Die Seelsorgeeinheit Klettgau-Grießen hat jährliche Rückstellungen für die Bausubstanz der 27 kirchlichen Gebäude in Höhe von rund 15,4 Millionen Euro. Diese Summe möchten die beiden Leiter der Seelsorgeeinheit und der Stiftungsrat erheblich drücken, weil sie auf Dauer nicht zu stemmen sei. Die Pfarrer Frank Malzacher und Veit Rutkowski sowie der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats, Heinz Giesen, machten das im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich. In enger Abstimmung mit der Erzdiözese Freiburg sollen deshalb vier Pfarrhäuser in der Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen in den kommenden vier Jahren veräußert werden. Frank Malzacher hofft, dass noch in diesem Jahr zwei Objekte einen Investor finden werden.

Was mit diesem sanierungsbedürftigen Pfarrhaus in Wutöschingen geschieht, hat das Ordinariat in Freiburg noch nicht entschieden. Es steht in unmittelbarer Nähe zur Kirche, dem katholischen Kindergarten und zum Rathaus.
Was mit diesem sanierungsbedürftigen Pfarrhaus in Wutöschingen geschieht, hat das Ordinariat in Freiburg noch nicht entschieden. Es steht in unmittelbarer Nähe zur Kirche, dem katholischen Kindergarten und zum Rathaus. | Bild: Gerald edinger

In der Sitzung von Pfarrgemeinderat und Stiftungsrat im vergangenen September wurde eine Studie vorgestellt, welche die Schäden der 27 kirchlichen Gebäude aufzeigte. Viele Bauwerke sind demnach renovierungsbedürftig. Wie die beiden Seelsorger betonten, werden Kirchen und Kapellen in der Seelsorgeeinheit nicht abgegeben: „Hier findet gottesdienstliches Leben statt!“

Entscheidung des Domkapitels

Bei den Pfarrhäusern stelle sich die Situation anders dar, diese würden nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt. Die Veräußerung von Pfarrhäusern soll nach der Entscheidung des Domkapitels durch ein Maklerbüro erfolgen, das mit der Veräußerung kirchlicher Immobilien Erfahrung habe. Welche Gebäude in Erbpacht für 99 Jahre einem neuen Besitzer überlassen werden, ist momentan noch nicht entschieden, wie Pfarrer Malzacher betont. Die jeweiligen Pachtverträge und die finanziellen Modalitäten arbeitet dann das Ordinariat aus.

„Das alte Pfarrhaus in Wutöschingen ist denkmalgeschützt, bildet mit der Kirche ein Ensemble und bleibt erhalten“, betont Pfarrer Rutkowski.

Pfarrer Veit Rutkofski
Pfarrer Veit Rutkofski | Bild: Gerald Edinger

Anders verhalte sich dies mit dem größeren Pfarrhaus, das sich in unmittelbarer Nähe zur Kirche, dem katholischen Kindergarten und zum Rathaus befindet. Dieses Gebäude, in dem sich derzeit das Pfarrbüro befindet, ist renovierungsbedürftig. Was damit geschieht, müsse aber erst noch entschieden werden. Ebenso unklar ist momentan, wie mit dem Pfarrhaus in Degernau verfahren wird. Eine Entscheidung der Diözese stehe noch aus. „Aus diesem Grund können die kirchlichen Gremien vor Ort keine konkreten Aussagen machen“, erklärt Pfarrer Veit Rutkowski bedauernd.

Einklang mit Kirchengemeinden

Henz Giesen betont ausdrücklich, dass der Stiftungsrat, dem die beiden Geistlichen vorsitzen, für jedes der infrage kommenden Gebäude eine Lösung suche, die im Einklang mit den jeweiligen Kirchengemeinden und ihren spezifischen Bedürfnissen stehe: „Hier stehen nicht primär die finanziellen Aspekte, sondern die langfristige Gewährleistung gelingenden kirchlichen Lebens im Vordergrund.“

Heinz Giesen stellvertretender Stiftungsrat Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen.
Heinz Giesen stellvertretender Stiftungsrat Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen. | Bild: Gerald Edinger

Giesen erklärt weiter, dass die zur Veräußerung anstehenden Gebäude eine Geschichte und durch ihre bisherige Nutzung auch Würde haben. „Deshalb brauchen wir Bewerber, die sich dafür interessieren, die Gebäude so erhalten wie sie sind.“

Pfarrer Veit Rutkowski macht deutlich, dass den Bewerbern bewusst sein muss, dass die Pfarrhäuser in unmittelbarer Nähe zu Kirchen stünden: „Da sind Glaube, Leute und Leben!“ Den drei engagierten Männern ist durchaus klar, dass ohne die Zustimmung des Ordinariats Freiburg bei der Veräußerung der Gebäude nichts gehe. Es gelte jetzt, die Angelegenheit voranzubringen. „Aber wenn es uns nicht recht ist, muss man darüber diskutieren. Eine rein finanzielle Sache kann die Übergabe in eine Erbpacht nicht sein. Das wäre für alle Beteiligten eine Katastrophe. Der neue Pächter muss ein Gefühl für das christliche Umfeld haben“, sagt Veit Rutkowski. Es gehe auch um die nötige Toleranz, die in der Nähe einer Kirche notwendig sei, stellt Giesen heraus.

Dossier über Interessenten

Von den Bietern würden Dossiers angelegt, in denen sie unter anderem Motive und Absichten bei der Übernahme des Gebäudes in Erbpacht offenlegen müssen. Der Stiftungsrat werde diese Dokumente auf jeden Fall im Blick behalten, schließlich „sollen die Pfarrhäuser nicht verwahrlosen“, macht Veit Rutkowski die Linie des Stiftungsrats im Gespräch klar.

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Der Stiftungsrat der Seelsorgeeinheit hat klare Vorstellungen was die finanziellen Bedingungen betreffe. „Das Wertgutachten darf nicht unterschritten werden“, sagt Heinz Giesen. Konkrete Zahlen zum Schätzwert der Gebäude konnte er nicht machen.

Klar sind aber die Besitzverhältnisse: Die Grundstücke sind momentan im Besitz der Pfarrgemeinde-Stiftungen, die Gebäude darauf gehören den Pfarrgemeinden. Nach 99 Jahren gehen sie mit Ablauf der Erbpacht wieder in deren Besitz über, erklärt Pfarrer Frank Malzacher.

Pfarrer Frank Malzacher
Pfarrer Frank Malzacher | Bild: Gerald Edinger