Herr von Weizsäcker, Sie kritisieren das Vorhaben der Behörden, den Oberwasserkanal im Schwarzenbachtal verschwinden zu lassen. Waren Sie schon einmal dort?

Nein, ich war nie dort.

Worauf stützt sich Ihre Kritik?

Auf Schilderungen von Julian Aicher von der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg.

Ihre persönliche Meinung?

Kleine künstliche und natürliche Teiche und Seen sind für die Artenvielfalt überaus nützlich; die unruhigen Bäche des Schwarzwaldes sind natürlich auch was Wunderbares, aber nur für eine ziemlich begrenzte Zahl von Tieren und Pflanzen. Und im Übrigen ist ein Wasser-Kleinkraftwerk auch ein Plus fürs Klima. Wäre der Schwarzwald „voll“ von kleinen Stauwehren und Kanälen, wäre ich durchaus für eine Renaturierung, aber das ist doch gar nicht der Fall.

Sie haben also Vorbehalte gegen viele kleine Wasserkraftanlagen?

Ich ziehe das alte Prinzip der Balance vor. Man sollte nichts übertreiben.

Beim Oberwasserkanal im Schwarzenbachtal handelt es sich um ein nahezu stehendes Gewässer – welche Rolle spielt es?

Stehende Gewässer sind wunderbar für viele Tier- und Pflanzenarten. In Indien und anderen Ländern staut man Wasser auf, um den Grundwasserspiegel hochzuhalten. Zum vorliegenden Fall: Warum muss man die wenigen Stauseen jetzt auch noch in Bäche verwandeln? Das ist nicht im Sinn von Biodiversität. Es gibt nicht sehr viele Fische, die in unruhigen Fließgewässern leben.

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Dennoch haben die Behörden scheinbar das letzte Wort.

Wahrscheinlich haben wir es mit Verwaltern zu tun, die schöne Naturschutz-Regeln wie die „Fließgewässerdurchgängigkeit“ ein bisschen dogmatisch handhaben. Aber es gibt doch auch den Rechtsbegriff des Abwägungsgebots.

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