Es war eine der schlimmsten Naturkatastrophen, die Deutschland je erlebt hat: das Unwetter Mitte Juli 2021. Für das Technische Hilfswerk (THW) folgte der größte Einsatz in seiner mehr als 70-jährigen Geschichte.

Über mehrere Monate leisten die Helferinnen und Helfer des THW rund 2,6 Millionen Einsatzstunden in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen. Rund 17.000 Einsatzkräften aus allen 668 THW-Ortverbänden waren im Einsatz – und somit auch der Ortsverband Laufenburg.

Die Helfer der verschiedene Blaulicht-Organiationen wurden in einem Feldlager untergebracht und koordiniert
Die Helfer der verschiedene Blaulicht-Organiationen wurden in einem Feldlager untergebracht und koordiniert | Bild: Thw Laufenburg

„Das war ein riesiger, physisch wie psychisch anspruchsvoller Rettungseinsatz mit großen technischen und logistischen Herausforderungen“, erinnert sich Tobias Roming. Er ist Ortsbeauftragter des Ortsverbandes Laufenburg. Der Ortsverband Laufenburg war mit drei Fachgruppen insgesamt sieben Mal im Einsatz.

Mit schwerem Gerät organisierte das Laufenburger THW den Wegebau im Überflutungsgebiet.
Mit schwerem Gerät organisierte das Laufenburger THW den Wegebau im Überflutungsgebiet. | Bild: Thw Laufenburg

Tief „Bernd“ hinterließ in weiten Teilen Deutschlands, aber vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, ein Bild der Zerstörung. Überflutete Städte, zusammengebrochene Infrastruktur und zerstörte Gebäude waren einige der Folgen.

Auf einem planierten Platz wird eine provisorischen Trinkwasserversorgung errichtet.
Auf einem planierten Platz wird eine provisorischen Trinkwasserversorgung errichtet. | Bild: Alexander Martynevskij/THW Laufenburg

Das THW war daraufhin mit allen 25 Typen seiner Einheiten und Teileinheiten gefragt. Die Liste der zu bewältigenden Aufgaben war lang: Von Pumparbeiten über das Räumen von Trümmern, der Strom- und Wasserversorgung bis hin zur Trinkwasserversorgung, Deichverteidigung, der Baufachberatung oder dem Brückenbau – das THW konnte seine gebündelte Expertise einbringen und bringt sie teilweise weiterhin ein. Denn abgeschlossen ist der Einsatz noch nicht, die Hilfe des THW wird auch ein Jahr nach der Katastrophe benötigt.

Aufgabe des Ortsverbandes Laufenburg war es unter anderem, im Bereitstellungsraum, der als Basislager für die Rettungskräfte dient, für die ca. 5000 Rettungskräfte, die mit über 1000 Fahrzeugen angereist waren, die Abstellplätze der Fahrzeuge zu bewirtschaften. Ein Bereitstellungraum gleicht einem großen Feldlager mit Zeltunterkünften, sanitären Anlagen, Küchen, Werkstätten und Sanitätsstationen.

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Tobias Roming, als verantwortlicher Leiter des Feldlagers, bereitete mit seinem Team die Einsatzkräfte auf ihren Dienst vor und war auch in der Nachsorge bei traumatischen Erlebnissen der Hilfskräfte tätig. Zugführer Sebastian Thoma und Gruppenführer Tobias Hessel hatten mit ihren Gruppen die Aufgabe, abgeschnittene Ortschaften mit Straßen zu erschließen und die Wasserversorgung zu sichern. Hierfür war es z.B. notwendig, eine mit schweren Lastwagen befahrbare Straße zu einen Hügel zu bauen, auf dem eine riesige Wasserblase als Wasserreservoir zum Einsatz kam. Hier leistete der neue schwere Radlager des Ortverbandes Laufenburg gute Dienste.

Elektriker aus Dogern noch heute regelmäßig im Ahrtal

Wie bei vielen Katastrophen rücken deren Folge mit der Zeit immer mehr in den Hintergrund. Regionen, die auch nach langer Zeit immer noch auf ideelle und materielle Hilfe angewiesen sind, drohen in Vergessenheit zu geraten, wenn sich möglicherweise Spontanhelfer zurückziehen oder neu orientieren. Andere haben sich Helfen zu einer Lebensaufgabe gemacht, sich von Gleichgesinnten zum Anpacken anstecken lassen oder mit dem eigenen Engagement weitere Mitstreiter gefunden. Zu ihnen zählen Tanja Horyna und Alexander Papasoglou aus Dogern. Die beiden verzichten nicht nur auf ihren Sommerurlaub, sondern „opfern“ jeden freien Tag, um mal schnell zu einem Arbeitseinsatz ins Ahrtal zu fahren.

Alexander Papasoglou (links) gehört zum Team der Elegtroseelsorger und verbringt gemeinsam mit seiner Partnerin Tanja Horyna seit ...
Alexander Papasoglou (links) gehört zum Team der Elegtroseelsorger und verbringt gemeinsam mit seiner Partnerin Tanja Horyna seit Monaten seine freie Zeit als Helfer im Ahrtal. | Bild: privat

Die Arbeit in der „Elektroseelsorge“ wie sich die Initiative nennt, die sich zwischenzeitlich zu einer gemeinnützigen UG zusammengefunden hat, weiter zu unterstützen. Mittlerweile ist die Initiative in die Gemeinde Heimersheim umgezogen in ein stark beschädigtes und durch Heizöl teilweise kontaminiertes Kindergartengebäude. Hier schrauben und reparieren die freiwilligen Helfer aus weiten Teilen Deutschlands Bohrmaschinen, Bautrockner, Rasenmäher, Kaffeemaschinen und viele weitere Gegenstände. Mit den 2000 Geräten aller Art, die geöffnet, geputzt und trockengelegt wurden, konnten wir 80 Prozent wieder funktionstüchtig machen.

Wenn im Juli das Dogerner Helferduo wieder ins Ahrtal fahrt, dann können sie die im Aufenthalt an Pfingsten mitgenommene und ...
Wenn im Juli das Dogerner Helferduo wieder ins Ahrtal fahrt, dann können sie die im Aufenthalt an Pfingsten mitgenommene und zwischenzeitlich in der eigenen Werkstatt repapierte Tischkreissäge, für die bestimmte Teile sogar angefertigt werden mussten, dem Besitzer des guten Stücks überbringen.

Glücklicherweise gibt es im Team auch Fachleute mit entsprechender Qualifikation, dass es möglich ist Elektroinstallationen in Häusern und Wohnungen von nichtversicherten Betroffenen von der Verkabelung bis zum Zählerkasten alles zu erneuern. Dies geschehe, so das Dogerner Duo in enger Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer und den dortigen Elektrofachbetrieben, denen niemand die Arbeit wegnehmen wolle.

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