Turbulent geht es derzeit im Krankenhauswesen im Kreis Waldshut zu. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die jährlichen Verluste der beiden Häuser in Waldshut und Bad Säckingen explosionsartig in die Höhe geschossen sind. Die Stadt Waldshut-Tiengen versucht händeringend, aus dem Spitäler Hochrhein Verbund auszusteigen. Die OP-Säle in Bad Säckingen sind zwecks Sanierung seit einem Jahr geschlossen. Wann es mit den Arbeiten los geht und wie viel das Ganze definitiv kosten wird – dazu gibt es unterschiedliche Aussagen, geplant und von den Gremien genehmigt sind aber etwa 13 Millionen Euro. Inzwischen haben auch die Spitäler Hochrhein-Geschäftsführerin Simone Jeitner und Verwaltungsdirektor Peter Lepkojis gekündigt, mit Hans-Peter Schlaudt wurde ein Mann aus Berlin geholt, um die Sanierung der GmbH voranzutreiben.

Vor diesem Hintergrund treibt die Frage nach dem Zustand der Notfallversorgung die Menschen umso mehr um. Doch wie in allen Bereichen der Krankenhausdebatte zeigt sich ein extrem gegensätzliches Bild: Mediziner, Politiker, aber auch Betroffene im Landkreis zeichnen ein düsteres Bild von der aktuellen Situation. Ohne die Kliniken in den Nachbarlandkreisen und in der Schweiz gehe demnach „gar nichts mehr“. Von den Verantwortlichen im Kreis und in der Spitäler Hochrhein GmbH werden derartige Darstellungen konsequent als „unsachlich“ und „emotional“ zurückgewiesen.

Insbesondere seit Schließung der OP-Säle im Spital Bad Säckingen im September schlagen Experten im Landkreis Alarm. Bekanntlich wurden die OPs aufgrund erheblicher brandschutztechnischer Defizite gesperrt. Vorgesehen ist, die Infrastruktur zumindest so wiederherzustellen, dass das Haus funktioniert, bis ein Zentralkrankenhaus mit 350 Betten gebaut werden soll. Laut Planung dauert die Sanierung mit Instandsetzung von 40 Patientenzimmern etwa zwei Jahre. Wann es losgeht? Auf diese Frage reagiert Jeitner ausweichend: „Wer schon mal ein Haus gebaut hat, der wird wissen, wie zäh ein solches Unterfangen sein kann.“ Sozialminister Manfred Lucha kritisierte derweil jüngst, dass noch nicht einmal Zuschussanträge für die Sanierung gestellt worden sind.

Das zuvor auf zwei Krankenhäuser verteilte OP-Programm wird nun in Waldshut absolviert. Dass sich dadurch Nachteile für die Patientenversorgung ergeben, diese Ansicht teilt die ehemalige Spitäler-Chefin Jeitner nicht: „Wir verfügen über eine funktionierende Notfallversorgung.“ Es gehe „im Schnitt um sechs Patienten mehr pro Tag, und das ist bei Weitem nicht unsere Kapazitätsgrenze.“ Dies zumal es in Bad Säckingen weiterhin eine internistische Notfallversorgung und tagsüber eine chirurgische Ambulanz gebe.

Mediziner schätzen indes die Notfallversorgung im Kreis Waldshut als mangelhaft ein. Die Kapazitäten am Spital Waldshut seien laut einem Notarzt derart eingeschränkt, dass das Krankenhaus nicht mehr angefahren werde, wenn bei einem Patienten Lebensgefahr bestehe: „Unser Glück ist es, dass wir in einer Gegend leben, die so gut mit Rettungshubschraubern abgedeckt ist wie wohl keine andere in Deutschland.“ Auf deutscher und Schweizer Seite stünden sieben Helikopter zur Verfügung. Der Förderverein Pro Spital warnt, dass bis zu 50 000 Menschen im Kreis nicht in der vorgeschriebenen 30-Minuten-Frist ein Krankenhaus erreichen können. Allein die Zahl der Fahrten in Krankenhäuser im Landkreis Lörrach habe um gut 60 Prozent zugenommen, schilderte Notarzt Ulrich Grothe bei einer Diskussionsrunde. Auch Patienten und deren Angehörige berichten von stundenlangen Irrfahrten mit dem Rettungsdienst, bis Notfallpatienten in einem Krankenhaus untergebracht werden konnten.

