Laufenburg Was Laufenburg damit zu tun hat, dass Strom verlässlich aus der Steckdose kommt

Vor 50 Jahren wurde erstmals ein 380-Kilovolt-Verbundbetrieb zwischen drei europäischen Ländern aufgenommen. Der "Stern von Laufenburg" ist der Beginn des europäischen Stromverbunds, in dem über 500 Millionen Menschen mit elektrischer Energie versorgt werden.

Strom muss heute nahezu überall rund um die Uhr verfügbar sein, denn elektrische Energie ist zur Grundlage der zeitgenössischen Zivilisation geworden. Um die Menschen und ihre Apparaturen im erforderlichen Umfang und zuverlässig mit Energie und Information zu versorgen, bedarf es leistungsfähiger und stabiler Stromnetze. In Europa wurde der Grundstein dafür in Laufenburg gelegt. Im dortigen Umspannwerk wurde heute vor 50 Jahren der 380-Kilovolt-Verbundbetrieb zwischen Deutschland, der Schweiz und Frankreich aufgenommen. Der "Stern von Laufenburg" war der Beginn des weltweit größten Stromnetzverbunds.

Zu Beginn der Elektrifizierung 1880 bis 1900 stellte jedes von einem Kraftwerk versorgte Gebiet ein eigenes Inselnetz dar. Bis zum Ersten Weltkrieg sollte sich die Zahl der Kraftwerke verglichen mit 1895 nicht nur verdreißigfachen, es wurden auch immer leistungsfähigere Anlagen errichtet, die immer größere Gebiete mit Elektrizität versorgten. Das seinerzeit modernste Kraftwerk war das 1914 in Betrieb genommene Wasserkraftwerk Laufenburg. Als deutsch-schweizerisches Gemeinschaftsprojekt versorgte es von Anfang an Haushalte und Betriebe in beiden Ländern und war auch mit dem Elsass verbunden. Als das Elsass nach dem Ersten Weltkrieg 1919 zu Frankreich kam, lag das frühere Versorgungsgebiet in drei Ländern.

Dies wurde zum strategischen Vorteil, als 1951 die Elektrizitätswirtschaft acht europäischer Staaten die "Union für die Koordinierung der Erzeugung und des Transportes elektrischer Energie" (UCPTE) gründete. Immer öfter wurden Netzteile über Grenzen hinweg parallel geschaltet. Weil dies aber technisch enorm aufwendig war, wurde am 16. April 1958 in Laufenburg/CH in der Schaltanlage auf dem Kaister Feld erstmals drei Ländernetze im 220-Kilovolt-Betrieb zuerst versuchsweise und dann dauerhaft zusammengeschaltet. Dieser "Stern von Laufenburg" war der Beginn des modernen Verbundbetriebs. Am 15. Mai 1968 wurde der 380-Kilovolt-Verbundbetrieb aufgenommen. "Die in zweijähriger Arbeit erbaute Schaltanlage Laufenburg ist ein Knotenpunkt von europäischer Bedeutung geworden", schrieb unsere Zeitung damals.

Im europäischen Verbund werden inzwischen 530 Millionen Menschen in über 30 Ländern mit Strom versorgt. Um Erzeugung und Verbrauch miteinander in Einklang zu bringen wurden bereits vor zehn Jahren 300 Terrawattstunden Strom, über 10 Prozent des gesamten Verbrauchs über nationale Grenzen hinweg ausgetauscht. 20 Prozent des europäischen Stromtransports gehen über die Schweiz. Mitarbeiter der auch aus der Elektritzitätsgesellschaft Laufenburg (EGL) hervorgegangenen, 2005 gegründeten Swissgrid regeln vom Schaltzentrum auf dem Kaister Feld den Transport.

Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr verliert das Schweizer Laufenburg diesen wichtigen Arbeitgeber und Steuerzahler. Im Juni bezieht die Swissgrid ihren neuen Hauptsitz in Aarau. In Laufenburg verbleibt nur die Netzinfrastruktur. Diese wurde in den vergangenen Jahren modernisiert. Im März 2017 ging die gasisolierte 220-Kilovolt-Schaltanlage in Betrieb. Die ehemalige Freiluftschaltanlage wurde bis im Herbst 2017 zurückgebaut. Im Unterwerk Laufenburg baut Swissgrid derzeit einen neuen 380-/220-Kilovolt-Transformator. Der neue Transformator soll nach einer Bauzeit von anderthalb Jahren im Juni 2019 in Betrieb genommen werden.

 

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