Die Optimierung der provisorischen Abfahrt Hauenstein als eigenständiges Projekt ist vom Tisch. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erklärte am Donnerstag in Stuttgart bei einem Treffen mit Vertretern der Region, dass eine Priorisierung nicht mehr in Betracht komme. Die Abfahrt werde in die Planung der A 98 Abschnitte 8 und 9 einbezogen. Für diese sieht die Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller (CDU, Waldshut) einen Baubeginn in zehn Jahren in Sicht. Ungeachtet möglicher kleinerer Übergangslösungen würde damit die gegenwärtige Situation an der Abfahrt Hauenstein mindestens weitere 20 Jahre anhalten.

2015 bei ihrem Besuch in Laufenburg hielt es Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (dritte von rechts) für möglich, dass bis in drei Jahren mit der Optimierung der Abfahrt beonnen werden könnte – das wäre 2018 gewesen. Links neben ihr Landrat Martin Kistler, rechts Bürgermeister Ulrich Krieger.
2015 bei ihrem Besuch in Laufenburg hielt es Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (dritte von rechts) für möglich, dass bis in drei Jahren mit der Optimierung der Abfahrt beonnen werden könnte – das wäre 2018 gewesen. Links neben ihr Landrat Martin Kistler, rechts Bürgermeister Ulrich Krieger. | Bild: Vonberg, Markus

2015 hatte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer erklärt, die von den Gemeinden Laufenburg und Albbruck sowie vom Landkreis Waldshut verlangte Tunnellösung für Hauenstein sei technisch machbar und außerhalb des Bundesverkehrswegeplans finanzierbar. Dennoch brachte das Regierungspräsidium Freiburg das Projekt nicht voran. Nach der Übergabe der A 98-Planung im April 2018 an die bundes- und landeseigene Planungsgesellschaft Deges, erklärte diese im Dezember 2018, sich mit Hauenstein nicht separat, sondern nur im Zusammenhang mit den Autobahnabschnitten 8 und 9 zu befassen. Dies wollten die Bürgermeister von Laufenburg und Albbruck, Ulrich Krieger und Stefan Kaiser, sowie Lothar Schlageter, erfolgreicher Hauenstein-Petent, verhindern und suchten mit Unterstützung der Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger (SPD, Lörrach) und Hartmann-Müller nochmals das Gespräch mit dem Minister.

Minister sieht keinen Zeitvorteil

Eine Priorisierung der Abfahrt Hauenstein komme nicht mehr in Betracht, da nach der Aufgabenübertragung an die Deges und der parallelen Planung aller Abschnitte davon kein Zeitvorteil mehr zu erwarten sei, erklärte das Ministerium für Verkehr in einer Pressemitteilung. Zudem stelle die Abfahrt bereits seit 2014 keinen Unfallschwerpunkt mehr dar.

Krieger: "Abfahrt bleibt gefährlich"

Dem widerspricht der Laufenburger Bürgermeister Ulrich Krieger: „Die Abfahrt ist und bleibt gefährlich, das hat sich erst vor kurzem wieder gezeigt“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es wird nun zehn Jahre dauern, bis die Planung der Abschnitte 8 und 9 inklusive der Abfahrt abgeschlossen ist, und weitere zehn Jahre, bis alles gebaut ist.“ Eine neutrale Abfahrt, die der künftigen Planung der weiteren Abschnitte in Richtung Waldshut nicht im Wege gestanden wäre, hätte es laut Krieger gegeben. „Doch jetzt drückt man einfach auf den Reset-Knopf.“

Kaiser: "Planung aus einem Guss"

Ein positiveres Fazit zieht nach dem Gespräch mit dem Minister Stefan Kaiser, Bürgermeister von Albbruck. „Meine Erwartung war, eine klärende Antwort auf die Abfahrts-Frage.“ Die gebe es nun. Für das übergeordnete Ziel, die Abschnitte 8 und 9, sei diese Entscheidung ein Erfolg, „denn nun kommt die Planung aus einem Guss“, sagte Kaiser. „Ich habe die Hoffnung, dass in diesem Zusammenhang die Situation um die Abfahrt Hauenstein schneller zu lösen ist.“

Schlageter: "Grob fahrlässig"

Hauenstein-Petent Lothar Schlageter hingegen ist enttäuscht: „Ich war der Hoffnung, dass bestimmte Dinge wie die eigenständige und priorisierte Planung der Abfahrt Hauenstein nicht mehr infrage gestellt werden." Seiner Meinung nach ist es „grob fahrlässig“, wie mit Gefahrenlage vor Ort umgegangen werde. „Und ich habe nicht den Eindruck, dass unser Landrat die Position der Region nach außen hin im Land richtig vertritt.“

Kistler: "Beste Lösung"

Landrat Martin Kistler unterstützt die Entscheidung des Verkehrsministers. Entscheidend für die Entschärfung der Abfahrt Hauenstein sei der zeitliche Rahmen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. „Wenn das nun im Rahmen der gesamten Planung zügig und aus einem Guss realisiert werden kann, ist das die beste Lösung“, so Kistler.

Hartmann-Müller: "Bau könnte in 10 Jahren beginnen"

Ebenfalls ein positives Fazit zieht in ihrer Pressemitteilung die Landtagsabgeordnete Hartmann-Müller. Erstmals habe das Verkehrsministerium einen Zeithorizont genannt, bis zu dem die noch fehlenden A 98-Abschnitte planfestgestellt sein könnten: „Verkehrsminister Hermann stellte in Aussicht, dass in 10 Jahren mit dem Bau der restlichen Autobahnabschnitte inklusive Hauenstein begonnen werden könne.“ Das Verkehrsministerium habe angekündigt, für die Abfahrt eine Übergangslösung zu suchen.

"Richtlinienkonform und leistungsfähig"

Mit 10 Prozent Gefälle und einem engen Kurvenradius stellt die provisorische Abfahrt Hauenstein, die die A 98.7 mit der B 34 verbindet, seit ihrer Inbetriebnahme 2004 eine Gefahrenstelle dar. 2010 richtet Kreisrat Lothar Schlageter aus Albbruck eine Petition an den Landtag, mit dem Ziel, die Abfahrt zu optimieren. Im Oktober 2014 entspricht der Ausschuss der Petition. Das Verkehrministerium erklärt: "Der Abstieg soll derart geplant werden, dass er richtlinienkonform und verkehrlich leistungsfähig als Anschlussstelle sowohl im Falle einer Weiterführung als Bergtrasse als auch im Falle der Weiterführung im Tal dienen kann." Die schließt auch eine Tunnelvariante ein. Im Juli 2015 teilt Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer mit, eine Tunnellösung sei technisch machbar und könne außerhalb des Bundesverkehrswegeplans finanziert werden. Im April 2018 übergibt das Land die Planung der Abschnitte A 98.6, 8 und 9 an die Deges. Diese erklärt im Dezember 2018, dass sie die Optimierung der Abfahrt nicht vorrangig plane.