Herr Hack, wann haben Sie mit Blasmusikspielen angefangen und warum sind Sie Dirigent geworden?

Mit zehn Jahren bin ich dem Musikverein Stetten-Bergöschingen beigetreten. Ich habe eine sehr musikalische Herkunft, elterlicherseits. Und mein Opa Anton Soukal hat den Verein nach dem Krieg mehrere Jahre dirigiert. Bei der vereinsinternen Jugendausbildung habe ich gemerkt, es macht mir Freude kleine Bläsergruppen zu unterrichten. So hat sich das dann entwickelt.

Nach einem Dirigentenkurs haben Sie ein Jahr den Musikverein Geißlingen geleitet und dann zum Musikverein Stetten-Bergöschingen gewechselt. Dirigiert man lieber einen fremden oder den eigenen Verein?

Die Zeit in Geißlingen war sehr gut und hat mich bestärkt, künftig zu dirigieren. Als mich der damalige Vorsitzende Franz Schäuble eindringlich gefragt hat „Mir bruchet dich in Stetten“, habe ich mich trotz vieler Bedenken für den eigenen Verein entschieden.

Allerdings ist es im eigenen Verein intensiver und geht über das eigentliche Dirigieren hinaus. Andererseits kennt man den Jahresablauf, die Menschen, weiß wie sie ticken. Da ist es vielleicht leichter einen Verein musikalisch zu führen.

Nach 35 Jahren Dirigentenzeit beim Musikverein Stetten-Bergöschingen gibt Rainer Hack den Taktstock weiter. Wie hat sich die Blasmusik ...
Nach 35 Jahren Dirigentenzeit beim Musikverein Stetten-Bergöschingen gibt Rainer Hack den Taktstock weiter. Wie hat sich die Blasmusik in dieser Zeit entwickelt? Hat sie auch zukünftig noch ihren Platz? Darüber sprach Mitarbeiterin Sabine Gems-Thoma mit ihm. Bild: Imke Hack | Bild: Imke Hack

Sie haben gerne „neue Töne“ in das Orchester gebracht. Neben dem klassischen Repertoire kamen Filmmusik, Rock und Pop, Jazz und Swing und als Markenzeiche Musical-Acts mit Showelementen und die „Überraschungs-Black-Box“ zum Zuge. Das kam gut an. Das Orchester wuchs auf heute um die 60 Aktive, seit 2002 gibt es zwei Konzertabende mit mehr als 600 Zuhören. Was hat sich geändert in den über drei Jahrzehnten?

Ich bin überzeugt, dass die Blasmusik die Emotion und aktive Unterhaltung in den Vordergrund stellen muss. Daraus entstanden sind die Showteile und der Black-Box-Part. Das Repertoire sollte breit gefächert sein. Moderne Elemente und Instrumente wie Bassgitarre und Keyboard sind hierbei hilfreich, um moderne Blasmusikstücke umsetzen zu können.

Das spricht auch die Jugend an. Dabei darf das Traditionelle nicht zu kurz kommen. Und das Drumherum eines Konzertabends ist wichtig, wie wird man empfangen, wie ist das Ambiente. Wichtig ist, sich in den Dienst des Publikums zu stellen, was möchten die Zuhörer, was spricht sie an, was bewegt.

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Leidenschaft, Herzblut und hoher Einsatz prägten Ihre Dirigentenzeit. Was war für Sie der Höhepunkt? Gibt es ein Lieblingsstück?

Ohne Zweifel war Tanz der Vampire (2001) ein Highlight, mit vier selbstarrangierten Titeln und großem Chor. Etwas ganz Besonderes war die Einführung des Gesangs 1994 mit dem Song „What a Feeling“ aus dem Film Flashdance, da waren wir eines der ersten Orchester, die das probierten. Das gab der Blasmusik neue Perspektiven und wird heute vielfach umgesetzt.

Wie motiviert man sich und die Musiker über eine so lange Zeit?

Mich hat enorm motiviert, dass ich immer freie Hand hatte, Dinge, nach Absprache mit Vorstand und Mitgliedern, auszuprobieren. Die Motivation kommt dann mit dem Erfolg, der allerdings hart erarbeitet werden muss. Die Musiker müssen merken, dass sich der Einsatz lohnt. Manches kam auch nicht so gut an. Das sei an dieser Stelle auch erwähnt und gehört dazu.

Seit Jahren zählen um die 60 aktiven zum Orchester und das in einem kleinen Dorf. Wie lässt sich das erklären, wo doch andernorts die Mitgliederzahlen schrumpfen?

(überlegt länger) Der Verein muss in seiner Struktur funktionieren, das beginnt bei der Ausbildung, die heute auch vereinsübergreifend und mit Unterstützung der Gemeinde stattfindet.

Der Vorstand muss die Mitglieder abholen, was Vorsitzende Tanja Burkhard-Wehrle unglaublich gut kann, und der Dirigent das richtige Gefühl und Gespür für die Musiker und das, was bei ihnen und dem Publikum ankommt, mitbringen. Und auch der Spaß, die Geselligkeit darf nicht zu kurz kommen. Bei uns sind die APPs (Anmerkung: After-Proben-Partys) alle sechs bis acht Wochen legendär. (lacht)

Auch das gehörte zu den Auftritten eines Dirigenten: Regelmäßig beteiligt sich der Musikverein Stetten-Bergöschingen an der Fasnacht ...
Auch das gehörte zu den Auftritten eines Dirigenten: Regelmäßig beteiligt sich der Musikverein Stetten-Bergöschingen an der Fasnacht (hier beim Umzug in Lienheim unter dem Motto Aladdin). Und Dirigent Rainer Hack ist natürlich dabei. | Bild: Sabine Gems-Thoma

Dirigenten sind gesucht. Sie haben einmal gesagt, „Ein Dirigent sollte gute musikalische, registerübergreifende Kenntnisse, pädagogisches Talent und das Gespür für einen Dorfverein mit seinen musikalischen Möglichkeiten mitbringen.“ Gilt das immer noch? Gibt es schon einen Nachfolger?

Dazu sollte er noch die aktuelle Literatur kennen und ‚mal auf Youtube schauen, was so läuft. Der Musikverein Stetten-Bergöschingen hatte in der Neuzeit immer interne Dirigenten, dass wird sich mit dem Nachfolger Robin Hack (Anmerkung: sein Sohn) fortsetzen. Eine glückliche Konstellation, denke ich. Ich werde zurückkehren in die Reihen der Aktiven, setze mich in den Baritonsax oder ans Keyboard.

Was erwartet die Konzertbesucher am 19. und 20. November?

Es wird kein Revival. Geprägt ist das Konzert wieder durch moderne Blasmusik, Originalwerke, Spannendes. Ich glaube, dass das Klangbild auf der neuen Bühne mit der neuen Akustik und dem großen Orchester eindrücklich wirken wird.

Wie sehen Sie die Zukunft der Blasmusikorchester?

Ich bin überzeugt, die Blasmusik hat Zukunft und ihren Platz. Aber sie muss flexibel bleiben und sie sollte die Unterhaltung in den Vordergrund stellen.

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