruppe leitet, hat ganz klare Vorstellungen: „Gerade für Kinder ist Theaterspielen wichtig. Sie dürfen ihre Ideen und Probleme einbringen. Und wir sehen, wie sie beim Spiel sich und ihr Sozialverhalten ändern. Wir haben jetzt drei Jugendgruppen und bieten auch Volkshochschulkurse an. Wir sind richtig gut auf dem Weg!“ Und auch sonst hat das gesamte Theaterteam (rund 200 Menschen sind an dem Projekt beteiligt) viele Ideen: „Wir werfen einen spielerischen Blick auf die Vergangenheit und planen Reisen in die Zukunft. Dabei soll Mundart und Tradition gepflegt werden. Auch Ausstellungen können wir uns vorstellen, denn da ist hier in der Gemeinde viel Potential!“, so Vogt zuversichtlich.

Thomas Fechtig, ehemaliger Bürgermeister von Ühlingen-Birkendorf und Corinna Vogt, Regisseurin und Mitinitiatorin des Theatervereins Zeitschleuse.
Thomas Fechtig, ehemaliger Bürgermeister von Ühlingen-Birkendorf und Corinna Vogt, Regisseurin und Mitinitiatorin des Theatervereins Zeitschleuse. | Bild: Rosemarie Tillessen

Doch jetzt ist da erst einmal das riesige Theaterprojekt „Zwischen den Welten“: Seit März 2018 wird einmal wöchentlich geprobt, dazu einmal im Monat ein Probenwochenende: „Im Winter finden die Proben in einer Halle statt, aber wenn es so stürmt wie jetzt, proben wir auch schon mal draußen. Freilichttheater heißt: Bei jedem Wetter spielen!“ Als Kulisse baute die Holzfirma Bruno Kaiser sogar ein riesiges Schiff, die „Rounaise“. Es steht bereits in Riedern am Spielort im Klostergarten. Und ein großes Team näht seit Monaten Kostüme. All das geschieht ehrenamtlich und kittet die Gemeinde zusammen. Für Thomas Fechtig ist eins klar: „Wir brauchen so einen Motor wie Corinna Vogt. Sie ist ein Glücksfall für unseren Verein!“ Und einen großen Schirmherrn hat das Theaterprojekt auch schon: den Ehrenbürger der Gemeinde, S.E. Erzbischof Dr. Georg Gänswein: „Ich bin begeistert von dieser Begeisterung!“, sagte er selbst dazu im Südwestfunk.