Mit einstimmigem Votum hat sich der Kreistag nach einer erneut kontroversen und von Zwischenrufen geprägten Debatte für den Einstieg in die Planung eines Gesundheitscampus in Bad Säckingen ausgesprochen. Kritik aus dem Kreistagsgremium gab es wegen der beschlossenen Spitalschließung zum Jahresende, aber auch wegen der geplanten Mitarbeit des Spitäler-Geschäftsführers Hans-Peter Schlaudt im Lenkungsausschuss für den Gesundheitscampus. "Herr Schlaudt dürfte im Spital Waldshut genügend andere Baustellen zu bearbeiten haben", konstatierte etwa der FDP-Fraktionssprecher Klaus Denzinger. Sein CDU-Kollege Martin Albers beantragte schließlich eine formelle Abstimmung. Bei drei Gegenstimmen und vier Enthaltungen stimmte der Kreistag Schlaudts Mitarbeit mehrheitlich zu. Ohne die Spitäler Hochrhein ließe sich das Campus-Projekt gar nicht realisieren, wie Bad Säckingens Bürgermeister Alexander Guhl darstellte: "Die geplanten stationären Betten in Bad Säckingen werden von den Spitälern gehalten. Somit sind sie ein wichtiger Partner." Ohnehin lasse sich im Landkreis nur im Miteinander aller Akteure eine tragfähige Gesundheitsversorgung schaffen.

Innovative Form der Gesundheitsversorgung, bedarfsgerechte Verknüpfung des breit gefächerten medizinischen Angebots, Schaffung von Synergien und Fokus auf das Zukunftsthema Altersmedizin: Der geplante Gesundheitscampus bietet in vielerlei Hinsicht Vorteile, wie Jörg Risse von der Firma gök Consulting darstellte. Er wird die Konzeptionierung, die bis Ende des 1. Quartals 2018 abgeschlossen sein soll, übernehmen. "Es geht darum, herkömmliche Sektorengrenzen zwischen medizinischen Angeboten und Dienstleistungen abzubauen und verschiedene Beratungs- und Behandlungsangebote auf einem Campus zu versammeln. Es sollen Netzwerkstrukturen geschaffen werden." Eine derartige Verbindung sei gerade für die medizinische Versorgung in ländlichen Gegenden ein zukunftsweisender Ansatz, nicht zuletzt wegen des gravierenden Mangels an Ärzten und Pflegepersonal, so Risse. Spitäler-Chef Schlaudt sieht in dem Vorhaben aber auch "ein integratives Projekt im Spannungsfeld zwischen Bad Säckingen und Waldshut-Tiengen, das während der Spitaldebatte entstanden ist." Auch im Hinblick auf das geplante Zentralklinikum sei ein Engagement der Spitäler Hochrhein bei dem Vorhaben eine interessante Sache.

Einstimmig votiert der Kreistag im Dezember 2017 für den Säckinger Gesundheitscampus. Bild: Sandro Kipar
Einstimmig votiert der Kreistag im Dezember 2017 für den Säckinger Gesundheitscampus. Bild: Sandro Kipar | Bild: Kipar, Sandro

Sportlich ist der zeitliche Fahrplan: Bis April soll das Gesamtkonzept samt Kosten- Nutzen-Rechnung vorliegen, aber auch die Zusage von Sozialministerium und Kostenträgern, sagt Bürgermeister Alexander Guhl. Zugleich sollen neben den Spitälern Hochrhein auch das Rehaklinikum, niedergelassene Ärzte und der Rettungsdienst in die Konzeptionierung mit einbezogen werden. Schon in gut zwei Jahren soll der Campus in Betrieb gehen, wie Guhl bei einem gemeinsamen Pressegespräch aller Akteure vor der Kreistagssitzung erklärte.

Bislang habe man von allen Seiten positive Rückmeldungen für das Vorhaben erhalten, so Guhl. Nun gelte es, gerade die Zusage von Fördermitteln des Landes einzuholen: "Die möglichst gute medizinische Versorgung der Bürger ist nur mit Unterstützung des Landes finanzierbar", so Guhl – auch wenn der Kreis 12,7 Millionen Euro für das kommende Jahr im Haushalt eingeplant und den Gesundheitscampus auch in der mittelfristigen Finanzplanung berücksichtigt habe. Dass Landrat Martin Kistler bereits äußerst aktiv an den zuständigen Stellen in Stuttgart für die Unterstützung des Gesundheitscampus Bad Säckingen werbe, wertet Guhl als sehr gutes Signal: "Wir waren noch nie so einheitlich und so konkret unterwegs." Man sei zuversichtlich, dass sich etwas Gutes erreichen lasse und damit der Kur- und Gesundheitsstandort Bad Säckingen nachhaltig stabilisiert und gesichert werden könne, so Guhl.

Nach Landrat Kistlers Ansicht ist die Beteiligung der Stadt Bad Säckingen bei dem ganzen Projekt ein wichtiger Aspekt: Die Stadt übernehme eine aktive Rolle und habe bereits wichtige Grundideen beigesteuert. Er hoffe, dass das Vorhaben dadurch auch auf breite Akzeptanz stoße. Noch zu klären ist derweil die konkrete Trägerschaft. Stadt Bad Säckingen und Landkreis sind die Auftraggeber für die nun beschlossene Konzeptionierung des Gesundheitscampus' und teilen sich die Kosten in Höhe von 150000 Euro. Die Form der Trägerschaft werde parallel und "juristisch belastbar" geprüft, so Kistler.

Der Unmut der Bürger kannte derweil auch bei der Sitzung am Mittwoch keine Grenzen. Das Maß der Zwischenrufe und Pöbeleien nahm zwischenzeitlich derart Überhand, dass Alexander Guhl die Anwesenden lautstark zur Ordnung rufen musste. Die Entscheidung zur Spitalschließung sei für alle hart gewesen. Nun müsse der Blick nach vorn gerichtet werden, denn mit dem Gesundheitscampus habe die Stadt eine echte Chance.

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