Eine außergewöhnliche Vergangenheit, die auch überregional thematisiert wird, halten die historischen Einungsmeister und der Verein zur Förderung der Geschichte der ehemaligen Grafschaft Hauenstein lebendig. Ihr Domizil haben sie im Dogerner Gasthaus „Hirschen“. Dort finden regelmäßig Treffen statt sowie Führungen durch die Einungsmeisterstube und das darüber liegende Einungsmeistermuseum.

Das Domizil der Einungsmeister: Ein Blick in ihre Stube im Gasthaus „Hirschen“ in Dogern, die Karte links zeigt die Wappen und das Gebiet der ehemaligen acht Einungen der Grafschaft Hauenstein.
Das Domizil der Einungsmeister: Ein Blick in ihre Stube im Gasthaus „Hirschen“ in Dogern, die Karte links zeigt die Wappen und das Gebiet der ehemaligen acht Einungen der Grafschaft Hauenstein. | Bild: Ursula Freudig

Vor 650 Jahren standen in der zu Vorderösterreich gehörenden ehemaligen Grafschaft Hauenstein – weitgehend der heutige Hotzenwald – sogenannte Einungsmeister acht Einungen vor mit einem Redmann an der Spitze. Die Grafschaft stand zwar unter der Herrschaft der Habsburger, war für damalige Zeiten aber weitgehend selbstständig.

So kämpfte man früher: Ehrenredmann Heinrich Dold im Museum der Einungsmeister im Dogerner „Hirschen“.
So kämpfte man früher: Ehrenredmann Heinrich Dold im Museum der Einungsmeister im Dogerner „Hirschen“. | Bild: Ursula Freudig

Sie verwaltete sich selbst, hatte eine eigene Bürgerwehr und einen bemerkenswert demokratischen Aufbau. Die Einungsmeister waren gewählte Vertreter der Einungen. Laut Heinrich Dold lief eine Einungsmeisterwahl so ab: Wählen und gewählt werden durften verheiratete Männer. Wahltag war immer der 23. April, der St. Georgstag, auch Jörgeletag genannt. Nach Kirchgang und Mittagessen trafen sich die wahlberechtigten Männer im Freien. Vorgeschlagene Einungsmeister stellten sich auf und wer sie unterstützte, sprich: wählte, stellte sich einfach hinter sie. Derjenige, der die meisten Männer hinter sich vereinigte, wurde Einungsmeister der betreffenden Einung.

Einige Wochen später wählten die acht alten und acht neuen Einungsmeister aus ihren Reihen den Redmann, der die Interessen der Grafschaft gegenüber der Obrigkeit, in erster Linie gegenüber dem in Waldshut residierenden Waldvogt, vertrat. Diesen Titel darf als „legitimer Nachfahre“ heute auch Landrat Martin Kistler führen. Im März 2020 wurde er von Redmann Neugebauer als Waldvogt vereidigt.

Bei den kommenden Einungsmeisterwahlen im Rahmen einer Jubiläums-Theateraufführung im Frühjahr 2022 wird der theaterbegeisterte Landrat aller Voraussicht nach ein Wörtchen mitreden. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Aufführung auf nächstes Jahr verschoben, ebenso der große Festakt. Ein Termin ist aber fix. Anlässlich „650 Jahre Hauensteinische Einungen“ bekommt Dogern am 2. Oktober einen gewichtigen neuen Einwohner: Einen großen, steinernen Einungsmeister, der als Denkmal an besondere, alte Zeiten in der ehemaligen Grafschaft Hauenstein erinnert.