Am Ende war es so, wie es nach einer schweren Geburt üblich ist: Alle waren hoch zufrieden von Landrat Martin Kistler bis zu den Fraktionssprechern im Kreistag, die einstimmig für den Erbbaurechtsvertrag zwischen dem Kreis und der Stadt Bad Säckingen gestimmt hatten.

Alle waren bemüht, zu betonen, wie viel Entgegenkommen beide Seiten gezeigt haben, um einen akzeptablen Kompromiss zu erzielen, und wie sehr dieser Kompromiss Ausdruck eines konstruktiven Verhandlungsverlaufs sei.

Medizinische Versorgung soll zukunftsfähig sein

Durchweg hätten alle Verhandlungspartner das große Ganze im Blick behalten: Die Schaffung eines zukunftsfähigen medizinischen Versorgungsangebots für die Menschen in der Region, den Gesundheitscampus.

Dieses zukunftsfähige Angebot wird von der Stadt Bad Säckingen allein gestaltet. Der Landkreis hat sich offiziell aus seiner tragenden Rolle in der Gesundheitsversorgung im westlichen Kreisgebiet verabschiedet.

Das bad Säckinger Spital: Hier soll der Gesundheitscampus entstehen.
Das bad Säckinger Spital: Hier soll der Gesundheitscampus entstehen. | Bild: Reinhardt, Lukas

Das Votum des Kreistags soll aber auch der demonstrative Schlusspunkt einer jahrelangen, teils erbittert geführten Auseinandersetzung um Krankenhaus Bad Säckingen und die Gesundheitsversorgung am Hochrhein sein. Diesen Wunsch implizierten die Fraktionssprecher in ihren Beiträgen nur. Landrat Martin Kistler brachte ihn auf Nachfrage aus der Bürgerschaft ganz direkt zum Ausdruck: Was gewesen ist, sollte abgehakt werden, so sein Appell. Jetzt gehe es um eine bessere Zukunft für alle.

Störfeuer bis zum Schluss

Doch selbst wenn man die Spital-Historie außen vor lässt, deuten Störfeuer, die bis zuletzt an die Öffentlichkeit gedrungen sind, darauf hin, dass es hinter den Kulissen der Vertragsverhandlungen zwischen Stadt und Kreis ganz schön zur Sache gegangen sein muss. Dabei erwies sich gerade Spitäler-Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt als nicht allzu zimperlich und war selbst gerne Auslöser von Diskussionen in der Öffentlichkeit.

Unkenrufe nach Spitalschließung

Los ging es nur Tage nach dem Kreistagsbeschluss zur Krankenhausschließung mit Unkenrufen zu Realisierungsmöglichkeiten des Gesundheitscampus im Spitalgebäude. Und noch im September nutzte Schlaudt die Erwiderung auf einen Leserbrief zu einem kräftigen Rundumschlag, bei dem er der Stadt Bad Säckingen unfaires Spiel vorwarf. Der Kommune gehe es nur darum, im Westen des Kreises durch die Hintertür ein Konkurrenzangebot zum Spital Waldshut zu implementieren, so die Behauptung.

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Der Erbbaurechtsvertrag, der wortgleich auch dem Gemeinderat Bad Säckingen vorgelegt wird, bestätigt derartige Vorwürfe nicht. Im Gegenteil. Konkurrenz wird ausdrücklich ausgeschlossen. Kooperation sei der Kernbegriff der Stunde, wie Landrat Martin Kistler nicht müde wird zu betonen.

Strukturelle Defizite in der Region

In diesem Punkt hat Kistler absolut Recht. Denn in der Region gibt es bereits erhebliche strukturelle Defizite bei der medizinischen Versorgung. Und perspektivisch werden die Probleme nur noch schlimmer, allein infolge der Überalterung der Ärzteschaft, gerade im niedergelassenen Bereich. Da kann es sich kein Akteur im Gesundheitswesen erlauben, sich abzuschotten. Sowohl Gesundheitscampus als auch Spital Waldshut werden also nicht umhin können und zusammenarbeiten müssen. Wenn nicht aus Überzeugung, so doch aufgrund der Sachzwänge.

Die Komplimente und Dankesworte der Kreisräte können allerdings auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch das Gremium selbst mit sich ringen musste. Zunächst ging es darum, ob die eigentlich für die Spitalsanierung zugesagten Mittel in Höhe von 12,7 Millionen Euro dem Campus zugute kommen zu lassen. Das Geld wird fließen. Aus der Trägerschaft des Gesundheitscampus’ hält sich der Kreis aber heraus.

Stadt allein in der Verantwortung

Die Trompeterstadt steht allein in der Verantwortung für Planung, Umsetzung und Betrieb der Einrichtung. Es ist eine Chance, ein modernes medizinisches Versorgungskonzept auf die Beine zu stellen, und das ohne auf das Wohlwollen eines Partners angewiesen zu sein. Es ist eine Herausforderung zu beweisen, dass es möglich ist, dieses wirtschaftlich tragfähig zu führen.

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Naturgemäß ist ein solches Vorhaben auch mit Risiken verbunden. Gerade aus finanzieller Sicht wird es einiger Anstrengungen bedürfen, bis der Betrieb im Campus läuft. Das wiegt umso schwerer für eine Kommune, die trotz aller Sparerfolge der vergangenen Jahre immer noch über einen beträchtlichen Schuldenstand verfügt. Es wird einen langen Atem brauchen, bis sich der Gesundheitscampus trägt. Dessen sollten sich alle Beteiligten bewusst sein.

Drei positive Vorzeichen

Das Interesse von Ärzten, Dienstleistern und anderen Anbietern ist riesig, sagt Campus-Manager Peter Mast. Damit wäre eine wichtige Voraussetzung für den Campus erfüllt, denn wenn nicht einmal potentielle Mieter Interesse an so einer Einrichtung hätten, könnte man es sich auch sparen.

Aufgrund der weitgehend transparenten Vorbereitung konnte auch ein Gutteil der Skepsis abgebaut werden, die in der Öffentlichkeit anfangs vorhanden war. Die Menschen stehen dem Vorhaben inzwischen aufgeschlossen und erwartungsvoll gegenüber. Auch dies ist eine wichtige Voraussetzung, denn ohne reichlich Nutzer lässt sich eine solche Einrichtung nicht wirtschaftlich betreiben.

Abgesehen davon dürften weitere Fördermittel folgen. Landrat Kistler hat die Unterstützung seiner Behörde zugesagt, wenn es um Verhandlungen mit Land und Bund geht. Bestenfalls könnten unter anderem mehrere Millionen Euro aus dem Krankenhaus-Strukturfonds fließen.

Insofern sind die Vorzeichen für ein Gelingen des Gesundheitscampus insgesamt positiv. Höchste Zeit, dass es an die Umsetzung geht.