Im Landkreis Lörrach wird eine Zunahme an Notfallpatienten aus dem Landkreis Waldshut registriert, „vor allem aus den Grenzgebieten“, wie Kliniken-Sprecherin Marion Steger erklärt. „Wir verzeichnen generell eine erhebliche Patientenzunahme“, schränkt sie ein. In den vergangenen Jahren sei die jährliche Patientenzahl um 7000 auf 25 000 gestiegen. Dieser Anstieg könne aber gut bewältigt werden, obwohl auch in Lörrach Umstrukturierungen hin zu einem Zentralklinikum stattfinden. Marion Steger führt dies auf die organisatorischen Vorarbeiten zurück, die im Zuge des „Lörracher Wegs“ bereits bis 2006 geleistet wurden.
 

Vor allem seien Doppelstrukturen abgebaut worden, allerdings werde sukzessive in den Bestand der drei Häuser investiert – bis zum „Tag X“ voraussichtlich im Jahr 2025, wenn das Zentalkrankenhaus in Lörrach mit seinen rund 650 Betten in Betrieb genommen wird.

Die großen Kliniken in der Region

 

Schwarzwald-Baar-Klinikum

Mit dem im Juli 2013 eingeweihten Zentralklinikum in Villingen-Schwenningen hat der benachbarte Schwarzwald-Baar-Kreis seine Klinikversorgung neu organisiert. In den Jahren vor der Neuorganisation und dem Neubau wurden nach und nach Krankenhaus-Standorte in Bräunlingen, Furtwangen, Villingen und St. Georgen zum Teil unter Protesten geschlossen. Parallel zum Bau des Zentralklinikums zwischen Villingen und Schwenningen (Investition: 280 Millionen Euro) wurde der Standort Donaueschingen ausgebaut und neu ausgerichtet (geriatrischer Schwerpunkt und Lungenzentrum). Träger sind der Schwarzwald-Baar-Kreis (60 Prozent) und die Stadt Villingen-Schwenningen (40 Prozent). Zusammen bieten beide Standorte 25 Abteilungen und 1000 Betten, 750 davon im Zentralklinikum. Laut Klinikum werden jährlich 50 000 Patienten stationär und 140 000 Patienten ambulant behandelt. Das Zentralklinikum ist mit 15 Operationssälen ausgestattet und ist Standort für den Rettungshubschrauber Christoph 11, der auch im Landkreis Waldshut im Einsatz ist.

2013 wurde das Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen eröffnet. Bild: Roland Sprich
2013 wurde das Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen eröffnet. Bild: Roland Sprich

 

Hegau-Bodensee-Klinikum Stühlingen

Das ehemalige Loretto Krankenhaus in Stühlingen gehört seit 2004 zum Hegau-Bodensee-Klinikum (weitere Standorte in Singen und Radolfzell). Am Hauptstandort in Singen werden Leistungen der Zentralversorgung angeboten, der Standort Stühlingen übernimmt die Grund- und Regelversorgung im nordöstlichen Teil des Landkreises Waldshut. Stühlingen verfügt über 73 Betten, zu den medizinischen Fachbereichen gehören Anästhesiologie, Innere Medizin und Chirurgie. Zudem gibt es in Stühlingen das Medizinische Versorgungszentrum am Gesundheitszentrum Loreto (MVZ) mit einer Praxis für Allgemeinmedizin, zwei Praxen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie eine Praxis für Anästhesiologie. Seit 2012 ist das Hegau-Bodensee-Klinikum Teil des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz. Diesem gehören neben den Standorten des Hegau-Bodensee-Klinikums zudem das Klinikum Konstanz, das Vincentius Krankenhaus Konstanz, das Hegau-Jugendwerk Gailingen, das Medizinische Versorgungszentrum Hegau Engen sowie das Senioren- und Pflegeheim Engen an. Träger sind der Landkreis Konstanz (52 Prozent), die Spitalstiftung Konstanz (24 Prozent) und die gemeinnützige Krankenhausbetriebsgesellschaft (24 Prozent).

