Trotz europaweiter Ausschreibung eines Millionenprojektes nur ein einziges Angebot – das ist krass. Der Gemeinderat Murg vergab in der Sitzung am Montag die Arbeiten in den Bauabschnitten 1 und 2 der Murger Mitte an die Firma Schleith zum Betrag von 4.338.309 Euro.

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Ralf Mühlhaupt vom Ingenieurbüro Tillig und David Schlechtriem vom Planungsbüro FaktorGrün informierten ausgiebig über die aktuelle Situation. Schlechtriem erläuterte, dass in der Planung 2016/2017 der Bauabschnitt 1 der Murger Mitte bedeutend größer war als wie er jetzt ausgeführt wird. Die neue Ausschreibung in einem europaweiten Verfahren war nicht gerade ergiebig. 24 Firmen wurden insgesamt direkt kontaktiert, um an der Submission teilzunehmen. Zwölf Firmen holten die Unterlagen ab. Doch es wurde nur ein Angebot erzielt. Bieter war die Firma Schleith.

Bürgermeister Adrian Schmidle: „Wir hatten es uns anders erhofft. Wir sind auf viele Firmen zugegangen, auch in der Schweiz, denn wir sind inzwischen auf einem Kostenniveau, auf dem Schweizer Firmen mithalten können.“ Doch kein einziger Schweizer Betrieb bot mit. „Das Einfallstor Bad Säckingen und Waldshut mit Staus hat den einen oder anderen vielleicht abgehalten, ein Angebot abzugeben. So wurde es uns teilweise auch gesagt“, so das Murger Gemeindeoberhaupt. Schmidle betonte jedoch, dass die Gemeinde mit der Firma Schleith, der einzigen Firma, die ein Angebot abgegeben habe, bereits in den Bauabschnitten 4 und 5 gute Erfahrungen gemacht habe.

Die Angebotssumme der Firma Schleith lag bei 4.979.271 Euro. Doch durch ein Nebenangebot mit einigen Abspeckungen (Asphalt statt Naturstein bei Parkplatz schmalere Bordsteinkanten, Aufbereitung und Wiederverwendung von Untergrundmaterial) konnten die Kosten auf 4.338.309 Euro gesenkt werden. Davon entfallen auf Frei- und Verkehrsanlagen 3.154.259 Euro und auf die Kanalisation/Wasser 1.184.050 Euro. Gewährt wird auch ein Skonto von zwei Prozent, also 86.766 Euro. Wird dieser genutzt, beläuft sich der gesamte Aufwand noch auf 4.251.543 Euro. Damit liegt das Angebot brutto 630.990 Euro und somit 17,02 Prozent über der ursprünglichen Kostenberechnung. Nach Abzug des Skontos werden die Baukosten noch 14,68 Prozent (544.224 Euro) über der Kostenberechnung liegen.

Glücklich ist man auf Gemeinderatsseite über die höheren Kosten nicht, doch drum herum kommt die Gemeinde auch nicht, darüber waren sich die Ratsmitglieder einig. Gemeinderat Guido Wiesler brachte es auf den Punkt: „Es ist zwar ein unerfreuliches Ergebnis, aber wir müssen in den sauren Apfel beissen und uns für neue Projekte frei halten.“ Und Klaus Bossert: „Ich denke, dass wir mit 15 Prozent Mehrkosten leben können.“ Bürgermeister Adrian Schmidle freut sich auf die neue Murger Mitte, denn mit diesen beiden Bauabschnitten ist die Maßnahme abgeschlossen: „Weg von einem Straßendorf zu einem Dorf mit Dorfkern. Zwei Plätze – eine Mitte.“

Baubeginn soll bereits im April sein. Mit der Fertigstellung der Baumaßnahmen wird bis spätestens Oktober oder November 2021 gerechnet, gemäss Planer vielleicht auch schon etwas früher. Die Abrechnung des Projektes soll dann bis April 2022 erfolgen.

Die Baumaßnahmen erfordern einiges an Koordination. So muss die Zugänglichkeit von Ärztehaus und Rathaus gegebenfalls mittels Provisorien gewährleistet sein. Es sind Straßenvollsperrungen in Etappen geplant, durch die A 98 ist eine Umfahrung möglich gemäß BM sollen Anwohner und Geschäfte jeweils rechtzeitig informiert werden.