Bonndorf – "Wir haben hier keine Konflikte", sagte der stellvertretende Forstamtsleiter des Landkreises und ehemalige Wutachranger, Friedbert Zapf. Seine Zuhörer waren interessierte Forstexperten, die auf Einladung des baden-württembergischen Forstvereins an einer Exkursion in die Wutachschlucht teilgenommen haben. In der Schlucht, Tourismus-Magnet für rund 80 000 Wanderer jährlich, würden Tourismus, also Nutzung der Schlucht durch den Erholung suchenden Menschen, Waldwirtschaft und Naturschutz sich gegenseitig ergänzen.

Friedbert Zapf.
Friedbert Zapf. | Bild: Gudrun Deinzer

Genau das Spannungsfeld zwischen diesen drei Polen war Thema der Exkursion, der Run auf das Angebot größer denn je, wie Anne Klama vom Forstverein erzählte. Mit dabei auch Prominenz, wie etwa der in Forstkreisen berühmte Wissenschaftler für Waldbau, Jürgen Huss. Der inzwischen emeritierte Professor nutze das Angebot als eine der Grundlagen für sein neues Lehrbuch, das in Jahresfrist entstehen soll. Auch Reinhold Pix, der hier zuständige Landtagsabgeordnete der Grünen, der Forstwissenschaften studiert hat, nahm an der Exkursion teil.

Er ist mit der Einrichtung seines Fachgebiets in der Landesregierung unzufrieden. Hatte man es bei der Vorgängerkoalition mit der SPD doch geschafft, endlich die angesprochenen drei Bereich in einem Ministerium unterzubringen und somit das von Pix als "magisches Dreieck" bezeichnete Zusammenspiel von Landwirtschaft (in diesem Fall Waldwirtschaft), Naturschutz und Tourismus in einem Ministerium zu bedienen. "Das war segensreich", sagte Friedbert Zapf dazu. Vor allen Dingen auf Wichtigkeitsgeschachere für die entsprechenden Ministerien, führt Pix es zurück, dass diese drei Themen nun wieder in drei Ministerien untergebracht sind.

Und tatsächlich waren es die Fachleute, die dieses neuerliche Auseinanderdividieren der drei Pole kritisch sahen. "Der Dialog ist immens wichtig und er ist so natürlich sehr viel schwieriger", so Roland Brauner aus dem Vorstand des Forstvereins.

Roland Brauner, Vorstand Badenwürttembergischer Forstverein, Leiter des Forstamtes Villingen-Schwenningen.
Roland Brauner, Vorstand Badenwürttembergischer Forstverein, Leiter des Forstamtes Villingen-Schwenningen. | Bild: Gudrun Deinzer

Umso größer war natürlich die Freude, bei der Exkursion in die Schlucht einen Bereich vor Augen geführt zu bekommen, in dem die Zusammenarbeit reibungslos klappt. "Ich bin stolz und glücklich das Funktionieren des magischen Dreiecks im eigenen Wahlkreis erleben zu dürfen", so Reinhold Pix. Ziel müsse es nämlich sein, die Wälder naturnah zu bewirtschaften, aber mit Rücksicht auf komplexe Ökosysteme und Biodiversität auch Rückzugsräume für die natürliche Entwicklung zu schaffen. "Gleichzeitig trägt der Wald zur Gesundheit und Erholung unserer Bevölkerung bei"

Eindrucksvoll führte Zapf vor, dass und wie dies in der Wutachschlucht funktioniert. In der Größenordnung von Tausenden Festmetern würde in den vergangenen Jahren die eigentlich standortfremde Fichte aus dem Wald an der Wutach gezogen und schaffe somit Platz für den naturnahen Bewuchs mit Bergahorn, Esche und Linde. "Wir bilden die Natur wieder nach", erläuterte Friedbert Zapf. Damit würde man gewissermaßen die Natur schützen, indem man sie nutzt. Viel Wert lege man auch darauf, die rund fünf Prozent offenen Wiesenflächen im Gebiet freizuhalten. Die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Tourismus, funktioniere reibungslos, ebenso mit dem Schwarzwaldverein, der sich um den Erhalt der Wege kümmere.

Beherrschbar ist trotz aller behutsamen Rückführung in naturnahen Bewuchs die Schlucht freilich nicht. "Diese Schlucht ist längst noch nicht fertig, sondern verändert sich, was zahlreiche Felsstürze und Hangrutschungen immer wieder bezeugen", so Friedbert Zapf. Die Schlucht selbst sei es, die auch das Lenken der Besucherströme einfach mache. "Die Besucher müssen auf den Wegen bleiben", so Zapf. Mit dem einfachen Querlegen eines Baumes oder auch der Nichtbeschilderung eines Pfades, könnten Besucher auch leicht abgehalten werden, in Bereiche vorzudringen, wo sie Tiere stören würden. Ein Beispiel dafür ist eine begehbare Höhle, in der Fledermaäuse daheim sind, zu der aber nun kein ausgewiesener Weg mehr führt.

Große Freude äußerte zum Abschluss der Exkursion Roland Brauner über die angeregten Gespräche, die sich ergeben hätten. "Wir setzen uns für Themen des Waldes ein. Dabei ist es wichtig, über den Tellerrand hinaus zu blicken und miteinander ins Gespräch zu kommen." Entsprechend sei es auch schön gewesen mit Reinhold Pix, einem kompetenten Ansprechpartner aus der Politik, ins Gespräch zu kommen.

Sehr zufrieden war man mit dem Verlauf der Exkursion für Forst-Experten. Von links: Friedbert Zapf, Anna Klama, Roland Brauner, Professor Jürgen Huss, Reinhold Pix und sein Mitarbeiter Gregor Lanz (mit Hund).
Sehr zufrieden war man mit dem Verlauf der Exkursion für Forst-Experten. Von links: Friedbert Zapf, Anna Klama, Roland Brauner, Professor Jürgen Huss, Reinhold Pix und sein Mitarbeiter Gregor Lanz (mit Hund). | Bild: Gudrun Deinzer

Naturerlebnis

Die Wutachschlucht bietet ein unvergessliches Wandererlebnis. Die Wutach und ihre Nebenflüsse erzeugen eine aufregende Urlandschaft mit geheimnisvollen Plätzen und romantischen Schluchten. Sie liegt im Herzen des größten deutschen Naturparks – im Naturpark Südschwarzwald. Die Wutachschlucht wird nicht umsonst der größte Canyon Deutschlands genannt. Denn während einer Tour durch die 60 bis 170 Meter tiefe Schlucht, kommen Wanderer vorbei an rauschenden Wasserfällen, zerklüfteten Tälern, abenteuerlichen Wildflüssen und stoßen auf die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. (Quelle: www.wutachschlucht.de).

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