Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind, offenbar aber noch nicht jenes mit elektrischem Antrieb. Ein Umstand, der sich zumindest aus den Zahlen der Fahrzeugzulassungen im Landkreis Waldshut ableiten lässt: Auf rund 138 000 erwachsene Einwohner kamen laut Landratsamt zuletzt etwa 106 000 PKW. Elektroautos spielen dabei eine eher nebensächliche Rolle: 264 von ihnen waren zuletzt im Kreis Waldshut gemeldet. Dennoch steigt ihre Zahl stetig, um 63 Zulassungen alleine in diesem Jahr. Und mit ihnen nimmt auch die Zahl der E-Pendler in der Region zu.

60 Kilometer täglich mit dem E-Auto zur Arbeit und zurück

Einer von ihnen ist Markus Haag. Er ist sich sicher: „Viele Menschen haben Berührungsängste und trauen sich nicht, ein Elektroauto zu fahren.“ Das müsse sich ändern, sagt der 53-jährige Inzlinger, der seit rund zwei Monaten in der Bad Säckinger Gemeindeverwaltung arbeitet. Denn in der E-Mobilität sieht er das Konzept für die Zukunft. Deshalb ist Haag privat selbst mit Elektroantrieb unterwegs: Tag für Tag fährt er so von seinem Wohnort auf die Arbeit. 27 Kilometer hin, 27 Kilometer zurück. Damit zählt Haag zu jenen rund 5500 Menschen, die laut Statistischem Landesamt tagtäglich zu ihrem Arbeitsplatz nach Bad Säckingen pendeln. Etwa 84 Prozent von ihnen nutzen dabei lieber das eigene Auto, vorwiegend ausgerüstet mit einem Verbrennungsmotor. Die wenigsten sind wie Haag mit Elektroantrieb unterwegs.

„Das Pendeln mit dem E-Auto ist heute aber kein Thema mehr.“ – Markus Haag, Inzlingen
„Das Pendeln mit dem E-Auto ist heute aber kein Thema mehr.“ – Markus Haag, Inzlingen | Bild: Reinhardt, Lukas

Markus Haag hingegen setzt bereits seit zwei Jahren auf diese Form der Fortbewegung. Sein Fahrzeug, ein Renault Zoe, besitzt eine Reichweite von rund 160 Kilometer. „Die Menschen müssen verstehen, dass das E-Auto ein klassischer Zweitwagen ist“, fährt Haag fort. Für lange Strecken erfordere der E-Wagen deshalb eine bessere Reiseplanung als ein Benziner oder Diesel. „Das Pendeln mit dem E-Auto ist heute aber kein Thema mehr“, sagt der 53-Jährige. So gebe es in der Region mittlerweile genügend Ladestationen, um sorgenfrei von A nach B zu kommen. „Und während ich arbeite, hängt mein Auto sowieso an der Ladesäule“, sagt Haag.

Landesregierung will Ladeinfrastruktur weiter ausbauen

Rund 50 solcher Ladestationen zählt der Internetanbieter chargemap.com im Kreis Waldshut. Vereinzelt findet man sie auf dem Hotzenwald, häufiger jedoch in den größeren Städten im Rheintal. Fünf sind es derzeit in Bad Säckingen. Und der Ausbau der Ladeinfrastruktur bleibt weiterhin das erklärte Ziel der grün-schwarzen Landesregierung: So hat das baden-württembergische Verkehrsministerium im vergangenen Jahr ein Förderprogramm aufgelegt, um ein flächendeckendes Ladenetz zu schaffen. Das Bestreben: Im Abstand von rund zehn Kilometern sollen Lademöglichkeiten für E-Autofahrer entstehen.

