„Der Bussard ruft und der Klettgau atmet“, diese poetischen Worte kamen einem Urlauber aus Düsseldorf in den Sinn, als er sich zufälligerweise beim Gartenfest im Jahr 1988 in Weisweil aufhielt. Seine Eindrücke schrieb er nieder und über Umwege erreichten sie Karl Landwehr, den Senior-Wirt des Weisweiler Gasthauses „Adler“.

„Ein stilles Dorf. Ein Dorf wie aus Eichendorffs Zeiten, umgeben von rotem Klee, von Butterblumen, von Margeritten und Spitzwegerich... hier findet der Wanderer sein Glück“- so herzerwärmend beschreibt der Rheinländer Weisweil zur großen Freude des Adlerwirtes, denn die romantische Beschreibung des Klettgauer Dorfes trifft noch immer – zumindest in den Sommermonaten – durchaus zu.

Jetzt im Winter ist es in Weisweil ganz besonders still, auch in der Dorfwirtschaft, ohnehin coronabedingt. Kaum eine Menschenseele trifft man draußen, aber Karl Landwehr schraubt in der Garage an seinem Traktor und ist gerne zu einem Gespräch bereit. Als Weisweiler Urgestein weiß er über das Dorf fast alles, als Gründungsmitglied des FC Weisweil und 49 Jahre als Vorstandsmitglied bis zu dessen Auflösung 2019 und bis vor kurzem weit und breit der einzige Spargelanbauer und natürlich als Dorfwirt.

Karl Landwehr, der Adlerwirt im Ruhestand, ist ein Weisweiler durch und durch.
Karl Landwehr, der Adlerwirt im Ruhestand, ist ein Weisweiler durch und durch. | Bild: Eva Baumgartner

Auch im Adler ist es stiller geworden, Tochter Jutta, Adlerwirtin in der fünften Generation, führt die Wirtschaft weiter allerdings ist sie zum Bedauern vieler nur noch am Wochenende geöffnet. Aber die Dorfereignisse wie die Hauptversammlungen der Vereine finden immer noch im Gasthaus statt, sofern Corana das zuläßt.

„Früher kannte jeder jeden, auf der Straße hat man sich gegrüßt, egal ob jung oder alt“, erzählt Karl Landwehr mit ein bisschen Wehmut. Die Zugezogenen kenne er kaum. Erstaunlich angesichts dessen, dass gerade mal rund 230 Menschen in Weisweil leben. „Die jungen zugezogenen Familien, die leben meist unter sich.“ Aber gerne erinnert er sich an die goldenen Adler-Zeiten, als die Belegschaften der Bucher und der Eral Metall abends zum Feierabendbier kamen. Auch die Weisweiler Feste, das Gartenfest, im Wechsel vom FC und dem Gesangverein organisiert, immer mit dabei der dritte Weisweiler Verein, die Frauengemeinschaft, waren legendär.

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„Weisweiler Landwirte gibt es keine mehr, ihre Flächen werden von einem Grießener Bauern oder von Schweizer Landwirten bewirtschaftet“, führt er aus. „Damals war das Dorfleben intensiver“, erinnert er sich und möchte, auch wenn er noch mal jung wäre, nirgendwo anders leben.

Seine junge Nachbarin Lousia Villano hat auch ihr Glück in Weisweil gefunden. Sie hat mit ihrem Partner ein spannendes altes Haus, dessen älteste Mauern aus dem 17. Jahrhundert stammen, gekauft und fühlt sich in Weisweil richtig wohl. „Ausschlaggebend für uns war ein bezahlbares Haus, der Ortsteil hat dabei keinerlei Rolle gespielt“, erzählt die 25-jährige Hotelfachfrau.

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Außerdem für Weisweil spreche die Natur, denn in nur zwei Minuten sei sie mit ihrem Hund im Wald. Erst seit zwei Jahren lebt sie in Weisweil und durch das Gassigehen habe sie schon viele Weisweiler kennengelernt. Zur Arbeit hat sie es auch nicht weit, im benachbarten Grießen arbeitet sie im elterlichen Gasthaus „Kranz“. Aber ein Auto braucht es auf jeden Fall. „In wenigen Minuten bin ich bei den Supermärkten in Erzingen – klar mit dem Wagen, den braucht es überall auf dem Land“, sagt sie. Auch die wenigsten Erzinger, die die Läden im Ort hätten, gingen zu Fuß einkaufen, davon ist sie überzeugt. Allerdings für Familien mit Kindern sei es ungleich beschwerlicher, die Busverbindung sei echt lausig.