Die Menschenschlange auf dem E-Center-Parkplatz scheint den ganzen Tag nicht kürzer zu werden. Zwischen dem Elektrohändler Medimax und dem Gartengeschäft Dehner stehen auch um 15.30 Uhr noch Leute an. Einige Autos fahren vor und wägen ab, ob sich das Anstehen lohnt. Schließlich kann man hier, beim „Impfbüsle“ des Landkreises Waldshut, ganz unkompliziert eine Impfung erhalten.

Die Idee ist simpel, das Angebot enorm niederschwellig: Impfen spontan nach dem Wocheneinkauf. Ganz so schnell geht die Impfaktion dann doch nicht voran. Eine 92-jährige Frau, ihr Schwiegersohn unterstützt sie beim Gehen, hat gerade die sogenannte Booster-Impfung, also die Drittimpfung gegen Corona, hinter sich. Drei Stunden sei sie angestanden – das berichten alle, die kurz vor und nach ihr den Impfbus verlassen. Zwar ist es an diesem Novembertag sonnig und trocken, doch spätestens am Nachmittag steht die mobile Impfstation im Schatten.

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Warum also bei dieser Kälte so lange anstehen? „Das Kreisimpfzentrum ist geschlossen worden und mein Hausarzt führt keine Impfungen durch“, sagt die 92-Jährige. Es gebe für sie also schlicht keine andere Möglichkeit, schnell an eine Booster-Impfung zu kommen. Ein Mann erzählt, er sei aus Lörrach angereist, um seinen Corona-Impfschutz aufzufrischen. „Es ist enorm schwierig, Impftermine zu bekommen“, beklagt er. Bei Hausärzten müsse man teils ein Vierteljahr auf seine Impfung warten. „Gott sei Dank gibt es Angebote wie dieses hier“, sagt der Lörracher, der die Impfung mit einem Besuch bei seiner Schwester verbindet.

Eigentlich sind an diesem Dienstag Öffnungszeiten von 10 bis 14 Uhr für den Impfbus vorgesehen. Doch um 15.30 Uhr werden vor dem Eingang des Gartencenters noch immer Formulare verteilt, die eine spontane Impfung ermöglichen. Wartezeit: anderthalb Stunden. Die Öffnungszeiten spielen an diesem Tag keine Rolle, denn der Impfwille soll nicht gebrochen werden – gepikst wird, solange Leute anstehen und die Vakzine noch vorrätig sind. Um 15.30 Uhr wurden bereits 180 Spritzen verabreicht, sagt ein fleißiger Helfer, der sich eine kurze Zigarettenpause genehmigt. Er rechnet damit, an diesem Tag die Marke von 250 Impfungen zu überschreiten.

Das Landratsamt Waldshut bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass das Interesse an dem Angebot des Impfbusses seit dem erneut hohen Anstieg der Infektionszahlen und der Verschärfung der Corona-Regelungen wie 2G – Zutritt zu Einrichtungen und Gastronomie nur für Geimpfte und Genesene – zugenommen habe. „Aber auch die Empfehlung der Boosterung trägt hierzu bei“, nennt Pressesprecher Tobias Herrmann die Drittimpfung als Grund für die gestiegene Nachfrage.

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Im Oktober waren es laut Landratsamt im Schnitt 41,3 Personen, die sich bei den verschiedenen Terminen des Impfbusses immunisieren ließen. Bei den Angeboten im November betrage die Durchschnittszahl bislang 53,7. In beiden Monaten wurden im Landkreis Waldshut auch sogenannte geschlossene Impftermine angeboten, die nicht öffentlich angekündigt werden, wie beispielsweise in Tagespflegen und in Schulen. „Diese drücken den Schnitt“, erklärt Herrmann. Den größten Andrang verzeichnete die Kreisbehörde mit 161 Personen in Erzingen am 5. November. „Heute könnte dieser Termin in Tiengen übertroffen werden“, teilte Tobias Herrmann am Dienstagnachmittag mit. Den geringsten Andrang bislang gab es laut Auskunft des Landratsamts ebenfalls am 5. November, vor dem Tafelladen in Waldshut, wo gerade einmal drei Personen eine Impfung haben wollten.

Auf die Frage, wie viele Impfdosen pro Station des Impfbusses zur Verfügung stehen, antwortet Pressesprecher Herrmann: „Nicht die Impfdosen sind der limitierende Faktor, sondern die Aufklärungsgespräche. Ein Arzt schafft durchschnittlich 25 Impfungen pro Stunde.“ Beim Impfbüsle werden die Vakzine von Biontech und Johnson & Johnson verabreicht. Durchgeführt werden Erst-, Zweit- und Auffrischungsimpfungen. Angesprochen werden dem Landratsamt zufolge alle Impfwilligen ab einem Alter von mindestens zwölf Jahren. Für den Impfbus ist keine Anmeldung notwendig. Es gilt lediglich zu beachten, Personalausweis, Versichertenkarte und Impfpass mitzubringen.

Darüber hinaus sind auch Impfungen im Mini-KIZ des Landkreises, auf dem Campus-Gelände in Bad Säckingen, möglich. Für dieses Impfangebot ist allerdings eine Anmeldung erforderlich.

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