Das Hegau-Bodensee-Klinikum Stühlingen bietet 73 Betten. Bild: Lucia van Kreuningen
Das Hegau-Bodensee-Klinikum Stühlingen bietet 73 Betten. Bild: Lucia van Kreuningen

 

Kliniken des Landkreises Lörrach

Auch die Kliniklandschaft im westlichen Nachbarlandkreis Lörrach steht vor einem Wandel, auch wenn die Pläne schon deutlich fortgeschrittener sind als im Landkreis Waldshut. Im April 2017 entschied der Lörracher Kreistag in der Standortfrage für den Bau des Zentralklinikums in Lörrach und erteilte hiermit den Grundstücken der Städte Rheinfelden und Schopfheim eine Absage. Unter dem Motto „Lörracher Weg 2.0“ wurde das medizinische Konzept des neu zu bauenden Zentralklinikums auf den Weg gebracht und vom Kreistag 2016 verabschiedet. Die derzeitigen drei Kliniken des Landkreises – Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim – sind seit 1994 in der Kliniken des Landkreises Lörrach GmbH organisiert, alleiniger Gesellschafter ist der Landkreis. Im Jahr 2016 wurden dort laut Unternehmensinformationen 25 000 Patienten stationär und 57 000 Patienten ambulant behandelt, die Zahl der Operationen lag bei 11 800. 2016 arbeiteten 965 Vollzeitkräfte in den drei Kliniken, damit ist der Klinikverbund der größte Arbeitgeber im Landkreis Lörrach.

Das bislang kirchliche St.-Elisabethen-Krankenhaus (links) ist seit Jahresbeginn ein Tochterunternehmen der Kreiskliniken Lörrach. Bilder: Daniel Gramespacher
Das bislang kirchliche St.-Elisabethen-Krankenhaus (links) ist seit Jahresbeginn ein Tochterunternehmen der Kreiskliniken Lörrach. Bilder: Daniel Gramespacher | Bild: Daniel Gramespacher

 

 

Spitäler Waldshut und Bad Säckingen

In ihrer jetzigen Form besteht die Spitäler Hochrhein GmbH mit den beiden Häusern in Waldshut und Bad Säckingen seit 2011. Getragen wird die Gesellschaft zu 60 Prozent vom Spitalfonds Waldshut und zu 40 Prozent vom Landkreis Waldshut, wobei die Stadt Waldshut ihren Anteil und damit auch die finanziellen Verpflichtungen verringern möchte. Nach Unternehmensinformationen beschäftigen die Spitäler Hochrhein 950 Mitarbeiter. Jährlich werden 17 500 Patienten stationär und 57 000 ambulant behandelt. Das Spital Bad Säckingen soll umfangreich saniert werden, im Anschluss stehen gemäß Planung 120 Betten zur Verfügung. In diesem Zuge werden auch die OP-Säle ertüchtigt. Das Spital Waldshut hat 260 Betten. Die Rund-um-die-Uhr Notfallversorgung läuft ausschließlich am Standort Waldshut. Am Standort Bad Säckingen besteht derzeit eine rund um die Uhr geöffnete internistische Notfallambulanz und eine chirurgische Notfallambulanz von 7.30 bis 21 Uhr sowie Samstag, Sonntag und feiertags von 9 bis 20 Uhr.

Ist das Spital bald Vergangenheit? Die Schließung des Bad Säckinger Krankenhauses innerhalb der nächsten sechs Monate ist eine von zwei realistischen Varianten, über die der Kreistag wahrscheinlich kommende Woche abstimmen wird. Bild: Sandro Kipar.
Ist das Spital bald Vergangenheit? Die Schließung des Bad Säckinger Krankenhauses innerhalb der nächsten sechs Monate ist eine von zwei realistischen Varianten, über die der Kreistag wahrscheinlich kommende Woche abstimmen wird. Bild: Sandro Kipar.