„Wir Landwirte wollen die Region lebendig und bunt halten und unseren Beitrag zur ökologischen Vielfalt leisten.“ Dies sagte der Vorsitzende des BLHV-Stadtverbands Stühlingen, Wilfried Kaiser, der gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Bonndorf und Wutach bereits im vergangenen Jahr mit Blühstreifen Farbe in die landwirtschaftlich genutzten Flächen brachte. Jetzt gehen die engagierten Bauern noch einen Schritt weiter: „Wir bieten Patenschaften für Blühflächen an“, verrät Kaiser.

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Was kann man sich unter einer solchen Blühpatenschaft vorstellen? Der Landwirt stellt einen Teil seiner Ackerfläche (maximal 20 Prozent der Bruttofläche) einem Interessenten zur Verfügung und sät diese ein mit einer Blühpflanzenmischung. Für diese Blühfläche übernimmt der Interessent die Patenschaft.

Das Areal steht dem Paten das ganze Jahr über zur Verfügung, es wird nicht mehr anderweitig genutzt, sprich, es wird komplett auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger verzichtet.

Lebensraum für Insekten

Die Blumen dienen als Lebensraum zur Förderung der Artenvielfalt und werden auch nicht geerntet. Mit der Zurverfügungstellung solcher blühender Teilflächen wollen die Landwirte deutlich machen: Wir tun etwas für Natur und Umwelt. Und sie wollen mit und nicht gegen die Verbraucher arbeiten.

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Es sei zu kurz gedacht, die Landwirte als Buhmänner abzustempeln, als Schuldige herauszufiltern für das Insektensterben. Wie Wilfried Kaiser erläuterte, sei man sich sehr wohl seiner Verantwortung bewusst und deshalb auch bereit, Blühflächen zur Verfügung zu stellen und auf den Ertrag der Flächen zu verzichten.

Als Ausgleich für die Investition in die Blühsaatgutmischung wird ein kleiner Obolus für die Patenschaft erhoben. „20 Euro im Jahr für einen Ar Fläche“, so Kaiser.

Wie man Pate wird

Wer kommt den als Pate für eine Blühfläche in Frage? Jedermann/frau kann eine Patenschaft übernehmen, erklärt dazu Wilfried Kaiser. Seiner Ansicht nach könnte eine Patenschaft aber auch für Vereine, Organisationen, Imker oder Firmen interessant sein, ebenso wie für Jäger, die auf den Patenflächen keinen Wildschadensersatz leisten müssen. Für dieses Jahr seien die Blühflächen, die übernommen werden können, bereits festgelegt.

Blühflächen statt reines Ackerland: Das kommt der Insektenwelt zugute. Mit der Übernahme einer Patenschaft für Blühstreifen, kann jeder einen Beitrag leisten. Bild: Wolfgang Scheu
Blühflächen statt reines Ackerland: Das kommt der Insektenwelt zugute. Mit der Übernahme einer Patenschaft für Blühstreifen, kann jeder einen Beitrag leisten. | Bild: Wolfgang Scheu

Für das kommende Jahr hätten Interessenten aber die Möglichkeit, ihre Wunschflächen zu wählen, so Kaiser. Und je nachdem, wie groß die Nachfrage nach Patenschaften ist, hätten bereits viele Bauern der Region signalisiert, mitzumachen. Jeder Pate erhält im Übrigen auch eine Patenurkunde, die an „seiner“ Blühfläche aufgestellt wird. „Gemeinsam für Artenvielfalt, die Region blüht auf“, dieses Ziel hat die Aktion vor Augen.

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Für Wilfried Kaiser und seine Berufskollegen ist es zudem wichtig, das Vertrauen der Verbraucher in die hiesige Landwirtschaft zu stärken. Dazu werden sich er und etliche weitere Betriebe im Zuge der Aktion „Gläserne Produktion“ wieder in die Karten schauen lassen.

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