Bislang sind die Möglichkeiten in der Region sehr begrenzt, wenn es um ein Studium geht. Allerdings soll das Angebot ab 2022 breiter werden, dann ab Herbst kommenden Jahres soll es möglich sein, in Lörrach Architektur studieren. Einzigartig bundesweit in einem dualen Studiengang.

Schon jetzt ist die Nachfrage groß: Bereits zehn Interessensbekundungen liegen in der Dualen Hochschule Lörrach (DHBW) von Kommunen, öffentlichen Institutionen, aber auch von Unternehmen an der DHBW vor, ebenso wie eine Handvoll Nachfragen von jungen Menschen, die sich für das Architektur-Studium interessierten. „Und das bereits, bevor die konkrete Akquise für Unternehmen und Institutionen als Duale Partner begonnen habe“, wie die Hochschule informiert.

Wie kam es zu der Idee?

Bereits 2019 entstand in den lokalen Architektenverbänden die Idee, in Kooperation mit der DHBW Lörrach ein neuartiges Architekturstudium zu etablieren und damit eine konkrete und lösungsorientierte Antwort auf den bereits seit Jahren bestehenden Nachwuchskräftemangel zu finden.

Wann startet der Studiengang in Lörrach?

Inzwischen sind die Planungen und das Akkreditierungsverfahren für den neuen Studiengang so weit fortgeschritten, dass sich sowohl die Hochschulleitung als auch die Architektenverbände, Bund Deutscher Architekten, BDA Hochrhein, und Architektenkammer Baden-Württemberg, Kammergruppe Lörrach, zuversichtlich für einen Start zum Wintersemester 2022 zeigen.

Welche Schwerpunkte hat das Studium?

Als „Südbadener Modell“ wird das neue Studienkonzept in Fachkreisen bereits bezeichnet. Dabei sieht das Konzept vor, Grundlagen der Gestaltung und Technik eines konventionellen Architekturstudiums zu vermitteln. Darüber hinaus sollen spezifische Studienschwerpunkte gesetzt werden, die in die Region passen, Neuigkeitswert und Alleinstellungsmerkmal haben. Der Fokus liegt auf den beiden großen Überschriften Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung.

DHBW-Rektor Theodor Sproll und Architekt und Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten, Frank Hovenbitzer, informierten über Inhalte und den Planungsstand.
DHBW-Rektor Theodor Sproll und Architekt und Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten, Frank Hovenbitzer, informierten über Inhalte und den Planungsstand. | Bild: Duale Hochschule Lörrach

Welcher Abschluss wird in Lörrach möglich sein?

Abschließen wird das duale Studium Architektur mit dem an der DHBW und für die Architektur üblichen, europaweit anerkannten Studienabschluss Bachelor of Science. Aufgesattelt werden kann dann ein Master-Studium. Hier laufen erste Kooperationsgespräche mit der FHNW in Muttenz, die bereits in den beiden trinationalen Studiengängen International Business Management und Mechatronik mit der DHBW zusammen ausbildet. Gegen Ende des Akkreditierungsverfahrens sollen eine Professur ausgeschrieben und externe Dozierende aus der Branche und aus den Reihen der Dualen Partner akquiriert werden. Zielgröße für den Studienstart ist ein kompletter Kurs mit rund 25 bis 30 Studienanfängern.

Welche Möglichkeiten gibt es bisher?

Das Interesse erfreut Frank Hovenbitzer, Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten, überrascht ihn jedoch nicht: „In einer Distanz von 200 Kilometern Luftlinie von Lörrach aus betrachtet, gibt es diesseits der Grenze keinen Studienstandort für Architektur“, so Hovenbitzer. Bisher könne man etwa nur in Karlsruhe, Stuttgart oder Konstanz studieren. Meist blieben die Absolventen dann in dieser Region.

Welche Vorteile verspricht man sich vom dualen Konzept?

Einen „dualen Fit“ nannte Theodor Sproll, Rektor der DHBW Lörrach, die durch diesen neuen Studiengang entstehende Win-Win-Situation: Durch das duale Studium mit Theorie und Praxis im Wechsel entstünde ein neuartiges, zeitgemäßes Studienmodell für das Berufsbild Architektur. Außerdem spiele Architektur im Dreiländereck eine tragende Rolle und habe durch einschlägige Bauwerke und den Stammsitz weltweit führender Designkonzerne schon lange große Bedeutung in der Region. Gleichzeitig trage die DHBW damit einmal mehr zur Lösung des eklatanten Fachkräftemangels in der Region bei und würde hier ein neues Alleinstellungsmerkmal etablieren, das junge Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus anziehen könnte.

Wie geht es nun weiter?

Als nächste Schritte steht der Akkreditierungsprozess in weiteren Gremien an. Hier zeigen sich Sproll und Hovenbitzer optimistisch:Im Strategieentwicklungsplan der DHBW gesamt sei das Studium am Standort Lörrach bereits verankert und der Hochschulrat habe sich schon dafür ausgesprochen, ebenso wie die Instanzen der Architektenkammern und -verbände. Zudem würde in Zusammenarbeit mit der Fakultät Technik konkret an den Modulbeschreibungen und der Erstellung der Studienpläne gearbeitet.

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