Bad Säckingen Im Landkreis kein Ärzte-Nachwuchs in Sicht

Eine Projektstudie stellt fest, dass im Landkreis viele Arztpraxen altersbedingt in den nächsten Jahren abgegeben werden. Doch die Suche nach jungen Ärzten gestaltet sich schwierig.

Ein Mangel an Hausärzten könnte schon bald dem Landkreis Waldshut bevorstehen. Am Freitagabend hat Heidrun Sturm von der Universität Tübingen dies auf der kommunalen Gesundheitskonferenz in Bad Säckingen als Ergebnis ihrer Projektstudie zur medizinischen Versorgung vorgestellt. An den Untersuchungen beteiligt waren auch das Karlsruher Institut für Technologie und die Universität Schleswig-Holstein.

Die Gesundheitsversorgung im Landkreis benötigt nicht nur im Hinblick auf die Spitaldebatte mehr Aufmerksamkeit. Landrat Martin Kistler kennt die Schwierigkeiten in der Region gut, wie er bei der Eröffnung der Gesundheitskonferenz in der Reha-Klinik zeigt: "Der Landkreis Waldshut steht aufgrund seiner Topografie, seiner Nähe zur Schweiz und seiner Altersstruktur vor großen Herausforderungen." Um diese Herausforderungen besser identifizieren zu können, wurde vor einem Jahr eine Projektstudie zur ambulanten medizinischen Versorgung in Auftrag gegeben.

Heidrun Sturm und ihr Team haben untersucht, wie viele Hausärzte und Spezialisten sich aktuell im Landkreis niedergelassen haben, wie alt sie sind, wann sie die Praxen altersbedingt aufgeben werden und ob schon ein Nachfolger gefunden wurde. Gleichzeitig haben die Forscher 3000 Bürger zu der Thematik befragt. "Im hausärztlichen Bereich ist die medizinische Versorgung noch als zufriedenstellend zu bewerten", so Sturm. Die Befragten hätten angegeben, dass sie den nächsten Hausarzt innerhalb durchschnittlich 14 Minuten erreichen würden. "Die fachärztliche Situation weist allerdings bereits heute schon größere Lücken auf." So könne ein Spezialist durchschnittlich in 37 Minuten erreicht werden.

Grund hierfür ist laut Sturm das überdurchschnittliche Alter der Hausärzte im Landkreis Waldshut. 43 Prozent von ihnen seien bereits über 60 Jahre alt. Die Versorgung in diesem Bereich würde sich deshalb in den nächsten fünf Jahren dramatisch verändern. "Viele Gemeinden könnten dann ohne Hausarzt sein", erklärt Sturm.

Die Suche von Nachfolgern erweise sich dabei als schwierig: Nur vier der 28 befragten Hausärzte haben schon einen Nachfolger gefunden, lediglich sechs von ihnen haben bereits nach einem gesucht. Bei den Spezialisten zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Sturm nimmt zur Problemlösung die Ärzte, Verwaltung und Politik gleichermaßen in die Pflicht: Ärzte müssen ihre Nachfolge sichern und Politiker sowie Verwaltung die Rahmenbedingungen für junge Ärzte attraktiv gestalten. Der Nachwuchs und die Bürger würde außerdem von einer engeren Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren profitieren.

Eine sektoren- und berufsgruppenübergreifende Kooperation der Ärzte, wie es der von Bad Säckingen vorgeschlagene Gesundheitscampus vorsieht, sei laut einer ersten Einschätzung von Sturm ein vielversprechender Ansatz. Auch das Nutzen von neuen Behandlungsmethoden wie der Telemedizin würden dafür sorgen, dass die Bevölkerung auch in Zukunft flächendeckend versorgt werden kann.

Die medizinische Versorgung im Landkreis in Zahlen

Auf der Gesundheitskonferenz hat die Forschungsgruppe rund um Heidrun Sturm die medizinische Versorgung in Zahlen zusammengefasst. Eine Übersicht:

  • Das Alter der Ärzte wurde bereits angesprochen: 43 Prozent der Hausärzte im Landkreis sind über 60 Jahre alt. Davon sind 28 Prozent 65 bis 74 Jahre und 15 Prozent 60 bis 64 Jahre alt. Die 28 bis 39-Jährigen bringen es lediglich auf ein Prozent. Bei den Spezialisten sind 19 Prozent über 65 und 15 Prozent 60 bis 64 Jahre alt. Den größten Anteil stellen hier die 50 bis 59-Jährigen mit 20 Prozent. Die 28 bis 39-Jährigen Spezialisten liegen bei zehn Prozent.
  • Die Bevölkerung bewertet das Angebot der medizinischen Versorgung mit mäßig bis schlecht. Auf einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (sehr schlecht) bewerteten 33,2 Prozent der Befragten die Versorgung durch Hausärzte mit einer Drei, 38,7 Prozent die Fachärzte mit einer Fünf und 45 Prozent bewerteten die Versorgung ihrer Gemeinde mit einer Drei. Die Bewertung zielte nicht auf die Qualität der Ärzte ab.
  • Die Praxisabgabe und Nachfolge ist besorgniserregend: Innerhalb von sechs Jahren sollen 28 Hausarztpraxen abgegeben werden. Davon haben nur vier Hausärzte bereits einen Nachfolger gefunden, lediglich sechs haben bisher nach einem gesucht. Parallel haben 21 Spezialisten Pläne zur Praxisabgabe, acht davon schon in den nächsten drei Jahren. Bisher ist jedoch nur ein Nachfolger vorhanden, elf haben bereits danach gesucht.
  • Die zur Aus- oder Weiterbildung befugten Hausärzte machen einen Anteil von 47 Prozent aus. 24 Prozent der Hausärzte beschäftigen aktuell Ärzte in der Weiterbildung. 14 Prozent der Praxen sind Lehrpraxen.

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