Offenen Auges ist der Burgschreiber durchs Städtle gegangen. Beidseits des Rheins hat er genau beobachtet. Was er notierte, so sagte Markus Manfred Jung bei der Abschlussveranstaltung in der Laufenburger Stadtbücherei, würde für vier Bücher reichen. Bemerkenswertes und Merkwürdiges hat er aufgeschrieben.

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„Merkwürdig“ meint hier ganz im Sinne Johann Peter Hebels mitgeteilte Sachverhalte, die „des Merkens würdig“ sind. In der dreimonatigen Burgschreiber-Zeit hat Markus Manfred Jung an dem Text „Aufbruch“ weitergeschrieben und mit Auszügen aus seinem Tagebuch einer Schweiz-Wanderung kombiniert. Vor dem zahlreichen Publikum, auch aus der Schweiz, las er Passagen aus „Ankommen“, ein längerer Text, den er teilweise schon in den sechs vorigen Lesungen vorgestellt hat.

Viele merkwürdige Beobachtungen

Jung ist einiges aufgefallen an den beiden Laufenburg und sein Verständnis für die Doppelstadt sei gewachsen. Ins Auge stach ihm Graffiti auf dem Turm der Burgruine; es ist der programmatische Beitrag zu seinem Aufenthalt, betitelt „Burgschriiber“, ein satirischer Text, den er zu einem fiktiven Gespräch zwischen zwei Philosophen ausgearbeitet hat. Auch beim Hans-Thoma-Blick machte er „merkwürdige“ Beobachtungen hinsichtlich der Leibstadt-Schwaden über der Heilig-Geist-Kirche.

Natürlich gab auch der Laufenpark viel Stoff. „Klein-Amerika“ nennt Jung das Einkaufszentrum, er zählte die Nummernschildern der Autos aus der Schweiz und die einzelnen Geschäfte auf, während die Innenstädte beider Laufenburg zu Schlafstädten mutieren würden. Über den Stau machte er sich auch so seine Gedanken und fand dafür eine originelle Steigerungsform: „lang, saulang, chaibe sau lang“.

Ein Schildbürger im Wald

Das Thema Stau weitete der Dichter noch auf die beiden Altstädte aus, wo er vor allem im schweizerischen Laufenburg viele esoterische Läden mit Hinweis auf Heiler und Druiden fand. Jung war auch im Wald und sah dort vor lauter kuriosen Schildern die Bäume nicht mehr, was ihn zu dem Resümee brachte: „Schildbürger in Schilda sind wir geworden“. Und er fragte sich, was wäre Laufenburg heute, wenn das grandiose Naturschauspiel Laufen noch hier wäre?

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Es scheint, Markus Manfred Jung ist in den 13 Wochen in Laufenburg angekommen. Seine Haare sind auch gewachsen, während zu Hause im Wiesental das Gras ums Haus immer höher wurde. Und er konnte Freundschaften von früher in Laufenburg vertiefen. Eine besondere Freundschaft pflegt er mit dem Liedermacher, Komponisten und Stimmbildner Uli Führe („ein Glücksfall“). Führe hatte an dem Abend Zeit und konnte spontan drei Lieder beisteuern. Zum Jung-Text „Die Schweiz“, jodelte er, was sicher auch der anwesenden Aargauer Regierungsrätin Fraziska Roth, dem Laufenburger Stadtammann Herbert Weiss und den beiden Paten gefallen haben dürfte.

Markus Manfred Jung las zum Ende seiner Laufenbuger Burgschreiber-Zeit essayistische Prosa auf Hochdeutsch und satirische Texte auf Alemannisch.
Markus Manfred Jung las zum Ende seiner Laufenbuger Burgschreiber-Zeit essayistische Prosa auf Hochdeutsch und satirische Texte auf Alemannisch. | Bild: Jürgen Scharf

Bürgermeister Ulrich Krieger zeigte sich sehr zufrieden mit dieser Premiere. Jung habe die zentrale Botschaft Mundart hervorragend herübergebracht. Wichtig sei es auch für die Stadt gewesen, die Lücke zum Thema Literatur, die bisher nicht sehr präsent war, zu schließen. Auch Petra Gabriel, Mitorganisatorin, die in diesem Jahr ihr 20-Jähriges als Schriftstellerin feiert, meinte, mit diesem Burgschreiber-Posten machen die Städte „praktiziertes Europa“.

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