Im Zuge der Elektrifizierung der Hochrheinstrecke passt die Deutsche Bundesbahn die Bahnsteige der einzelnen Bahnhöfe an. Auch in Murg. Der Gemeinderat entschied sich am Montagabend für eine Variante, bei der zwei barrierefreie Außenbahnsteige den jetzigen Mittelbahnsteig ersetzen. Verwunderung bis Ärger verursachte die Tatsache, dass sich die Gemeinde mit 20 Prozent an den Kosten beteiligen muss.

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Bürgermeister Adrian Schmidle sprach ausdrücklich von einer Absichtserklärung, und entsprechend vorsichtig ist der Ratsbeschluss formuliert. Die Gemeinde „signalisiert“ lediglich eine Kostenbeteiligung auf Basis der Unterlagen und mit maximal 20 Prozent der Kosten für den Umbau.

Fünf Varianten standen zur Diskussion

Favorit unter fünf Varianten eines möglichen Umbaus, die von Roland Heil, Leiter der Technik für Elektrifizierung der Hochrheinstrecke, vorgestellt wurden, ist die Variante 2. Zunächst direkt auf dem Bahnsteig, im Anschluss daran dann im Ratssaal, erläuterte der Fachmann, die Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten.

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Deutsche Bahn wie auch Gemeinderat favorisieren die sogenannte Variante 2, bei der zwei neue und barrierefrei zugängliche Außenbahnsteige angelegt werden, während der jetzige Mittelbahnsteig rückgebaut wird. Die jetzige Rampe auf öffentlichem Gelände von der Hauptstraße zur Unterführung hin, kann vermutlich in der jetzigen Form beibehalten werden.

Im Zuge der Elektrifizierung wird auch der Bahnsteig in Murg umgebaut. Neu sind zwei Außenbahnsteige. Der Mittelbahnsteig kommt weg.
Im Zuge der Elektrifizierung wird auch der Bahnsteig in Murg umgebaut. Neu sind zwei Außenbahnsteige. Der Mittelbahnsteig kommt weg. | Bild: Deutsche Bahn

Baukosten: rund 2,5 Millionen Euro

Der Vorteil dieser Variante: Im Außenbereich ist genügend Platz für die Umbauten, die zudem relativ problemlos abgewickelt werden können und vergleichsweise kostengünstig sind. An Baukosten sind rund 2,5 Millionen Euro veranschlagt. 60 Prozent dieser Summe zahlt der Bund, 20 Prozent das Land und weitere 20 Prozent die Gemeinden. Rund 20 Prozent der aktuellen Planungskosten trägt der Landkreis, wie das künftig aussehen wird, ist noch nicht geklärt.

Stimmen aus dem Ratsgremium

Die Kostenbeteiligung der Gemeinden ist hingegen ein Muss. „Die Gemeinde muss die Kosten mitfinanzieren. Wenn eine Gemeinde Nein sagt, gibt es gar nichts“, erklärte Michael Felber, Veranwortlicher für die kaufmännische Seite des Projekts.

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Eine Tatsache, die ein gewisses Maß an Verärgerung produzierte. „Ich finde es schade, dass eine Maßnahme, die seitens der Deutschen Bahn eigentlich seit 17 Jahren hätte realisiert werden müssen, erst jetzt kommt, und dann auch noch die Gemeinde beteiligt werden soll. Das ist heftig“, erinnerte Rat Georg Kirschbaum (SPD) an die Verpflichtung der Deutschen Bahn barrierefreie Bahnsteige zu bauen. und meinte weiter: „Das ist nicht mal, wie die Katze im Sack zu kaufen.

Auch der Bürgermeister kam ins Grübeln: „Wir wundern uns schon, dass wir für eine Anlage mitbezahlen sollen, die nicht auf unserem Gelände steht.“ Kirschbaum (SPD), Marco Steinberg (SPD) und Fridolin Brotz (FW) enthielten sich.

An die Planer erging der Auftrag, sich bezüglich der Kosten für die Gemeinde zu informieren, ob eventuell Förderprogramme miteinbezogen werden können. Mitfavorit für den Umbau des Bahnsteigs war zunächst eine Variante 1 Neubau einer Personenüberführung mit Treppen und Aufzügen im Westen der Gleise. Aufgrund der Größe des Bauwerks und Kosten über 4 Millionen Euro schied diese Variante jedoch aus. Andere Varianten zum Umbau des aktuellen Mittelgleises waren von vorneherein chancenlos, da zu wenig Platz für eine Gleisverlängerung vorhanden ist, und diese Varianten weitere Baumaßnahmen erforderlich gemacht hätte. Zum Beispiel die Versetzung der Funkmasten der Bahn.