Eigentlich sollte Lörrachs Landrätin Marion Dammann gestern den Spaten in die Erde stechen und den Baubeginn fürs neue Kreisklinikum Lörrach verkünden. Der Spatenstich fiel wegen Corona zwar aus, aber der Bau beginnt dennoch. Und bereits Anfang 2025, so die sportliche Zielsetzung der Lörracher, will das neue Krankenhaus den ersten Patienten behandeln.

Den offiziellen Spatenstich hat Landrätin Marion Dammann aus Gründen der Corona-Pandemie abgesagt. Auf dem Gelände des neuen Zentralklinikums steckt der Spaten als symbolisches Zeichen des Baustarts.
Den offiziellen Spatenstich hat Landrätin Marion Dammann aus Gründen der Corona-Pandemie abgesagt. Auf dem Gelände des neuen Zentralklinikums steckt der Spaten als symbolisches Zeichen des Baustarts. | Bild: Landkreis Lörrach

Auch wenn die verantwortlichen Akteure gestern nicht mit den üblichen gelben Gummistiefeln und dem bekannten Spaten auf der Baustelle standen, resümierten sie dennoch, was an Planung hinter ihn liegt und an Bauarbeiten vor ihnen. Es war gewissermaßen der Startschuss für ein enorm großes Projekt, das über den Landkreis Lörrach hinaus für die medizinische Versorgung des gesamten Hochrheins Bedeutung hat.

Start der Bauarbeiten in der ersten Dezemberwoche

Die Daten sprechen für sich: Vier bestehende Kliniken werden zu einem Klinikum zusammengefasst, eine psychiatrische Klinik kommt außerdem hinzu, rund 700 Betten, Kosten nach jetziger Berechnung 323 Millionen Euro.

Landrätin Marion Damann freute sich, dass „die Zeit der Animationen“ bald vorbei ist und in Kürze die Bagger rollen. Die beginnen in der ersten Dezemberwoche die Baugrube auszuheben. Das Bauschild sei jetzt das erste sichtbare Zeichen für den Startschuss, fügte Projektleiter Thorsten Stolpe hinzu.

Startschuss: Auf dem Gelände des künftigen Zentralklinikums Lörrach rollen in wenigen Tagen die Bagger. In vier Jahren soll die Große Klinik mit 700 Betten betriebsbereit sein.
Startschuss: Auf dem Gelände des künftigen Zentralklinikums Lörrach rollen in wenigen Tagen die Bagger. In vier Jahren soll die Große Klinik mit 700 Betten betriebsbereit sein. | Bild: Gerber, Andreas

Dann soll es Schlag auf Schlag gehen: Denn bereits für Februar, also in drei Monaten, stellte er den Beginn der Rohbauarbeiten in Aussicht, zuerst für die Versorgungsgebäude, dann Ende Mai oder Anfang Juni für das Klinikum. Danach startet der Rohbau der psychiatrischen Klinik, einer Einrichtung der Landespsychiatrie Emmendingen, das „Zentrum für seelische Gesundheit“. Und nach vierjähriger Bauzeit soll Anfang 2025 der medizinische Betrieb starten.

Zahlen und Fakten zum Lörracher Zentralklinikum

Landrätin Marion Dammann lobt, die Geschwindigkeit, mit der es vorwärts geht. Das Vorgehen der Verantwortlichen bis zum heutigen Tag bezeichnete sie als „zielgerichtet“ und das Tempo der Planungen als „sehr zügig“. Und sie ist optimistisch, dass der ambitionierte Zeitplan auch bis zur Fertigstellung hält. Gründe für das rasche Vorankommen sieht sie vor allem in der konstruktiven Zusammenarbeit aller Beteiligten, es habe „wenig Haare in der Suppe“ und „kaum Sand im Getriebe“ gegeben, auch die Coronakrise habe die Entwicklung nicht wirklich gebremst.

Straffer Zeitplan

In der Tat ist die Gangart der Lörracher beeindruckend: 2015 berichtete der Landkreis erstmals über die Notwendigkeit, die medizinische Versorgungsstrukturen zu reformieren und stellte der Öffentlichkeit mögliche Zukunftsmodelle für die drei Kreiskrankenhäuser vor. Es beinhaltet sieben Varianten, die im Kern auf drei Modelle verdichtet werden können: Weiterentwicklung aller drei Standorte Lörrach, Rheinfelden, Schopfheim, Konzentration an nur zwei Standorten oder Konzentration an einem Standort. Fünf Jahre später ist ein Entwicklungs- und Planungsverfahren mit beispielhafter Bürgerbeteiligung abgeschlossen – die Bagger rollen.

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Zum Vergleich: Im Landkreis Waldshut hat der SÜDKURIER – das war ebenfalls 2015 – aufgedeckt, dass Verantwortliche in Hinterzimmern über ein Zentralkrankenhaus und die Schließung der beiden Spitäler Waldshut und Bad Säckingen verhandeln und dazu bereits eine konkrete Studie vorlag. Diese schlug übrigens damals schon das Gelände bei der Papierfabrik Albbruck als Standort für ein Zentralkrankenhaus vor. Das ist heute Stand der Dinge. Bis auf dieser Wiese aber die Bagger rollen, wird noch Zeit vergehen.

Großprojekt im Land

Zurück nach Lörrach: Hier hat die Coronakrise in diesem Jahr die Planer auf der Zielgeraden noch einmal vor völlig überraschende Herausforderungen gestellt. Niemand habe bis dato ein solches Infektionsgeschehen erwartet, sagten Projektleiter Stolpe und Klinikgeschäftsführer Armin Müller. Deshalb sei die Klinikplanung vor dem Hintergrund neuer Pandemie-Erfordernisse überprüft und verändert worden. Es werde deshalb Abteilungen mit „modularen Bausteinen“ geben, die in Seuchenfall schnell umgebaut werden können.

Das Lörracher Kreisklinikum ist übrigens eines der wenigen Neubauprojekte in seiner Größenordnung im Land Baden-Württemberg. Abgesehen von Erweiterungen bei den großen Maximalversorgern, den Unikliniken Freiburg und Heidelberg, gebe es ein ähnlich großes Neubauprojekt in Göppingen, berichtete Klinikchef Müller, daneben noch in Sindelfingen/Böblingen und in Karlsruhe. Kleinere Krankenhäuser seien in der Ortenau und natürlich im Nachbarlandkreis Waldshut projektiert.

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