In Süddeutschland steigen die bestätigten Covid-19-Infektionen täglich an. Was dabei ins Auge sticht und für Verwunderung sorgt: Im Landkreis Waldshut gibt es im Vergleich mit den Nachbarlandkreisen wenige bestätigte Infektionen.

Fallzahlen im Vergleich

Am vergangenen Dienstag, 17. März, gab es im Kreis Waldshut acht bestätigte Corona-Infektionen, das entspricht bei rund 170.000 Einwohnern im Landkreis 0,47 Erkrankten je 10.000 Einwohner. Im Nachbarkreis Lörrach waren es bereits 27 bestätigte Infektionen, dies sind bei etwa 230.000 Einwohnern 0,86 Fällen je 10.000 Einwohnern.

Heller Fleck in der Region: Deutlich zu erkennen ist die niedrige Zahl der bestätigten Covid-Fälle je 10.000 Einwohner im Kreis Waldshut (hier: Stand 18. März, 12.20 Uhr).
Heller Fleck in der Region: Deutlich zu erkennen ist die niedrige Zahl der bestätigten Covid-Fälle je 10.000 Einwohner im Kreis Waldshut (hier: Stand 18. März, 12.20 Uhr). | Bild: Müller, Cornelia

Am darauffolgenden Mittwoch, 18. März, waren es im Kreis Waldshut 17 bestätigte Fälle (1 von 10.000 Einwohnern) und im Kreis Lörrach 49 (2,1 von 10.000). Laut Zahlen vom Donnerstag, 19. März, ist die Quote im Kreis Waldshut (20 Infizierte) nun auf 1,2, im Kreis Lörrach (63 Infizierte) auf 2,4 Erkrankte je 10.000 Einwohner gestiegen.

Aber warum?

Werden Testergebnisse nicht rechtzeitig übermittelt?

Alle Landratsämter stehen laut Markus Jox, Sprecher des Sozialministeriums Baden-Württemberg, in der Pflicht, die Zahl der neuen Covid-19-Infektionen an das Landesgesundheitsamt zu melden, welches dann das Bundesgesundheitsministerium informiert, das wiederum die Zahl der Infektionen an das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet. Dies müsse innerhalb von spätestens 48 Stunden erfolgen. „Das RKI braucht verlässliche Informationen über die Lage im Land, um Empfehlungen aussprechen zu können“, so Markus Jox.

Dieser Meldepflicht kämen die Gesundheitsämter allerdings in „unterschiedlichem Maße“ nach, so Jox, der dies erklärt mit der – verständlicherweise – enormen Belastung der Ämter vor Ort. „Unsere Vermutung ist, dass einige Gesundheitsämter Fälle eher später melden.“ Ob das Gesundheitsamt Waldshut auch zu den „Spät-Meldern“ gehört? Jox will das weder bestätigen noch dementieren. Landratsamtssprecherin Susanna Heim schließt das aber kategorisch aus: Die Ergebnismeldung müsse ihr zufolge innerhalb von 24 Stunden erfolgen. „Daran halten wir uns. Wir übermitteln möglichst rasch, immer aber in der vorgegebenen Frist“, so Heim.

Sind weniger Infektionen im Kreis Waldshut bekannt, weil Menschen in der Schweiz getestet wurden und dort als Fall zählen?

Diese Option erscheint eher unwahrscheinlich. „Uns ist bisher kein Fall eines in der Schweiz positiv getesteten Einwohners aus dem Landkreis bekannt bzw. gemeldet worden“, erklärt Susanna Heim. Fraglich sei, ob Deutsche überhaupt in der Schweiz auf Covid-19 getestet werden würden.

Tests auf Covid-19 im Kreis Waldshut

Die Behörden in Deutschland und der Schweiz stünden aber in engem Kontakt. So wären laut Heim von den Schweizer Gesundheitsbehörden bereits Kontaktpersonen im Landkreis genannt, die mit einer positiv getesteten Person in der Schweiz in Kontakt standen. Diese seien dann vom Gesundheitsamt des Landkreises instruiert worden. „Dieser Austausch funktioniert weitgehend gut. Sicherlich gibt es in Zeiten, in denen auch die Schweizer Behörden am Limit arbeiten, Schwankungen. Die Größe des Kantons spielt hier eine gewisse Rolle“, erläutert Heim.

Wie wirkt sich die Zahl der durchgeführten Corona-Abstriche aus?

Der Zusammenhang liegt auf der Hand: Je mehr Menschen getestet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, Corona-Infizierte zu finden. Betrachtet man die Gesamtzahl der Tests genauer, wird deutlich: Im Kreis Waldshut werden weniger Abstriche gemacht als in anderen Kreisen. Am Mittwochnachmittag lag laut Landratsamt Waldshut die Zahl der negativ getesteten Personen bei mehr als 200. Das Gesundheitsamt Lörrach führte dagegen rund 730 negative Abstrichergebnisse auf.

Doch auch diese Zahlen sind nur bedingt belastbar. Denn es besteht eine weitere Unschärfe: Wie viele Menschen bislang tatsächlich in den Landkreisen auf Covid-19 getestet wurden, ist gar nicht bekannt. Lediglich die Anzahl der von den Gesundheitsämtern beauftragten Tests, beispielsweise in den offiziellen Abstrichstationen, würden erfasst werden, schildert Markus Jox vom Sozialministerium Baden-Württemberg. Das bestätigt auch Susanna Heim: „Die genaue Zahl zu ermitteln ist schwierig, da einige Labors die Tests, die negativ sind, verspätet oder gar nicht mehr melden.“

Die meisten Tests im Kreis Waldshut führe das Gesundheitsamt aus. „Das Gesundheitsamt des Landkreises hat in den letzten zwei Wochen – hoch gerechnet – rund 350 Tests durchgeführt“, sagt Heim. Es stünden aktuell noch Ergebnisse aus, womit sich die Differenz erklären lässt.

Die mobile Abstrichstelle des Gesundheitsamts sei nach wie vor an drei Tagen in der Woche im Einsatz und würde Rachen-Nasenabstriche nehmen, so das Landratsamt. Wie viele Abstriche an einem Tag genommen werden, lasse sich nur schwer sagen, da die Auslastung schwankend sei, wie Michael Swientek, Sprecher des Waldshuter Landratsamts erklärt.

„Es gibt auch vereinzelte Hausärzte, die im Landkreis Tests durchführen. Außerdem testen natürlich auch die Kliniken und Notaufnahmen, wenn Verdacht besteht“, ergänzt sie. „Teilweise führen Mediziner in ihren Praxen Abstriche durch und schicken sie direkt zur Auswertung an verschiedene Labore“, erklärt Jox. Letztere würden allerdings nur positive Tests, also tatsächliche Infektionen, an die Ärzte und Gesundheitsämter melden.

Fazit: Die absolute Zahl der Corona-Abstriche ist im Kreis Waldshut wohl deutlich niedriger als beispielsweise im Nachbarkreis Lörrach. Vor diesem Hintergrund erscheint die geringere Zahl der bestätigten Corona-Infektionen schlüssig.