Tausende Tonnen Bioabfälle jährlich sollen künftig nicht mehr die Reise vom Hochrhein nach Singen antreten. Ein Projekt des Landkreises Waldshut, zusammen mit dem Kreis Lörrach, aus Küchenabfällen auf eigenem Gebiet wertvolles Gas zu gewinnen, wird ein Stück konkreter. Für eine Machbarkeitstudie gab eine große Kreistagsmehrheit am Mittwoch grünes Licht. Bedenken wegen möglicher Geruchsbelästigung am bevorzugten Standort Lachengraben bei Wehr trat der Chef des beratenden Planungsbüros entgegen.

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Für die Vergärungsanlage, über deren Bau noch nicht entschieden ist, suchte die Firma Rytec, ein Planungsbüro für Abfalltechnologie in Baden-Baden, zuletzt nach einem Standort. Von 17 möglichen Orten blieb am Ende als klarer Favorit die Kreismülldeponie auf dem Lachengraben bei Wehr, direkt an der Grenze zum Kreis Lörrach gelegen.

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Die Zusammenarbeit mit dem Nachbarkreis wird als Notwendigkeit gesehen, schon wegen der Mindestmenge für eine wirtschaftliche Bioabfallvergärung. Für 30 000 Tonnen Abfall pro Jahr würde die Anlage ausgelegt, 6360 Tonnen sammelte der Waldshuter Abfallwirtschaftsbetrieb im Jahr 2019. Auch die Lörracher Kreisräte beraten aktuell über weitere Schritte.

Investition von 20,6 Millionen Euro

Die Investition für die Anlage bezifferte Rytec-Geschäftsführer Jürgen Machnow vor den Kreisräten mit 20,6 Millionen Euro. Die Kosten für die Behandlung des biologischen Abfalls kämen mit 152 Euro pro Tonne laut Fachbüro zwar höher als derzeit beim Transport in den Hegau. Aber der künftige Vertrag mit Singen werde für den Kreis Waldshut wesentlich teurer, prophezeite der Ingenieur. Für den Standort Lachengraben spricht nicht nur die schon vorhandene Infrastruktur – heute werden die Bioabfälle dort umgeladen -, sondern auch die vorhandene Gasleitung zur Einspeisung des gewonnenen Methangases.

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Auf skeptische Fragen der Wehrer Kreisräte Karin Gallmann (SPD) und Klaus Denzinger (FDP) zu möglicher Geruchsbelästigung für die Umgebung versicherte Machnow, der Gärprozess geschehe abgedichtet, „es darf nicht riechen“. Das Projekt komme nur zustande, wenn ein wirtschaftlicher Vorteil gesichert sei, versicherte Landrat Martin Kistler auf die Frage von Kreisrat Fred Thelen (Freie Wähler), wie sich die Anlage auf die Müllgebühren auswirken werde. Kistler sieht einen privaten Betreiber als ideale Lösung, vom Landkreis kämen die planungsrechtlichen Vorgaben. Die Stadt Wehr werde bei der Standortfindung beteiligt.

Alexander Guhl (SPD) forderte, bei der Wahl des Abnehmers für das Biogas die regionalen Akteure nicht unberücksichtigt zu lassen. Auch Machnow glaubt, dass bei der Vergütung der Einspeisung noch Luft nach oben ist und regte an, die Möglichkeit eines regionalen Netzes zu prüfen.

Zeitaufwendiges Vorhaben

Die Bioabfallvergärungsanlage werde „nicht binnen drei Jahren machbar“ sein, schätzt Experte Jürgen Machnow. Die Genehmigungsfristen, Planung und Bau würden eine erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Bei vier Enthaltungen gab die Kreistagsmehrheit auch dem Kreis Lörrach das Signal, das gemeinsame Projekt einer Vergärungsanlage weiter zu verfolgen.

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