Die Malerin Christa Näher erhielt am Sonntag in Bernau den Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg. Der Preis wurde von Staatssekretärin Petra Olschowski überreicht, die Laudatio hielt Christine Litz, Direktorin des Museums für neue Kunst Freiburg. Sie hob auf die Verflechtung von Kunst und Leben ab, die Einfluss auf das Werk nehme und es präge, wobei sie dem Lebenswerk Christa Nähers sozusagen das Motto beigab „den vollen Blick aufs Schlimmste richten“.

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Was Christa Näher selbst als ihre „triebhafte Verbundenheit mit der Natur“ bezeichne, könne jederzeit Gewalt und Zerstörung an die Oberfläche spülen. Sie setze sich erbarmungsloser Härte und Rohheit aus, wende den Blick auf das sich ihr bietende Spektakel nie ab. Christa Nähers tiefe innere Schwärze, mit der sie auf die Welt gekommen sei, spiegle das Unterbewusste, das sich danach verzehre, erkannt zu werden. Daraus resultiere aber auch, dass ihre Bilder kommen, wenn sie reif sind, sie lassen sich nicht erzwingen. Hier fänden nebenbei auch die Zwitterwesen zwischen Mensch und Tier in Nähers Werk ihren Platz, die Zentauren und Minotauren, Symbole für den erfolgreichen Widerstand gegen den Zivilisationsprozess.

Vergleich mit einem Koch

Christa Nähers eigener erfolgreicher Widerstand zeige sich in ihrer Unabhängigkeit vom Kunstbetrieb, aber auch anhand der Durchsetzung innerhalb eines männlich dominierten Netzwerks, war sie doch bei ihrem Amtsantritt an der Frankfurter Städelschule 1987 die erste und für zehn Jahre die einzige weibliche Professorin. In den Beziehungen zu ihren Schülern schließlich realisiere sich die respektvolle Wahrnehmung des jeweils Anderen, die ein Verstehen möglich mache, auch ohne dass die sich Begegnenden der gleichen Welt angehören. Schließlich verglich Christine Litz die Künstlerin mit einem Koch, der nicht nach genau abgewogenen Zutaten koche, auch nicht sein Standardgericht immer wieder gleich gut auf den Tisch bringe, sondern das, was da ist, in Gänze mit Augenmaß und einer Portion Freude am Unerprobten in gespannter Erwartung verarbeite.

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Im Anschluss ergriff die Künstlerin selbst das Wort. „Sie haben hier einen wunderbaren Ort mit wunderbaren Menschen“, lobte sie Bernau und seine Bürger. Diese gestalteten das Thoma-Fest mit, nicht weil sie müssten, sondern, weil sie wollten. Der Hans Thoma-Preis sei ihr der Liebste unter den Preisen, die sie im Laufe ihres Lebens bekommen habe, weil er völlig unabhängig vom Markt sei. Kein Jurymitglied habe sie zuvor persönlich gekannt, und so gelte die Auszeichnung tatsächlich einzig ihrem Werk.

Rathaus als „seltsames Gebäude“

Allerdings verhehlte Näher auch nicht den „ersten Schock über dieses seltsame Gebäude“, das Rathaus, in dem sich das Hans-Thoma-Kunstmuseum befindet. Denn dort unter dem Dach, wo die Sonderausstellung mit Nähers Werken stattfindet, machen es Dachschrägen, Winkel und Balken nicht gerade einfach, großformatige Bilder wie die ihren zu platzieren. Ihr Dank galt daher auch Johannes Honeck von der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und Museumsleiterin Margret Köpfer, die die Ausstellung mit ihr vorbereitet hatten.

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Nach den Ehrungen überreichte Bernaus Bürgermeister Alexander Schönemann noch das traditionelle Geschenk der Bernauer an den jeweiligen Hans-Thoma-Preisträger: einen handgeschnitzten Blasebalg, dieses Mal gestaltet von Johannes Köpfer, mit einem Engel, „der den Schnauf hat“. „Du hast den Schnauf“, attestierte der Bürgermeister auch der Künstlerin. Das „seltsame Rathaus“ wollte er allerdings so nicht stehen lassen und verwies auf die neue Beleuchtung, die dank eines Förderprogrammes des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst dort nun Nähers Bilder in Szene setzt.