Südlich des Rheins ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur bereits weiter fortgeschritten als in Deutschland. Das sagt Erich Camenisch, E-Autofahrer aus Möhlin, Schweiz: „Bei uns gibt es keine staatlichen Förderprogramme“, erklärt Camenisch. „Und trotzdem entstehen hier Ladestationen vor allem durch private Investoren und Unternehmen, die Anreize für ihre Kunden mit E-Autos schaffen wollen.“ Mit weit über 100 Ladestationen alleine im Aargau ist das Ladenetz in der Schweiz bereits entsprechend gut aufgestellt, für Langstreckenfahrer wie auch für Pendler. Wenn Camenisch mit seinem Wagen nicht gerade auswärts unterwegs und deshalb auf diese private Ladesäulen angewiesen ist, lädt er seine Batterie Zuhause selbst. „Fotovoltaik ist das Stichwort“, sagt Camenisch.

„Bei uns gibt es keine staatlichen Förderprogramme und trotzdem entstehen hier Ladestationen vor allem durch private Investoren und Unternehmen, die Anreize für ihre Kunden mit E-Autos schaffen wollen.“ Erich Camenisch, Möhlin, Schweiz
„Bei uns gibt es keine staatlichen Förderprogramme und trotzdem entstehen hier Ladestationen vor allem durch private Investoren und Unternehmen, die Anreize für ihre Kunden mit E-Autos schaffen wollen.“ Erich Camenisch, Möhlin, Schweiz | Bild: Reinhardt, Lukas

Abrechnungs- und Bezahlsystem mit Verbesserungsbedarf

Auch Markus Haag setzt Zuhause auf die Energie der Sonne. Der selbst erzeugte Strom allein reicht ihm jedoch nicht. „Auf 100 Kilometer benötige ich mit meinem Auto etwa 12,5 Kilowattstunden“, sagt Haag. Bei kostenpflichtigen Ladepunkten mit einem Strompreis von 25 bis 30 Cent pro kWh zahlt Haag für 100 gefahrene Kilometer rund 3,50 Euro. Die Bezahlung sei ein wichtiger Knackpunkt, bei dem es Verbesserungsbedarf gebe. „Die unterschiedlichen Abrechnung- und Bezahlssysteme erschweren den Ablauf und sind teils intransparent“, bemängelt Haag. So besitze jeder E-Autofahrer mittlerweile eine Vielzahl an verschiedenen Ladekarten. „Da müssten einheitliche Standards her.“

E-Fahrer sprechen mit der Politik

  • Anhänger der E-Mobilität treffen sich in Bad Säckingen ein Mal im Monat zu einem eigens gegeründeten E-Fahrer-Treff. Hier geben sie interessierten Autofahrern Tipps, diskutieren aktuelle Entwicklungen und Probleme. Um der Politik Anstöße aus der Praxis zu geben, lud der E-Fahrer-Treff jüngst Felix Schreiner (CDU), den Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Waldshut, zum Dialog nach Bad Säckingen ein. Er ist Vorsitzender des überparteilichen Parlamentskreises E-Mobilität und zugleich Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur.
  • Die Themen dieses Treffens: eine sinnvolle Ladeinfrastruktur, einheitliche Abrechnungs- und Bezahlsysteme, Lieferengpässe und lange Wartezeiten bei der Bestellung eines E-Autos: „Wir haben Nachholbedarf und müssen beim Bürger Ängste abbauen bei der Entscheidung, ein Auto mit Elektroantrieb zu kaufen“, konstatierte Schreiner. Entscheidend dafür sei die Serienreife der unterschiedlichen E-Modelle. Dass die Nachfrage nach E-Mobilität aber durchaus heute schon vorhanden sei, die Automobilhersteller diese Entwicklung allerdings verschlafen hätten, warf einer der Diskussionsteilnehmer ein: „Ich warte bereits seit zehn Monaten auf mein Elektroauto“, sagte er. Und damit sei er nicht alleine.
  • Das Problem der unterschiedlichen Abrechnungs- und Bezahlmodelle an den Ladestationen, ein wichtiges Thema des Treffens, habe er auf dem Schirm, sagte Schreiner: „Wir arbeiten an einer Änderung des Mess- und Eichrechts“. Dies solle das Problem der Intransparenz entschärfen, das einige der Diskussionsteilnehmer beklagten. Demnach solle ein Bezahlsystem nach Paypal-Vorbild entstehen.