Vielleicht fahren die Bad Säckinger Bürger im Jahr 2035 mit der elektrifizierten Hochrheinbahn und steigen in Wallbach ein und aus. Vielleicht wohnen hier dann ein paar tausend Menschen mehr als heute. Vielleicht ist das Fahrrad das beliebteste Fortbewegungsmittel, weil das Radnetz in alle Richtungen gut ausgebaut ist. All das – wie es hier in 15 Jahren aussehen wird, wie die Bad Säckinger leben, was sie schätzen – kann niemand mit genauer Sicherheit vorhersagen.

Aber: Man kann sich Ziele setzen, die aufgrund des jetzigen Zustands der Stadt für die Stadt anzustreben sind. Genau das hat Frank Leichsenring vom Büro Kommzept getan. Gemeinsam mit Berit Oetinger vom Büro für Kommunalentwicklung, hat er in den vergangenen zwei Jahren die Trompeterstadt unter die Lupe genommen und ein Stadtentwicklungskonzept (SEK) erstellt.

In einem ersten Schritt erfolgte die Analyse der folgenden Themenfeldern: Demographie, Soziales, Freizeit und Tourismus, Wohnen, Gewerbe, Mobilität, Infrastruktur, sowie Umwelt. Darauf aufbauend folgte in einem zweiten Schritt die Zielsetzungen in den jeweiligen Bereichen, welche den Standort stärken sollen.

Am vergangenen Wochenende kam Leichsensrings Arbeit auf den Prüfstand: Bei zwei Bürgerdialogen wurden die bisherigen Ergebnisse mit der Einschätzung der Bevölkerung abgeglichen. Stimmen die Bad Säckinger dem zu, was das Konzept für die positive Entwicklung ihrer Stadt vorschlägt?

Jugenddialog

Als Entscheidungsträger von morgen spielen Jugendliche eine Schlüsselrolle, wenn es um jedwede Zukunftsvision geht. Und dieser Position scheinen sich die 14- bis 21-Jährigen durchaus bewusst. Knapp 30 junge Erwachsene waren beim Austausch im Schlosspark dabei und setzten allein damit ein Zeichen.

Kritisch und offen sprachen sie an, was ihnen hier nicht passt: Wohnen, speziell für junge Familien und Migranten, ist teuer; Potentiale für die Freizeit werden nicht ausgeschöpft, wie der vermooste Scheffelpark beweist; das mobile Netz ist schlecht und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man in den Abendstunden nicht weit. Aber das nächste Kino oder der nächste Club sind zu Fuß schlichtweg nicht zu erreichen.

Die Jugendlichen waren konkret. Teilweise zu konkret für die die Konzeptform, die ihre Zielsetzung nur vage formuliert. Trotzdem nannten sie einige allgemeine Punkte, die dem Konzept neue Impulse gaben. Die Jugend soll in dem SEK generell stärker repräsentiert werden, wenn es beispielsweise um ehrenamtliches Engagement geht. Bezüglich des Bildungsstandortes Bad Säckingen sahen die Anwesenden andere Dynamiken am Werk, als es die Planer analysiert hatten: Der Rückgang der Gymnasiasten sei nicht primär mit der Konkurrenz aus Schopfheim erklären, sondern ebenso mit der engen Vernetzung der Realschulen mit den Fachschulen und dem Scheffel-Leitbild.

Außerdem schlugen sie eine Umwertung einiger Ist-Zustände an. Aus Sicht der Teenager ist Bad Säckingen noch nicht fahrradfreundlich, das Freizeit-Angebot ist seit dem Feelings-Aus und dem Wegfall des Grillplatzes keine Stärke, ebenso wenig wie die Quellen, so lange es im Badmattenpark so aussieht wie heute. Ein ewig umstrittenes Thema bleibt auch bei den Teenagern der Stadt die Trassenführung der A98. In diesem Zusammenhang setzten sich die Anwesenden insbesondere für den bestmöglichsten Schutz der Natur ein.

Bürgerdialog

Andere Altersgruppe, gleiches Interesse: Am Samstagvormittag standen Leichsenring und seine Kolleginnen in der Wallbacher Flößerhalle vor den Verwaltungsmitarbeitern und elf aufmerksamen Bürgern. Auch hier wurde die Vorgehensweise präsentiert, abgeglichen und diskutiert.

Neben kleinen Streitpunkten, wie die gleichwertige Behandlung der Ortsteile, und Korrekturen von Leichsenrings Analyse, sorgten der Klimaschutz, sowie die Wohn- und Bausituation für Gesprächsstoff. Die Energieversorgung betreffend, steuere die Stadt auf eine Sackgasse zu, sagte Martin Lohrmann, einer der anwesenden Bürger, der sich rege beteiligte. Es gebe kein Konzept, das eine Alternative zum Erdgas aufweise und folglich sehe er an dieser Stelle keine Stärken bei der Stadt. Gleichzeitig forderte er ein deutlich größeres Bewusstsein für die Bergseeregion – sowohl von Seiten der Planer für das Konzept, als auch von Seiten der Bevölkerung für den Erhalt.

Frank Leichsenring (links) im Austausch mit Bad Säckinger Bürgern in der Flößerhalle, wo am Samstagvormittag vier Stunden lang über die Inhalte des Stadtenwicklungskonzepts diskutiert wurde. Mit von der Partie waren auch Verwaltungsangestellte und Bürgermeister Alexander Guhl (nicht im Bild). Bilder: Maria Schlageter
Frank Leichsenring (links) im Austausch mit Bad Säckinger Bürgern in der Flößerhalle, wo am Samstagvormittag vier Stunden lang über die Inhalte des Stadtenwicklungskonzepts diskutiert wurde. Mit von der Partie waren auch Verwaltungsangestellte und Bürgermeister Alexander Guhl (nicht im Bild). Bilder: Maria Schlageter

Aus städtebaulicher Sicht sahen die Anwesenden vor allem die Nutzung von Flächen kritisch: Viele Gebiete könnten wegen privaten Eigentümern nicht erschlossen werden, während andere Gebäude aus demselben Grund leer stehen. Diese Eigentümerstruktur erschwere nicht nur die generelle Wohnsituation, sondern gefährde auch die Altstadt. Die Befürchtung: Gebäude in Privatbesitz könnten in Zukunft ungenutzt verkommen – ein Risiko, auf das im SEK reagiert werden sollte.

Abseits der inhaltlichen Diskussionen, wurde auch die Form des ganzen Konzepts hinterfragt. „Mir fehlen die ‚soft facts‘ und generell der grenzüberschreitende Aspekt“, merkte Alexander Huhle an. Die Analyse zeige viele Daten und Fakten, was aber nicht unbedingt die Identität der Stadt wiederspiegele. Davon sei die Grenznähe ein wichtiger Teil, weshalb beispielsweise die Anbindung an den Bahnhof Stein eines der Ziele sein müsse. Gleiches gelte für die qualitativen Ambitionen, wozu Huhle die bewusste ganzheitliche städtebaulichen Entwicklung und Gestaltung des Stadtbildes zählt.