Alles begann mit einem Brief des Künstlers und ehemaligen Tiengener Kinderarztes Bernd Salfner im März 2013: Er schlug darin kulturinteressierten Menschen der Region vor, einen Kulturkreis zu gründen und dafür die neuen Schwarzenbergsäle des Tiengener Schlosses zu nutzen. Damals fanden sich rasch Interessenten zusammen, die sich für die Anregung begeisterten, das kulturelle Gedächtnis der Stadt zu bewahren und auch aktuelle Kunst zu zeigen. Auch die beiden neuen Besitzer des Schlosses, zwei Architekten, waren mit der Idee einverstanden.

Retrospektive des Künstlers Paul Klahn

Das überzeugte schließlich auch die Stadt Waldshut-Tiengen unter dem damaligen Oberbürgermeister Martin Albers, die Miete der Räume zu übernehmen. So entstand in kurzer Zeit eine Bürgerinitiative, die zügig alle juristischen und organisatorischen Fragen klärte. Auch die Kaminski-Gesellschaft, die das Werk des Tiengener Musikers Heinrich Kaminski (1886 – 1946) pflegt, wurde in den Verein integriert und fand mit ihrem Archiv Platz in den neuen Räumen. Bereits im November 2013 wurde eine Satzung aufgestellt und der Verein „Freunde Schloss Tiengen“ mit 54 Mitgliedern gegründet. Im Juni 2014 fand dann die erste Veranstaltung statt: eine große Retrospektive des Waldshuter Künstlers Paul Klahn (1924 – 2006). „Der Andrang in den Räumen“, so Initiator Bernd Salfner rückblickend, „war damals riesig und bewies uns das Interesse der Bevölkerung an solchen Events.“

Bilanz nach fünf Jahren

Mit ihm, Sylvia Vetter und Matthias Wetz – alle Drei vom Vorstand des Vereins – sprachen wir jetzt nach fünf Jahren. Was hat sich von der ursprünglichen Idee behauptet? Was hat sich verändert? Sylvia Vetter reagiert lebhaft: „Wir sind heute viel breiter aufgestellt als damals. Das Programm wird breiter und immer bunter. Ursprünglich hatten wir vier Sparten: Bildende Kunst, Literatur, Musik und Allgemeinbildung, worunter wir allgemein interessierende Themen verstehen. Doch inzwischen gestalten wir auch übergreifend über den Spartenrahmen hinaus.“ Können Sie dafür ein Beispiel nennen? „Der Künstler Helmut Anton Zirkelbach etwa zeigte in einer Ausstellung seine Radierungen zu Musik von Frédéric Chopin. Dazu gab es ein Konzert mit Musik von Chopin und eine Lesung über dessen Aufenthalt in Mallorca. Solche Verknüpfungen zeigen einen erweiterten Kulturbegriff, mit dem wir ein breiteres Publikum ansprechen können.“

Blick auf die kulturelle Arbeit

Die kulturelle Arbeit kann sich sehen lassen: Bisher gab es 18 Ausstellungen, 18 Lesungen, 13 Konzerte und 13 allgemeinbildende Veranstaltungen. Die Mitgliederzahl ist inzwischen auf 130 gestiegen. Erfolgreich ist auch die gute Zusammenarbeit mit dem Städtischen Kulturamt, der Musikschule Südschwarzwald, der Goethe- und Kaminski-Gesellschaft sowie der Bürgerzunft Tiengen. „Das läuft super!“, betont Mathias Wetz. Und Bernd Salfner ergänzt: „Der Vorstand hat sich teilweise verjüngt und wir haben glücklicherweise sehr aktive Mitglieder. Wir haben auch die Sparten und die Gestaltung der Inhalte inzwischen auf mehrere Personen verteilt. Dadurch sind besondere Programme möglich wie etwa eine szenische Lesung des Schauspielers Volker Ranisch. Diese Vielfalt ist die besondere Stärke unseres Vereins.“ Und wie wird das alles finanziert? „Durch Beiträge, Spenden, Eintrittsgelder und auch Unterstützung durch die Stadt,“ so Silvia Vetter. „Und wir setzen uns für die nächsten Jahre als Ziel, noch mehr Zusammenarbeit mit den Schulen und damit auch mehr Jugendliche zu erreichen. Das war bisher noch nicht so optimal!“

Mehr zum Kulturprogramm erfahren Sie hier:

www.freundeschlosstiengen.de

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