Der Winter ist zu Ende, die Natur erwacht. Doch etwas ist anders: es gibt immer weniger Schmetterlinge. Manch einer denkt beim Stichwort Insektensterben zuerst an den Verlust lästiger Plagegeister wie Bremsen oder Mücken und hält das womöglich sogar für einen Gewinn. Doch wenn die Bienen und Schmetterlinge verschwinden, haben auch wir Menschen ein Problem. Sie sind wichtige Bestäuber im Ökosystem.

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg verweist auf alarmierende Zahlen. So habe sich laut einer Studie die Biomasse der Großschmetterlinge zwischen 1989 und 2014 um 56 Prozent reduziert. „Besonders gefährdet ist der Apollo-Falter, der nur noch an wenigen Standorten vorkommt“, sagt Almut Sattelberger, Naturschutzreferentin des BUND-Landesverbands. Intensiver Pestizid-Einsatz, die Entwässerung von Feuchtgebieten und die Verbuschung von Magerwiesen machen den Schmetterlingen zu schaffen.

Schmetterlinge wie dieser Kaisermantel sind mit ihren langen Saugrüsseln wichtige Bestäuber im Ökosystem.
Schmetterlinge wie dieser Kaisermantel sind mit ihren langen Saugrüsseln wichtige Bestäuber im Ökosystem. | Bild: Johannes Renner

Almut Sattelberger weiß um die Relevanz der Tiere für das Ökosystem. So gebe es Pflanzen, die aufgrund ihrer Blütenform nur von Schmetterlingen und keinen anderen Insekten bestäubt werden können. „Typische Tagfalterblumen sind zum Beispiel bei den Nelkengewächsen zu finden wie die Rote Lichtnelke und die Kornrade“, so Sattelberger. Außerdem seien Schmetterlinge natürlich auch, wie andere Insekten, eine wichtige Nahrungsquelle für Singvögel. Die Naturschutzreferentin ist besorgt wegen der Zerstörung natürlicher Lebensräume.

Die Flora-Fauna-Habitate (FFH-Gebiete) sind unter Landwirten umstritten, haben aber ihren ökologischen Sinn: „Für gefährdete Arten wie den Apollofalter oder den Wiesenknopf-Ameisenbläuling müssen nach EU-Recht FFH-Gebiete ausgewiesen werden“, weist Sattelberger auf die juristische Sachlage hin. Auch im Wutachtal brauchen die Tiere Schutzräume. Im FFH-Gebiet „Blumberger Pforte und mittlere Wutach„ sind seltenen Schmetterlings-Arten wie die Spanische Flagge, das Glückswidderchen und der Gelbringfalter heimisch.

Schmetterlinge wie dieses große Ochsenauge profitieren von naturnaher Gartengestaltung.
Schmetterlinge wie dieses große Ochsenauge profitieren von naturnaher Gartengestaltung. | Bild: Johannes Renner

Das Gebiet ist etwa 6350 Hektar groß und umfasst Flächen in Bonndorf, Eggingen, Stühlingen, Ühlingen-Birkendorf, Wutach, Wutöschingen, Blumberg und Hüfingen. Susanne Wolfer, Biologin beim Regierungspräsidium, wies 2018 bei der Auftaktveranstaltung zu „Natura 2000“ in Schwaningen auf den Wert des Gebietes hin: „Es geht um den Erhalt der biologischen Vielfalt für uns alle.“

Schmetterlinge wie diese Kaisermäntel sind mit ihren langen Saugrüsseln wichtige Bestäuber im Ökosystem.
Schmetterlinge wie diese Kaisermäntel sind mit ihren langen Saugrüsseln wichtige Bestäuber im Ökosystem. | Bild: Johannes Renner

Schmetterlinge profitieren von Magerwiesen und lichten Laubwäldern. Damit Schmetterlinge in Zukunft nicht mehr nur sprichwörtlich im Bauch, sondern auch weiterhin in freier Natur vorkommen, ist die Einsicht von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gefragt. Jeder kann etwas tun, etwa bei der Gartengestaltung.

„Dazu gehört es, wilde, ungestörte Ecken zuzulassen, in denen die Futterpflanzen der Raupen, wie zum Beispiel Brennnesseln oder Doldenblütler wachsen können. Naturnahe Gärten tun allen Insekten gut“, so Sattelberger. Die BUND-Vertreterin sieht die Hauptverantwortung aber bei der Politik und landwirtschaftlichen Großkonzernen: „Totalherbizide wie Glyphosat müssen verboten werden.“ Sattelberger hält eine ökologische Agrarreform auf EU-Ebene für überfällig.